Winter, du nervst!

  • Publiziert: 06.03.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Roman Neumann

ZÜRICH – Dieser Winter geht viel zu lang und ist viel zu streng! Ja, stöhnen die Arbeiter auf der Strasse. Aber SF Meteo winkt ab: Papperlapapp!

Sie räumen, salzen, putzen, machen unsere Strassen befahrbar. Die Strassenarbeiter, die unermüdlich gegen den Schnee kämpfen. Doch sie spüren die Härte der Jahreszeit, sind kaputt.

Reto Färber (44), Strasseninspektor Kanton Zürich, bestätigt: «Ja, für uns ists ein strenger Winter.» Es gab so einige Nachteinsätze, plötzlicher Schneefall, der Winterbetrieb läuft auf Hochtouren. Seit fünf Monaten. Färber: «Die Motivation ist nicht mehr so hoch wie am Anfang – aber wir wissen, dass wir nicht nachlassen dürfen.» Man arbeite jetzt besonders sorgfältig, Fehler sollen vermieden werden.

Strenger Winter? Von wegen!

Doch halt: Wetterexperte Thomas Jordi von SF Meteo dämpft das kollektive Stöhnen über den ach so harten Winter. «Es war ein ganz normaler Winter – die Menschen wurden in den letzten Jahren ganz einfach verwöhnt!» Dieser Winter bewege sich ziemlich genau im Schnitt von den letzten 60 Jahren, es sei falsch, ihn als besonders streng zu bezeichnen.

Also, Herr Strasseninspektor? Der kontert: «Aus meteorologischer Sicht mag er Recht haben – aber wir spüren jedes Grad.» Wenn die Null-Grad-Grenze hin- und herschwanke, entscheiden ein oder zwei Grad über einen Einsatz, erklärt er.

Arbeiter werden schikaniert

Und so müssen die Arbeiter in den orangen Mäntelchen auf die Strasse, bei jedem Schmuddelwetter, bei jeder Temperatur. Doch darauf freuen sie sich! Im November sei die Euphorie stets gross, sind endlich ins Wintergetümmel stürzen zu dürfen, der «Berufsstolz» sei das, erklärt der Strasseninspektor.

Dabei werden sie zum Dank als Störenfriede auf den Strassen angesehen. «Oft beschimpfen Autofahrer unsere Arbeiter, oder bewerfen sie mit PET-Flaschen!» Das drücke auf die Moral, sagt Färber. Aber im Winter seien die Autofahrer oft dankbar, dann gebe es auch mal ein Lob oder ein paar nette Worte: «Unseren Leuten ist die Wertschätzung der Bevölkerung sehr wichtig.»

So wird das Wetter am Wochenende

«Morgen ists noch etwas wolkenverhangen, gegen Nachmittag dürfte aber stellenweise auch die Sonne durchdrücken», sagt Thomas Jordi von SF Meteo. In Bern verziehen sich die Wolken etwas früher als in Zürich, in der Ostschweiz bleiben sie noch länger. Schnee fällt aber am Wochenende nicht bis in die Niederungen, die Schneefallgrenze liegt bei 1000 Meter. Erst ab Montag sinkt sie wieder auf 600 Meter. Am Sonntag dürfen sich vor allem die Westschweiz, das Wallis und das Tessin über mildes Wetter freuen. Aber Frühling ists noch lange nicht. «Der Winter gibt noch nicht auf», sagt Jordi.
play Reto Färber, Strasseninspektor Kanton Zürich: «Es war ein harter Winter!» (ZVG)

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