Seine Brüder verhinderten Exit Genfer begeht auf eigene Faust Selbstmord

Angehörige eines Genfer Rentners haben auf gerichtlichem Weg dafür gesorgt, dass der Mann nicht von einer Sterbehilfeorganisation in den Tod begleitet werden durfte. Jetzt hat er sich selber das Leben genommen.

Genfer Sterbehilfestreit um Exit: Endet mit Suizid des Rentners play
Das tödliche Mittel Pentobarbital durfte ihm vorläufig nicht verschrieben werden: Der 82-jährige Genfer suchte sich einen anderen Weg, um aus dem Leben zu scheiden. Keystone

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Noch vor einem Urteil des Genfer Zivilgerichtes zur Sterbehilfe in seinem Fall hat sich ein 82-jähriger Genfer das Leben genommen. Er sei einsam gestorben, bedauert die Sterbehilfe-Organisation Exit. Exit Westschweiz habe mit Trauer vom Suizid des Mannes erfahren, der nicht umgeben von jenen habe sterben dürfen, die er liebte, heisst es heute in einer Medienmitteilung der Vereinigung für humanes Sterben Exit.

«Ende in Einsamkeit»

Exit führt den Akt auch auf die Genfer Justiz zurück, die durch eine absichtlich verlangsamte Prozessführung den Mann davon abzubringen versucht habe. «Das trieb ihn dazu, seinem Leben in Einsamkeit ein Ende zu setzen», kritisiert Exit das Gericht.

Der Fall schlug grosse Wellen in der Westschweiz. Der 82-jährige hätte am 18. Oktober mit Hilfe der Sterbehilfe-Organisation aus dem Leben scheiden wollen. Zwei seiner Brüder brachten den Fall jedoch vor Gericht und gaben gegenüber zahlreichen Medien Auskunft.

Das Zivilgericht verhandelte den Fall am 24. Oktober. Der Anwalt der beiden Brüder führte aus, dass der Mann dem Lebensende nicht nah gewesen sei und Exit ihm deshalb keine Sterbehilfe leisten dürfe. Depressives Leiden dürfe nicht Grund für den Wunsch nach Sterbehilfe sein, fügte der Anwalt an.

«Unzumutbare» Leiden

Der sterbewillige Witwer hatte in einem Brief von «unzumutbaren» psychischen und physischen Leiden gesprochen. Der Anwalt von Exit gewichtete vor Gericht das Recht zu Sterben höher als die Sorge seiner beiden Brüder. Der Mandant habe das Recht, würdig zu sterben.

Der 82-Jährige und seine Brüder hatten vor Gericht als Zeugen ausgesagt. Die Befragung fand angesichts des sensiblen Themas unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Das Gericht kündigte ein Urteil innerhalb von spätestens drei Monaten an. Bis zum Urteil war es Exit nicht erlaubt, dem 82-jährigen Sterbehilfe zu leisten. (SDA)

Publiziert am 11.11.2016 | Aktualisiert am 11.11.2016
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7 Kommentare
  • Peter  liška 12.11.2016
    Ich wünsche den beiden Brürder ein möglichs langes Leben und das sie jeden Tag und jede Nacht an ihre Tat denken.
  • Morgan  Schwab aus Bülach
    11.11.2016
    Ruhe in Frieden - es muss schlimm gewesen sein, dass die eigene Familie den begleiteten Freitod nicht akzeptiert haben. Er ist nicht so gestorben, wie er es sich gewünscht hat, sondern allein. Das ist traurig. Ich hoffe, seine Geschwister lernen daraus - und auch die Behörde. Nämlich dass man den Entscheid solcher Menschen endlich akzeptiert. Hört auf, die Menschen damit zu bevormunden. Ein Sterben in Würde sollte im Alter möglich und auch akzeptiert sein - genauso bei unheilbaren Krankheiten.
  • Werner  Schlumpf 11.11.2016
    "Das Gericht kündigte ein Urteil innerhalb von spätestens drei Monaten an. " Und was haben jetzt die Geschwister und das Gericht erreicht - Suizid! Weshalb durfte er nicht über sein eigenes Leben entscheiden und auf humane Art und Weise sterben? Wer übernimmt nun die Verantwortung?
    • peter  hug aus LAmetlla de mar
      11.11.2016
      Niemand wie immer.... die Brüder gehören vor Gericht....und das Gericht auch...
  • Robert  Kunz 11.11.2016
    Resultat: Anwälte haben sich eine goldene Nase verdient. Zwei sture Brüder haben hoffentlich Schuldgefühle weil sie den 3. Bruder so haben ziehen lassen müssen. Und Dahingeschiedene hat seinen Frieden. Zu hoffen bleibt, dass in anderen Fällen das Recht auf ein würdiges von den Angehörigen Sterben anerkannt wird.
  • Steinle  Jeannette 11.11.2016
    Das verhalten seiner Brüder ist eine absolute Frechheit. Nieman hat das Recht darüber zu entscheiden ob jemand den Dienst einer Sterbehilforganisation annimmt. Es ermöglicht ein würdevolles sterben, was bei einem Selbstmord nicht möglich ist. Die Verzweiflung muss gross gewesen sein. Hoffendlich findet er nun Ruhe und Frieden.
    • Walter  Vetter , via Facebook 11.11.2016
      Hoffentlich sind die Anwaltskosten für die beiden Brüder 100 mal höher als die Kosten von Exit.