Welsche Forscher beamen schon ganz gut Raumschiff Genferprise

Zuerst öffnen die Forscher vom Genfer Cern Schwarze Löcher — und jetzt beamen sich ihre Uni-Kollegen auch noch in andere Welten.

  • Publiziert: 13.08.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Thomas Ley
play Beamen, Swiss Made Können wir bald Flüge zwischen den Dimensionen buchen? (flikr.com)

Die Forscher nennen es «Quanten-Korrelation». Albert Einstein nannte es «gespenstisch». Für Normalsterbliche ist es schlicht Science-Fiction.

Was die Physiker der Uni Genf da testeten, sprengt die Realität. Buchstäblich. Die Genfer zeigten nicht nur, dass es andere Dimensionen gibt, sondern wie schnell man zwischen ihnen hin und her wechseln kann. So schnell, dass es auch Captain Kirk von «Raumschiff Enterprise» schwindlig würde.

«Das stellt fundamentale Prinzipien in Frage, welche die Welt bisher bestimmten», schwärmt Professor Nicolas Gisin, dessen Team das Experiment durchführte.
Doch bis man einen Platz auf dem Raumschiff «Genferprise» buchen kann, dauert es noch ein bisschen. In den Forschungsresultaten, die in der Fachzeitschrift «Nature» erscheinen, geht es erst mal um unvorstellbar kleine Dinge: um Photonen – Bruchteile von Atomen.

Hinter dem Experiment stehen die Ideen der Quantenphysik. Sie befasst sich mit dem Verhalten der kleinsten Teilchen der Welt. Und steht bisweilen im Widerspruch zu Einsteins Relativitätstheorie.

Für Laien ist sie ein Buch mit sieben Siegeln – für die Wissenschaft könnte sie schnellere Computer ermöglichen oder Reisen zwischen den Dimensionen, vielleicht gar Reisen in der Zeit.

Das Experiment selber klingt nüchtern: Gisins Team platzierte in den Ortschaften Satigny und Jussy Stationen und verband sie mit Genf. Dann schickten sie aus der Mitte, von Genf aus, Photonen an die Endstationen. 24 Stunden lang, immer genau zum gleichen Zeitpunkt. Ihr Ziel: Messen, wann der sogenannte Quantenzustand der Teilchen übereinstimmte.

Sie suchten nach Quanten-Korrelationen – oder Quanten-Teleportationen. Und fanden sie. Die Sensation: Die Genfer stellten fest, dass diese Verbindung schneller ist als die Lichtgeschwindigkeit. Mindestens 100 000-mal schneller.

Kein Wunder nannte Einstein diese Idee «spooky» – «eine gespenstische Wechselwirkung». Er zeigte nämlich einst, das nichts im Universum schneller ist als Licht. Professor Gisins Team beweist jetzt das Gegenteil. Nur transportieren können die Genfer noch nichts.

Vorerst ist nur eins klar: Da war ein Photon in einer anderen Dimension. In einem Kanton Genf aus einer anderen Welt. Wenn das nicht gespenstisch ist.

play <b>Teleportation</b> wird auch Beamen genannt (von engl.: beam „der Strahl“). Populär wurde die Idee vor allem durch die TV-Kult-Serie «Raumschiff Enterprise» und den Spruch: «Beam me up, Scotty!» (screenshot)