Wegen Terrorverdachts entlassen: Gepäckträger wehren sich gegen den Flughafen Genf

Nach den Anschlägen in Paris vom vergangenen November haben zahlreiche Muslime am Flughafen Genf ihren Job verloren. Jetzt wollen sie rechtlich dagegen vorgehen.

Pierre Bayenet (links), Anwalt einiger der entlassenen Flughafen-Mitarbeiter, Jamshid Pouranpir, Genfer VPOD-Sekretär, und zwei der geschassten Gepäckträger (rechts). play

Pierre Bayenet (links), Anwalt einiger der entlassenen Flughafen-Mitarbeiter, Jamshid Pouranpir, Genfer VPOD-Sekretär, und zwei der geschassten Gepäckträger (rechts).

Keystone

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Arbeiten bei der Gepäckabfertigung am Flughafen Genf-Cointrin Islamisten? Zwar nennt der Flughafen keinen Grund für die fristlose Entlassung von rund 30 Gepäckträgern kurz vor Weihnachten. Doch die Betroffenen haben auffällige Gemeinsamkeiten: Die meisten von ihnen sind Muslime, um die 30 Jahre alt, männlich, haben französische Pässe und arabische Namen.

Wie die Gewerkschaft VPOD in einer Mitteilung schreibt, erfolgten die Entlassungen aus Sicherheitsgründen. Allerdings scheine es so, als handle es sich um eine Vorsichtsmassnahme, die «nicht auf konkreten Elementen beruhe». Mit Hilfe von VPOD wollen sich die Entlassenen nun rechtlich gegen den Flughafen Genf wehren.

Einige von ihnen erklärten sich gestern an einer Pressekonferenz. Die Betroffenen fordern: Angabe der Gründe für das Zutrittsverbot zum Rollfeld und Entschädigung für den Lohnausfall. Die Gepäckträger wollen gegen den Entzug der Zutrittsberechtigung Rekurs einlegen und verlangen die Wiedereinstellung am Flughafen.

Verschärfte Sicherheitsmassnahmen

Nach den Anschlägen in Paris vom vergangenen November wurden die Sicherheitsmassnahmen am Flughafen Genf Anfang Dezember verschärft. Neu werden die Zutritts-Badges für den Mitarbeiter-Bereich des Flughafens nicht mehr alle fünf, sondern alle zwei Jahre überprüft. Um die Zutrittsberechtigung zu behalten, müssen die Mitarbeiter zudem einen einwandfreien Strafregisterauszug vorweisen.

Der Bericht über einen Ex-Gepäckträger des Flughafens, der bei der französischen Polizei bekannt war, sorgte zusätzlich für Sicherheitsbedenken. Insbesondere, nachdem am 9. Dezember die Terrorwarnstufe in Genf erhöht worden war. Der ehemalige Angestellte soll bei der französischen Polizei eine sogenannte «fiche S» gehabt haben. Das bedeutet, dass man ihn als potenziellen islamistischen Gefährder einstuft.

Waren auch die kurz vor Weihnachten entlassenen Mitarbeiter so fichiert? Der Genfer Sicherheitsdireiktor Pierre Maudet erklärt auf Anfrage der NZZ, man sei aufgrund der schärferen Kontrollen auf Fälle gestossen, die problematisch seien. Unter anderem seien die Badges nach Hinweisen der französischen Behörden entzogen worden. Ob die Betroffenen eine «fiche S» hatten, will Maudet jedoch nicht sagen. (noo)

Publiziert am 20.01.2016 | Aktualisiert am 26.01.2016
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16 Kommentare
  • Michael  Falk , via Facebook 21.01.2016
    Es kann ja wohl niemand so blöd gewesen sein, diese französischsprechenden, Araber oder Muslime erst in den letzten 2 Jahren am Flughafen eingestellt zu haben. Und wenn diese Menschen dort schon länger arbeiten dass ist diese Kündigung ganz klar zu unrecht erfolgt. Vergesst endlich eure 100 Prozent Sicherheit. Das ist eine Utopie. Gesunder Menschenverstand und Menschlichkeit das braucht es jetzt und hier.
  • Mario  Solario aus Lausanne
    21.01.2016
    war wohl nötig... für mich sind banker auch alles kriminelle!
  • Daniela  Bauschmann 20.01.2016
    Und wenns knallt. Dann sind die Betreiber wieder der Buhmann.
  • Michael  Rudolf 20.01.2016
    Im französischen Fernsehen und auch in Television Suisse Romande wurden viel differenziertere Beiträge als diese Reportage gesendet. Es wurde von einem provisorischen Entzug des Zugangsbadges zwecks Überprüfung gesprochen.
    Dies scheint mir im Anbetracht der Sicherheitslage durchaus gerechtfertigt. Dazu betrifft es kaum 30 von insgesamt 5000 Badge Trägern.
  • Ernst  Strickler aus Bülach
    20.01.2016
    An alle, die der Meinung sind, dass sei so völlig O.K. im Moment ungefähr im Verhältnis 3/4. Wie wärs dann mal mit Entlassungsgrund "SVP"? Immerhin gegen wesentliche Teile des Reichsstaats, Plakate im Stil längst vergangener Zeit! Bejubeln eines Demagogen! Usw, usw!!! Auch prophylaktisch fristlos entlassen, weil auch Leute, die uns gefährden können oder! Und das mit der falschen Religion hatten wir doch auch schon im Geschichtsuntersicht. Aber eben gegen unten trampeln und gegen oben hofieren!
    • Gieri  Caviezel 21.01.2016
      Super Idee. Ich finde auch, dass ein Drittel der Schweizer Stimmberechtigten entlassen werden sollte. Das hilft der Schweiz ungemein. Sarkasmus off.