Libyen-Botschafter: «Verhaftung Hannibals war ein rassistischer Akt»

  • Aktualisiert am 03.01.2012

GENF – Die Gaddafis sind immer für eine Überraschung gut. Jetzt hielt der libysche Botschafter in Genf eine Pressekonferenz. Und beschuldigt die Schweiz aufs Gröbste.

Heute trat der libysche Botschafter in der Schweiz, Ibrahim Aldredi, in Genf vor die Medien. Der Ort: Das Hotel Intercontinental. In einer der Suiten des 18. Stocks. Das Thema: die «Meinungsverschiedenheiten» zwischen der Schweiz und Libyen. Blick.ch verfolgte für Sie live die Pressekonferenz mit.

Ibrahim Aldredi kritisierte die Verhaftung von Hannibal Gaddafi und dessen Frau in Genf. Diese sei illegal und mit übertriebener Härte erfolgt. Die Kinder hätten die unwürdige Aktion mitansehen müssen. Die libysche Botschaft sei nie über die Verhaftung informiert worden.

Der Botschafter erklärte, dass Muammar al-Gaddafi nichts dagegen habe, dass sein Sohn vor die Justiz gestellt werde, wenn es gerechtfertigt sei. Dies sei in Genf aber nicht der Fall gewesen.

Gaddafi könne nicht verstehen, dass Polizei-Bilder seines Sohnes in den Medien abgedruckt worden seien.

Die Schweiz habe bei den Verhandlungen um die beiden Geiseln nicht vollumfänglich kooperiert, so der Boschafter.

Rechte der Schweizer Botschaft immer akzeptiert

Libyen habe die Rechte der Schweizer Botschaft immer respektiert. Diese sei nie in Gefahr gestanden, gestürmt zu werden.

Unglaublich: Dann zählte der Botschafter alle 188 Libyer auf, die von den Schweizer Visa-Einschränkungen betroffen sind. Die Schweiz habe das Schengen-Abkommen für politische Zwecke missbraucht, kritisierte Aldredi.

Libyen habe sein bestes getan, um das Problem mit Libyen zu lösen. Aber die Schweiz habe sich immer nur entschuldigt, Antworten verweigert und sei nie auf die Vorschläge eingegangen. Hätte die Schweiz besser kooperiert, gäbe es keine Probleme.

Die Schweiz müsse geradestehen für die Übergriffe an Hannibal Gaddafi und dessen Frau. Man könne das nur mit Rassismus und Hass auf Muslime deuten. Zudem sei sie illegal gewesen. «Die Schweiz muss die Verantwortlichen bestrafen!»

«Göldi und Hamdani waren immer frei!»

Max Göldi und Rachid Hamdani seien immer frei gewesen, sie hätten nur nicht Libyen verlassen dürfen. Denn die beiden hätten gegen libysche Gesetze verstossen.

Auf die Frage, wieso die beiden Schweizer über 50 Tage verschwunden gewesen seien, antwortet der libysche Botschafter, dass das nichts mit dem libysch-schweizerischen Konflikt zu tun gehbat habe. Die beiden hätten gegen Gesetze verstossen. Aber das sei ein anderes Thema.

Aussenminister Moussa Koussa habe gesagt, dass man kurz vor einer Lösung stehe und das sei auch richtig gewesen. Das Verhalten der Schweiz mache eine Konfliktlösung aber unmöglich.

Muammar al-Gaddafi habe mit der Aufforderung zum Dschihad man nicht Terrorismus gemeint, sondern wirtschaftliche Sanktionen und Ablehnung von Moslems gegenüber der Schweiz.

Für Libyen sei das grösste Anliegen, dass die Peiniger von Hannibal Gaddafi bestraft werden.

«Im Fall Göldi ist alles möglich»

Was mit Göldi passiert, entscheidet das Gericht. Weder Gaddafi noch sonst jemand habe Einfluss auf die rechtlichen Entscheide. Wann er frei komme, könne er als Botschafter sagen, aber alles sei möglich.

Der wirtschaftliche Boykott sei eine Reaktion auf das Verbot Minarette zu bauen in der Schweiz und habe nichts mit den diplomatischen Verstimmungen zu tun. (gca)

Das sagt die Schweiz

Die Schweiz hat in der Affäre Gaddafi auf die vom libyschen Uno-Botschafter in Genf gemachten Vorwürfe ungewöhnlich scharf reagiert. «Die Schweiz weist die öffentlich gemachten Vorwürfe Libyens in aller Form zurück», heisst es in einer Erklärung des Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Zudem habe die Schweiz «ihre bisherigen Vereinbarungen mit Libyen stets eingehalten». Die Schweiz sei «nach wie vor verhandlungsbereit und bestrebt, mit diplomatischen Mitteln und gemeinsam mit Libyen eine konstruktive Lösung zu finden». Zugleich machte das EDA klar, dass die Schweiz in der Affäre Gaddafi mit der Unterstützung der Europäischen Union rechnen kann: In ihren Bemühungen werde die Schweiz «insbesondere von der spanischen EU-Ratspräsidentschaft und Deutschland unterstützt». (SDA)

Top 3

1 Leserreporter fotografiert Notlandung Gleitschirmpilot auf Dach von...bullet
2 Minus 12 Grad! Eis-Sturm fegt über die Schweizbullet
3 Killer-Pärchen Lebenslänglich für Mord an Schwangererbullet

Schweiz

Soll die Schweiz die Visa-Sperre gegen libysche Staatsbürger aufheben?»

  • 6% Ja
  • 91% Nein
  • 3% Egal