Wieso kriegte Amok-Fahrer den Ausweis zurück?

  • Publiziert: 05.07.2007, Aktualisiert: 03.01.2012

LUZERN – Zur Todes-Fahrt auf der A2 bei Emmen gibts immer mehr böse Details: Der Fahrer war besoffen. Und er war sein Ticket schon mal los!

Heute gab die Polizei bekannt: Der irre Raser, der auf einer Autobahn-Baustelle drei Arbeiter getötet hatte, war besoffen: Der 28-jährige Schweizer hatte 1,76 Promille Alkohol im Blut.

Jetzt klären Experten noch ab, ob der Mann etwa auch noch unter dem Einfluss von Drogen oder Medikamenten stand.

Klar dagegen ist, wie ebenfalls heute bekannt wurde: Der Fahrer war zwar im Besitz eines gültigen Fahrausweises. Aber: Dieser war ihm 2006 vorübergehend entzogen worden!

Wie die Polizei mitteilte, wurde der Entzug vorsorglich aufgrund eines Arztberichts verfügt. Nach weiteren Abklärungen und einem fachärztlichen Gutachten erhielt der Mann den Ausweis dann unter Auflagen wieder zurück. Wie lange der Entzug dauerte und was die Gründe dafür waren: Da hüllt sich die Polizei in Schweigen.

Nach ersten Erkenntnissen war der Mann in Emmen bei der Verzweigung Rotsee auf die A14 gefahren, um danach auf die A2 in Richtung Norden einzubiegen. Er befuhr den Beschleunigungsstreifen, der wegen einer Spurverengung mit Gummikegeln markiert war.

Doch statt sich in die einspurig rollende Kolonne auf der A2 einzufügen, ignorierte der Mann die Kegel und fuhr im gesperrten Bereich zwischen der Kolonne und den am rechten Strassenrand abgestellten Baumaschinen durch. Dort erfasste der Wagen darauf die Gruppe von neun Arbeitern einer Bodenmarkierungsfirma.

Laut der Polizei befinden sich noch vier zum Teil schwer verletzte Arbeiter im Spital. Der 28-Jährige bleibt in Untersuchungshaft. (SDA)

Falsche Tests?

ZÜRICH – Brisante Recherchen von «10vor10»: Die Urin-Proben, die Auto-Fahrer abgeben müssen, wenn Verdacht auf Alkohol- oder Drogenmissbrauch besteht, sind nicht zuverlässig. Bei bis zu zwei Dritteln der Tests kommt es zu falschen Ergebnissen! Auch der Amok-Fahrer von Emmen könnte davon profitiert haben. Er musste regelmässig Urinproben abgeben. Doch diese wurden ihm jeweils zwei Tage im Voraus angekündigt – Zeit genug, die Probe zu verfälschen. Pikant: Es gibt durchaus eine zuverlässige Methode, um Alkohol- oder Drogenmissbrauch von Autofahrern festzustellen – Rechtsmediziner Markus Baumgartner, Uni Zürich hat es längst bewiesen! Statt Urin- muss man Haarproben nehmen. Warum haben die Luzerner das nicht gemacht? Die Öffentlichkeit hat eine Antwort verdient. (snx)

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