Park-Sünder Leuenberger «Wie es wirklich war»

  • Publiziert: 24.01.2008, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Von Beat Michel

ZÜRICH – Bundesrat Moritz Leuenberger (61) als Parksünder. Busse gabs aber keine. Weil ein Polizist die Parkuhr für den Verkehrsminister fütterte. Was halten Sie davon?

Gut sechs Monate behielt der Gesetzeshüter das Erlebnis für sich. Einen Bundesrat erwischte er mitten in Zürich beim Schwarz-Parken – und bewahrte ihn vor einem Strafzettel. Statt den Magistraten zu büssen, wirft der Polizist ungefragt ein «Füfzgi» in die Parkuhr.

Vor ein paar Tagen erzählte er die Episode seiner obersten Chefin, Polizeivorsteherin Esther Maurer. Die SP-Stadträtin fand dies so erheiternd, dass sie es in ihrer Kolumne im Zürcher «Tagblatt» zum Besten gab: «Eine wunderschöne Geschichte über Demokratie, Rechtsgleichheit und Respekt gegenüber den Landesvätern.»

Wer der Parksünder war, behielt Maurer aber für sich. «Das ist meine Kolumne. Ich darf da schreiben, was ich will. Ich werde den Bundesrat aber nicht verraten», sagte die Politikerin gestern. Sie nimmt auch den Polizisten in Schutz: «Parkbussen gehören nicht zu seinem Aufgabengebiet. Darum darf er die Parkgebühr ruhig spendieren.»

Gestern outete sich der Parksünder: Bundesrat Moritz Leuenberger – nachdem ihn Blick und das SF um eine Stellungnahme gebeten hatten.

«Wie es wirklich war», schreibt der Verkehrsminister in seinem Internet-Blog. «Zunächst konnte ich mich an nichts erinnern. Doch jetzt dämmert es mir.»

In den Sommerferien habe er sein Auto vor einem Museum abgestellt, um das Buch «Kunst und Politik» abzuholen. «Als ich nach wenigen Minuten zurückkomme, steht da ein freundlicher Herr, der mich anspricht. Ich hätte die Parkuhr bedienen sollen, aber das habe er jetzt für mich gemacht.»

Parksünder Leuenberger argumentiert, er müsse doch keine Parkgebühr zahlen, weil er ja einen Gütertransport durchführe. Eine originelle Überlegung, die man sich als Autofahrer merken muss.

Allerdings ist sie rechtlich nicht gestützt, wie der Polizist dem Verkehrsminister erklärte.
Am Schluss des Blogs gesteht Leuenberger, dass er sich öfter mal nicht an die Verkehrsvorschriften hält: «Ich habe in Zürich schon etliche Bussen bezahlt.»

Was halten Sie von der Geschichte? Ist es richtig, dass ein Polizist in die eigene Tasche greift? Schreiben Sie uns!

play Den Einzahlungsschein gibts nicht für jeden. (Keystone)

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