Pfadi-Drama: zwei Buben schwer verletzt Wie kam der Brennsprit ins Lager?

OBERBÜREN - SG - Im Pfadilager verbrennen sich zwei Buben (11) schwer. Im Biwak waren keine Leiter vor Ort. Die Kinder waren selber für sich verantwortlich und leisteten Erste Hilfe.

  • Publiziert: 24.07.2012
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Die Verantwortlichen des Pfadilagers «punktceha» waren sichtlich betroffen, als sie heute am Unfallort in einem Wäldchen neben der Autobahn A1 über den schweren Unfall von gestern Abend informierten. «Wir bedauern den Unfall sehr und sind in Gedanken bei den schwerverletzten Pfadis», sagte Lager-Präsident Armin Bosshard stellvetretend für alle Beteiligten.

Kleider brannten

Der Gesundheitszustand der zwei schwer verletzten Buben (11) aus dem Kanton St. Gallen sei stabil. Sie verbrannten sich gestern Abend um 21.10 Uhr, als eine Flasche Brennsprit Feuer fing und ihre Kleider in Brand setzte. Beide wurden in Spezialkliniken geflogen. Ein weiteres betroffenes Kind konnte ambulant verarztet werden.

Der Unfall passierte im Zusammenhang mit einem sogenannten Hike. Die Kinder gingen an einen zugewiesenen Platz, der rund zwei Stunden Fussmarsch vom eigentlichen Lager entfernt war. Dort baute die neunköpfige Gruppe ihr Biwak auf.

Keine Erwachsene dabei

Die Kinder waren ohne Erwachsene unterwegs. Der älteste Pfadfinder war 14 Jahre alt. «Die Gruppen war mit ihren Leitern in telefonischem Kontakt. Um 20.20 Uhr riefen die Kinder an und sagten, dass alles okay sei», sagte Lagersprecher Markus Egger. 50 Minuten später kam es zum Drama.

Laut dem Lagerarzt Patrick Schweiwiler reagierten die Kameraden der beiden Schwerverletzten geistesgegenwärtig: «Sie haben die Opfer sofort im nahen Bach gekühlt und den Rettungsdienst gerufen.»

Dass keine Erwachsene die Gruppen begleiteten, ist laut Egger in Pfadilagern üblich. Unüblich war allerdings, dass die jungen Leute Brennsprit dabei hatten. «Eigentlich lernt man Feuer ohne Brennsprit zu machen. Wie die Flasche auf Platz kam, wird untersucht», sagte Egger.

Kinder psychologisch betreut

Trotz des Unfalls wird das Lager wie geplant fortgeführt. Auch die Knaben und Mädchen der betroffenen Gruppe bleiben in Oberbüren. Sie werden psychologisch betreut. «Die Mitarbeiter des Care-Teams haben uns geraten, die Kinder hier zu behalten, weil sie in der Gruppe besser betreut werden können», sagte der Lagerarzt.

Es ist auch nicht der erste Unfall in einem Pfadilager. Im November 2008 war in Adlikon ZH ein 16-Jähriger getötet worden, als er mit einem selbstgebastelten Böller eine Pfadigruppe empfangen wollte. Im Juni 2011 starb ein Cevi-Mädchen (8) oberhalb von Oetwil an der Limmat ZH im Pfingstlager bei einer Seilbahn-Übung. (sas/SDA)

Beliebteste Kommentare

  • jakob  nef , sulgen
    Wo 2000 Jugenliche in diesem Alter zusamen sind wird immer etwas pasieren! Ich finde das Unsinn jetzt gleich wieder von "schon wieder" zu sprechen. Das ist ein Schuss in den Ruecken jedes Pfadileiters der sich muehe gibt Lager Unfallfrei zu halten! Ohne die Ausbildung welche die Pfadi den Kindern giebt wuerde mit Sicherheit auch im Altag mehr pasieren.
  • jean-marc  meuwly
    Hallo?? Den Zusatz "schon wieder" bitte künftig bei jeder sich wiederholenden Nachricht...also bei jeder. Hm und ob die die Fähikeit der Lagerleitung fähig sind diese zu beruteilen...? Ja das verstehe ich auch nicht...man wird doch immer wieder davor gewarnt und geschehen immer noch Verkehrsunfälle. Ah ja und da fehlt auch nicht der gut schweizerische Kontroll und Überwachungswahn.
    Fakt: Der Unfall ist tragisch und richtig Brennsprit gehört nicht in Kinder Hände ... aber es werden immer Unfälle geschehen trotz allem und....wer war dabei und kann die Situation richtig beurteilen wir wissen nur was uns Blick gnädigerweise an Informationen zugesteht

Alle Kommentare (28)

  • Pascal  Biri , Rothrist , via Facebook
    Was früher gang und gäbe war landet heute am Pranger. Denkt doch mal zurück was wir alles für "Seich" gemacht haben dann ist diese Flasche Brennsprit dagegen eine Bagatelle. Es gibt schlimmere Sachen über die man berichten sollte.
    • 24.07.2012
    • 19
    • 1
  • Claudi  Kaiser , via Facebook
    Zuerst einmal wünsche ich den 2 Pfadis gute Besserung!

