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Seit 18 Jahren lebt der Tunesier Larbi Guesmi (54) als politischer Flüchtling in der Schweiz. Er ist Präsident von «Ez-Zeitouna», einer Vereinigung, die sich für die Menschenrechte in Tunesien stark macht. Guesmi liest in der muslimischen Gemeinde von Neuenburg regelmässig Freitagsgebete. Dort war er auch Imam.
Als Beruf gibt der politische Flüchtling Informatiker an. Guesmi tritt in der Westschweiz regelmässig in TV-Sendungen zum Thema Islam auf. Auf Französisch vertritt er dabei durchs Band moderate Positionen.
Auch in Bern gibt sich Guesmi gemässigt. Anfang 2006, an einer Kundgebung von Muslimen gegen die Mohammed-Karikaturen der dänischen Zeitung «Jyllands Posten», sagte er auf dem Bundesplatz: «Wenn ich unbedingt wählen müsste, würde ich eher mit Bitterkeit eine Mohammed-Karikatur akzeptieren, als Tote in einer U-Bahn zu sehen.» Ganz anders tönt es, wenn sich Guesmi auf Arabisch äussert.
Auf der Internetseite alhiwar.net preist er Sprengstoffgürtel als letztes Kampfmittel. Die Zeitung «24 heures» machte die Äusserungen des Tunesiers gestern publik. «Wir werden Widerstand leisten, das ist Teil unserer Verehrung, wir werden Widerstand leisten, sei es Sieg oder Tod.»
Zum Schluss des Textes schreibt Guesmi: «Sprengstoffgürtel, Waffe der Verletzlichen gegen die Feinde der Nation.»
BLICK will gestern mit Guesmi über seine Äusserungen auf der arabischen Webseite sprechen. «Ich habe keine Zeit, ich muss an ein Treffen», wehrt er am Telefon ab. Dann schreit er: «Diese Worte sind aus dem Kontext gerissen. Es ist nur ein Gedicht. Es geht um mein Land, um Tunesien. Es geht um die Menschenrechte.»
Die radikalen Worte des Ex-Imam aus Neuenburg. Sie schockieren die Stadt. «Die Äusserungen von Guesmi sind sehr beunruhigend», sagt Thomas Facchinetti, Ausländerbeauftragter des Kantons Neuenburg. «Es geht hier nicht um den Kontext. Guesmi ist zwar bekannt als Islamist. Bisher hat er aber moderate Positionen vertreten.»
Der Neuenburger SVP-Nationalrat Yvan Perrin will handeln: «Die tunesische Exil-Gemeinde hat sich bereits bei mir gemeldet. Sie wollen nicht, dass ein paar Extremisten alles zerstören, was sie hier in den letzten 30 Jahren aufgebaut haben.»
Guesmi wartet auf seine Einbürgerung. Mit der direkten Demokratie hat der «Dichter» aber so seine Mühe. Nach der Annahme der Anti-Minarett-Initiative im November 2009 reichte das muslimische Zentrum Neuenburg beim Europäischen Menschenrechtshof Klage gegen das Abstimmungsresultat ein.
«Es schmerzt mich im Herzen, dass die Schweiz, Land der Menschenrechte, vor diese Instanz kommt. Aber wir müssen es tun», erklärte Guesmi.
Der Sprengstoffgürtel «als Waffe der Verletzlichen gegen die Feinde der Nation».- Reuters