
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Die Ankündigung von MeteoSchweiz am Freitag war dramatisch: Sturm der Kategorie 4 im Anmarsch! Das ist die zweithöchste Gefahrenstufe überhaupt. Der Bund rief dazu auf, Wälder, Kreten, Abhänge und Bäche zu meiden, Zelte und Wohnwagen zu verlassen, Kinder und Vieh reinzuholen. Und was kam?
Im Vergleich zu den Hagelstürmen des Sommers nicht viel. Gar nicht viel. Gut, etwas kräftiger Wind. Ein paar entwurzelte Bäume. Und ein paar Blumentöpfe fielen von Balkonen. Zwei Personen erlitten Verletzungen, sie mussten ins Spital. Und es gab Schnee in den Bergen.
Aber erinnern Sie sich noch an «Lothar» im Jahr 1999? Ja, das war ein Sturm. Der grosse Sturm am Freitagabend war aber keiner. «Es scheint, dass sich MeteoSchweiz eine Übung auf Kosten und auf den Schultern der Bevölkerung erlaubt hat», sagt Peter Wick, Chef von MeteoNews.
Sein privater Wetterdienst hatte den «Sturm» besser eingeschätzt: Stufe 3. Doch Fernsehen und Radio mussten die Warnung von MeteoSchweiz vermelden, ab Stärke 4 sind sie vom Bund seit diesem Frühling dazu verpflichtet. «Ein solches Unwetter muss eintreffen, es dürfen keine Spekulationen und Unsicherheiten vorhanden sein», kritisiert Wick.
«Es fehlte an Fingerspitzengefühl und an der Kompetenz, Wetterwarnungen zu erstellen. In Sachen Warnungen hat das System von MeteoSchweiz versagt.» Das schade der Glaubwürdigkeit der ganzen Branche massiv.
Nachdem der staatliche Wetterdienst die Wetterwarnung am späten Abend auf Stufe 3 runterskaliert hatte, war bis Mitternacht auf der Homepage von MeteoSchweiz noch immer Stufe 4 angegeben. Als Erklärung hiess es: Bei mutmasslichen Extrem-Ereignissen sei eine Detailprognose schwieriger als bei normalem Wetter, da man weniger Erfahrungswerte besitze.
play
Frontalangriff auf Meteo Schweiz: Wetter-Experte Peter Wick. (ZVG)