    Meine 2 Kids sind seid ca.8 Jahren in der Pfadi, dieses Jahr im KALA "Land in Sicht",eines als TN und eines als Leiter...ich als Mutter kann das nur unterstützen und die Abteilungs-leiter/innen haben mein vollstes Vertrauen....sicher, dieser Unfall ist sehr tragisch, aber die Pfadi als Organisation so zu kritisieren und anzugreifen finde ich sehr unfair.
    Viele Stunden und Kurse sind nötig, um mit den Pfadis ein tolles, unvergessliches und unfallfreies Lager zu geniessen...und ich bin überzeugt, dass die Leiter ihre Sache sehr ernst nehmen..!

    Leider passieren immer und überall Unfälle,...auch bei Erwachsenen explodiert der Grill,usw.

    Trotz diesem Unfall wünsche ich allen Kids die irgrndwo im Lager sind...viel Spass und hebet üch Sorg !!!
  • Walter  Portmann
    Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole:
    bis 15 sind nun mal alles noch Kinder und allzu viel Grips und Vernunft kann nun mal nicht erwartet werden.
    Jeder Unfall ist einer zuviel.
    Derjenige, der den Brennsprit mitgenommen hat, soll bestraft werden die Betroffenen selber wissen wer dies war.
    • Patrick  Hollenstein
      Ich leite Jungs im Alter von 13 - 15 Jahren und die haben viel Grips und Vernunft! Setzen Sie sich mal mit den Jugendlichen auseinander und Sie werden merken so "dumm" sind die nicht!

      Ausserdem steht im Text, dass die Kinder geistesgegenwärtig gehandelt haben. Wie viele der Personen, welche Ihrer Meinung nach mehr Grips und Vernunft haben, hätten auch so gehandelt?
      • 24.07.2012
      • als Kommentar auf Walter  Portmann
      • 103
      • 6
  • Martin  Huber , St. Gallen
    Jeder Pfader der hier jetzt alles beschönigt möchte ich einmal sehen, der sich vor die Eltern stellt und sagt dass es halt ein Unfall war und es halt passiere in einem Lager. Jeder der Kinder hat und sich vorstellt dass sein Kind durch sowas schwer gezeichnet ist, oder sogar sterben kann und immer noch sagt dass Unfälle in einem Lager passieren können und Leiter nicht dafür verantwortlich gemacht werden, dem seine Arroganz möchte ich nicht haben, danke.
    • Patrick  Hollenstein
      Ich möchte nichts beschönigen. Jeder Unfall der passiert ist blöde und unglücklich, sonst wäre es ja kein Unfall! Oder hat jemand schon ein schönen Unfall gesehen?

      Ich bin mir aber sicher, dass die Spritflasche von keinem Leiter stammt! Darum find ich es KOMPLETT FALSCH, hier die Leiter anzugreifen, welche etwas für die Jugend machen möchte!
      • 24.07.2012
      • als Kommentar auf Martin  Huber , St. Gallen
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  • Patrick  Hollenstein
    Wer hier schlecht über das Leitungsteam spricht, ist wohl der Meinung, wenn diese Person Leiter wäre, wäre dieser Unfall nicht passiert. Falsch gedacht! Unfälle passieren und wo 2000 ! Personen aufeinander treffen passieren Unfälle! Ich finde es absolute daneben, dass gewisse Personen hier gegen das Leitungsteam schiesst!!!

    Ich selber bin Jungwachtleiter, damit wir auf 12 Kinder schauen dürfen, müssen wir eine Ausbildung von 9-10 Tagen machen inkl. Abschlusstest, damit wir zu diesem Kurs überhaupt zugelassen werden müssen wir im Besitz des Nothelferkurses sein.

    Ihr fragt euch warum die Kindheit nur noch vor der Glotze sitzt? Falls junge, motivierte Leiter etwas für die Jugend auf die Beine stellen möchte und dann ein Unfall passiert, wird sofort das Leitungsteam beschuldigt. Das Leitungsteam lässt sich, dass nicht gefallen und hört auf. Ergebniss die Kinder können sich nicht beschäftigen also zurück vor die Glotze!

    Ich selber opfere pro Jahr 3 Wochen für meine Schar und Jungs. Nein ich arbeite ganz normal und habe pro Jahr 5 Wochen Ferien, also bleiben noch 2 Wochen für mich. Und ein Lager leiten sind alles andere wie Ferien, ich behaupte und weiss es, das Leiten ist viel strenger als Arbeiten gehen!!!
    So liebe Skeptiker, was macht ihr in euren Ferien?
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