Der Notruf aus dem Todeszug von Madrid, in dem Jeanne (†17) sass «Wir sind vier. José, ein Bub, ein totes Mädchen und ich!»

Im Polizeirapport von Madrid steht, wie die Gastmutter des Schweizer Au-pairs die Opfer im Metro-Wrack schilderte.

  • Aktualisiert: 09.08.2012
  • Von Biljana Jovic, Adrian Schulthess

Der U-Bahn-Crash von Madrid war eine Katastrophe mit Ansage. «Lass mich zur Teststrecke durch», sagt José Manuel P.* (†35) am Dienstag um 19.05 Uhr zu einem Kollegen auf dem U-Bahn-Depot in Loranca. «Ich nehme mir ­einen Zug!»

Obwohl José Manuel P. kein Zugführer ist, sondern bloss der Unterhaltschef des Depots, lässt man ihn gewähren.

Auch hat er seine Familie dabei: seine Partnerin Rosa Maria S.* (37), seinen Sohn (4) und das Au-pair der Familie, Jeanne A.* (†17) aus Neuenburg.

Die Oberleitung schwang und hing durch

«Ich sah den Zug hin- und herfahren. Dann hörte ich ein seltsames Geräusch. Als ich hinschaute, sah ich, dass die Oberleitung schwang und durchhing.»

Das ist einer der Zeugenaussagen, die laut der Zeitung «ABC» im Polizeirapport stehen.

José Manuel P. fährt den Zug am Ende der Teststrecke in den Prellbock, reisst ihn nieder. Auch der Hilferuf von Rosa Maria S. aus dem Metro-Wrack ist protokolliert. «Wir sind zu viert. José, ein Bub, ein totes Mädchen und ich!»

José Manuel P.* wurde gestern um 10.30 Uhr auf dem Gemeindefriedhof von El Alamo beerdigt. Auf seinem Grab liegt ein Blumenmeer.

«Wir werden Dich niemals vergessen», steht auf einem der Kränze. Der Absender: «Deine Kollegen von der Metro».

Wann Jeannes Freundinnen daheim in der Schweiz von ihr Abschied nehmen können, wissen sie noch nicht.

Die Eltern des Au-pairs, der Neuenburger Generalstaatsanwalt Pierre A.* und die Richterin Claire-Lise A.*, reisten am Mittwoch nach Madrid.

Erstes Xamax-Training ohne Jeanne

Ihre Tochter spielte bei der Xamax-Damenmannschaft in der Abwehr. Heute findet das erste Training ohne ­Jeanne statt.

Mit einem Xamax-Trikot nimmt ihr Team Abschied. «Die Mädchen aus der Damenmannschaft haben darauf ihre ganz persönlichen Botschaften für Jeanne hinterlassen», sagt Trainer Jean-Pierre Marcon (42).

«Wir werden das Leibchen der Familie übergeben oder ans Begräbnis mitbringen.»

*Namen der Redaktion bekannt

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