
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Heute wird ein neuer Fall bekannt: Ein 53-jähriger Lehrer der Oberstufe im aargauischen Wohlen wurde wegen sexuellen Missbrauchs an einem minderjährigen Schüler festgenommen wurde. Der Mann ist geständig (Blick.ch berichtete).
Und leider ist der Lehrer aus Wohlen AG kein Einzelfall. Da gibt es etwa den Lehrer C.G. (31), der 2008 in Behringen SH mindestens zwei Schülerinnen mit Sex-SMS lockte. Oder Hans-Martin Z.*, der im aargauischen Schinznach unterrichtete, obwohl bekannt war, dass er unter anderem einer jungen Frau ein Penis-MMS geschickt hatte.
Oder der Sek-Lehrer S.R.* (33), der 2007 die U-18-Mädchenmannschaft des SC Luwin in Luzern trainierte – und sich an ihnen vergriff. Oder den Aargauer Lehrer R.I.* (36), der 2006 verhaftet wurde, nachdem bekannt wurde, dass er eine ehemalige Schülerin fünf Jahre lang missbraucht hatte. Oder den Thurgauer Sekundarlehrer E.W.* (47), der 2005 wegen Missbrauchs mehrerer Buben vor Gericht stand.
All diese Fälle standen im BLICK. Und es waren leider nicht die einzigen, die in den vergangenen fünf Jahren passierten.
Die meisten Übergriffe finden in der Familie statt
Und trotzdem: Die allermeisten Fälle von sexuellem Missbrauch passieren nicht in der Schule, sagt Cordula Sanwald von der Stiftung Kinderschutz Schweiz zu BLICK. «Genaue Zahlen gibt es zwar leider keine, und die Dunkelziffer ist nach wie vor hoch», sagt Sanwald, «doch man geht davon aus, dass rund 90 Prozent der Täter direkt aus der Familie oder aus dem ganz nahen Umfeld, also etwa von guten Freunden der Familie, stammen.»
Dass die Zahlen beim Thema Kindsmissbrauch nicht genauer erfasst werden, bedauert Sanwald. Immerhin gibt es die Zahlen der Schweizer Opferhilfe. Die Opferhilfestatistik zeigt auf, dass sich die Anzahl der Beratungen für Kinder und Jugendliche, die Opfer von sexuellen Handlungen wurden, seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt hat. Sie ist von 1779 im Jahr 200 auf 3504 im Jahr 2008 gestiegen.
Im Jahr 2008 stammten die Täter in 84,8 Prozent der Fälle aus dem näheren sozialen Umfeld der Opfer, in 54,5 Prozent der Fälle waren die Täter Familienangehörige.
Wie gross die Gefahr an den Schulen ist, lässt demnach nicht in Zahlen ausdrücken. Die Stiftung für Kinderschutz hält in ihrem letzten Bericht aber fest: «Statistiken zeigen nur die Spitze des Eisbergs. Sexuelle Gewalt ist eine Gewaltform mit einer riesigen Dunkelziffer. Das heisst, nur die wenigsten Fälle kommen ans Licht.» (byg)
*Namen der Redaktion bekannt