Die Schattenmänner von Bern Wie die Kampfjet-Verkäufer agieren

  • Publiziert: 11.08.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Henry Habegger

Bern — Wo Kampfjets gekauft werden, ist Korruption nicht weit. Auch die Bewerber um den Milliardenauftrag in der Schweiz arbeiten undurchsichtig und gerne im Schatten, wie eine BLICK-Recherche zeigt.

2,2 Milliarden. So viel will sich die Armee neue Kampfjets kosten lassen. Im Rennen sind die Rafale (Dassault), der Eurofighter (EADS) und der Gripen (Saab), der jetzt im Emmen LU als erster der drei Jets getestet wird.

Die Schlacht wird mit allen Mitteln geführt. Alle Bewerber haben Büros in Bern bezogen. Hier sorgen je mehrere Leute vorab für den Kontakt zu Luftwaffe, Armasuisse (Beschaffungsarm des VBS) und Industrie, besonders zum bundeseigenen Rüstungskonzern Ruag.

Kampfjetkäufe sind skandalträchtig. Das erlebte eben Österreich, das unter mysteriösen Umständen den Eurofighter kaufte, obwohl der Gripen lange vorn lag. «Volle Transparenz im ganzen Verfahren», rät der Wiener Abgeordnete Peter Pilz darum der Schweiz.

Transparenz. BLICK suchte die diskreten, in keinem Telefonbuch eingetragenen Berner Büros der Anbieter auf. Und stiess auf verschlossene Türen. Nur bei Eurofighter antwortet im dritten Anlauf eine Stimme an der Gegensprechanlage. Sie gehört Frank Liemandt, Vertreter von EADS Military Air Systems. Er beharrt aber auf telefonische Voranmeldung, denn er müsse gleich weg.

Dutzende von Millionen werfen die Jethersteller in die Kampagne. Dutzende von Leuten und Firmen sind in der Schweiz aktiv. Die Anbieter reden gerne über die Vorzüge ihrer Jets. Aber nicht über die Mittel, mit denen sie diese Vorzüge in der Schweiz verkaufen wollen (siehe Box).

Schuld am Transparenzmangel ist auch der Bund. Die Armasuisse reagierte nicht auf eine Anfrage nach dem Anforderungsprofil für den neuen Jet. Es würde die Auswahl nachvollziehbarer machen.

Nebulös ist auch die Rolle der Ruag, die die Jets warten wird. Dass sie Einfluss auf die Typenwahl hat, zeigt sich darin, dass alle die Nähe zum Staatsbetrieb suchen:

Saab: Kaufte 2007 den Ruag-Bereich Grosskalibermunition. Kreierte dazu die «Saab Bofors Dynamics» mit Sitz auf Ruag-Gelände. Zwei von vier Verwaltungsräten stellt die Ruag. Eben verkaufte Saab der Ruag den Bereich Raumfahrt.

Dassault: Heuerte den kürzlich pensionierten Ex-Bereichsleiter Militärjets der Ruag, Pius Drescher, als Leiter des neuen Berner Büros an. Wie die anderen Schweizer Mitarbeiter der Bewerberfirmen darf sich aber auch Drescher nicht in den Medien äussern.

EADS:Ging schon vorher ein und aus bei der Ruag. Erhielt 2005 den Zuschlag für Armeehelikopter. Ruag ist Zulieferer des EADS-Airbus und an der EADS-Drohne Barracuda beteiligt.

Druck auch auf mehr Transparenz macht die Gruppe Schweiz ohne Armee (GSoA). 35 000, also rund einen Drittel der nötigen Unterschriften, habe sie nach zwei Monaten bereits für ihre Initiative gegen Kampfjets beisammen, sagt Sekretär Reto Moosmann. So ist immerhin absehbar, dass das Volk das letzte Wort zum Jet-Kauf hat.

Wenns um teure Kampfjets geht, ist häufig Korruption im Spiel

Kaum ein Kampfjet-Deal ohne Korruptionsaffäre. Einige Beispiele mit Akteuren in der Schweiz.

2001 EADS gerät wegen einem Bestechungsskandal in Südafrika in die Schlagzeilen.

2002 Dassault, so der Vorwurf in Südkorea, soll Militärs bestochen haben. Es ging um 20 Jets.

2003 unterzeichnet Österreich den Kaufvertrag für 18 Eurofighter. Ominöse Zahlungen aus dem EADS-Umfeld sickern durch. Auch Saab-Partner BAE Systems (GB) soll Provisionen versprochen haben − für den Fall eines Gripen-Kaufs.

2003 entscheidet sich Ungarn für den Gripen.
2004 Tut es ihm Tschechien gleich. In beiden Fällen gibt es später Korruptionsvorwürfe
gegen BAE.

2004 macht Dassault in Indien Schlagzeilen, weil es Mittelsmänner eingesetzt und Kommissionen vereinbart haben soll.

2004 Indien stoppt Helikopterdeal mit EADS. Korruptionsvorwürfe werden laut.

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