Verwahrung trotzdem kein Thema Mörder von Adeline (†34) ist unheilbar

GENF - Vier Psychiater kommen im Fall Adeline Morel (†34) zum Schluss, dass ihr Mörder Fabrice Anthamatten (41) nicht therapiert werden kann. Trotzdem soll er nicht lebenslang verwahrt werden.

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Fabrice Anthamatten wird in Polen dem Haftrichter vorgeführt. Marcelin Kokolus

Der Fall der Genfer Sozialtherapeutin Adeline Morel (†34) schockierte vor zweienhalb Jahren die Schweiz. Die junge Mutter starb am 12. September 2013. Sie hatte den verurteilten Vergewaltiger Fabrice Anthamatten (41) vom Gefängnis zur Reittherapie begleitet – alleine. Anthamatten schnitt ihr die Kehle durch und floh nach Polen.

Der Täter sass im Therapiezentrum La Pâquerette in der Strafanstalt Champ-Dollon. Das Therapiezentrum ist mittlerweilen geschlossen. Eine Untersuchung ergab: Der Freigang von Adelines Mörder war ungenügend vorbereitet und lückenhaft gemeldet (BLICK berichtete).

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Fabrice Anthamatten nach seiner Verhaftung in Polen im September 2013. Marcin Kokolus

Prozess im Herbst

Der Prozess gegen Anthamatten findet voraussichtlich im Herbst statt. Vier Psychiater kommen jetzt zum Schluss, dass Anthamatten derzeit unheilbar ist. Der Mörder von Adeline ist demnach ein sadistischer Psychopath, der sich allmächtig und dominant fühlt. Derzeit gebe es keine Möglichkeit, Anthamatten zu therapieren, schreibt die Zeitung «Tribune de Genève».

Trotzdem sprechen sich die Gutachter nicht für eine lebenslange Verwahrung aus. Die Psychiater seien nicht sicher, ob sich Anthamatten nicht doch einmal weiter entwickle. Die Psychiater sprechen sich für eine klassische Haftstrafe aus. Sein Zustand würde regelmässig überprüft und Anthamatten käme nicht frei, solang er als gefährlich eingestuft wird.

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Adeline Morel (†34). Kapo GE

Kein eindeutiges Geständnis

Entscheidend wird sein, ob der Mord an Adeline als vorsätzlich eingestuft wird. Anthamatten machte diesbezüglich bisher kein eindeutiges Geständnis. An die eigentliche Tat will sich der Adeline-Mörder nicht erinnern können. Sein Gedächtnis sei wie von einem «schwarzen Schleier» verdeckt. «Ich wollte sie nicht töten», sagte Anthamatten in Einvernahmen.

Gegenüber den Psychiatern sprach er aber von Fantasien. Als er immer wieder die Erdrosselungsszene im Film Braveheart anschaute, habe er ständig an Adeline gedacht. Anthamatten ist auch fasziniert von Serienkillern.

Adelines Familie ohne Zweifel

Für den Anwalt der Familie von Adeline Morel gibt es keinerlei Zweifel, dass Anthamatten den Mord minuziös plante. «Er überliess nichts dem Zufall. Der Mord an Adeline war seit langem geplant», sagt Simon Nath. Anthamatten durfte auf dem Weg zur Reittherapie ein Messer kaufen, um Hufe zu putzen. Mit diesem Messer tötete er dann die Sozialtherapeutin. 

Als Folge des Mordes an Adeline müssen Therapeuten und Psychiater in Genfer Gefängnissen künftig den Justizbehörden Auskunft über die Gefährlichkeit ihrer Patienten geben.

Publiziert am 04.03.2016 | Aktualisiert am 20.05.2016
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So kam der Adeline-Killer zum Messer

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66 Kommentare
  • Werner  Amsler , via Facebook 04.03.2016
    Auf diesen Fehler haben die Gegner der Vewahrungsinitiative hingewiesen. Lebenslänglich verwahrt kann nur werden, wer "als nicht therapierbar" gilt. Dies kann nur ein (bzw. VIER!) Psychiater feststellen. Wer ist sich aber schon sicher, ob sich ein Täter nicht doch einmal weiter entwickle. Wer im Abstimmungskampf auf diese Fehlkonstruktion hinwies, wurde als "TÄTER-SCHÜTZER" verschrien.
    Populismus hält selten was er verspricht.
  • Peter  Nüesch aus Balgach
    04.03.2016
    "Die Psychiater seien nicht sicher, ob sich Anthamatten nicht doch einmal weiter entwickle. ... Sein Zustand würde regelmässig überprüft und Anthamatten käme nicht frei, solang er als gefährlich eingestuft wird." - Und wenn er als ungefährlich eingestuft wird, dann sind die Behörden SICHER, dass er KEINE MEHR UMBRINGT? Lachhaftes Theater. Dann heisst es plump + einfach, das habe man nicht vorhersehen können. Typen wie dieser haben eine Leben in Freiheit schlichtweg verwirkt, Punkt, aus, basta.
  • Gautschi  Gregor , via Facebook 04.03.2016
    Der kommt nie wieder frei ! Nie wird der ein Psychiater finden der ihm es schriftlich gibt das er gesund ist !
    Bin Mir sicher das noch viele solcher Psychos in der Schweiz leben !
    Darum sage Ich immer ,bei jedem Menschen ein gesundes misstrauen ist gut !
    Gruass us Chur Gregor
  • Kerstin  Brunner , via Facebook 04.03.2016
    Die Reittherapie hat anscheinend nichts genützt, vielleicht hilft es, wenn er mit Delphinen schwimmen geht?
  • Marga  Koch , via Facebook 04.03.2016
    Das Kriterium "nicht therapierbar" reicht nicht aus, um einen Täter lebenslänglich zu verwahren. Gemäss BV, Art. 123a muss ein Straftäter als extrem gefährlich erachtet und als nicht therapierbar eingestuft werden, um ihn lebenslang zu verwahren; was sicherlich auf sadistische Psychopathen zutrifft. Im sog. Hasch-Jesus-Fall wollte z. B. ein Gutachter den Täter verwahrt sehen, weil dieser eine Persönlichkeitsstörung habe und nicht therapierbar sei; das Gericht sprach jedoch keine Verwahrung aus.