Mafia-Verhaftung im Wallis immer peinlicher: Führt Italien mit diesem Film die Schweiz vor?

BERN - Bei der Verhaftung eines Mafioso im Wallis haben sich Beamte der italienischen Polizia di Stato in einem kleinen Filmchen medienwirksam inszeniert. Brisant: Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) hatte das Video nicht autorisiert.

Walliser Mafioso in Saas-Grund verhaftet

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Die Verhaftung eines 'Ndrangheta-Mitglieds vor einer Woche in Saas-Grund VS wird zu einer immer peinlicheren Angelegenheit für die Schweizer Behörden.

Die italienische Polizia di Stato hat ein Video der Aktion ins Netz gestellt. Zu sehen ist, wie die Italiener den Mafioso Antonio N.* (60) abführen. Sie begleiten ihn in Saas-Grund VS die Treppe hinunter und setzen den Mann in einen Kastenwagen. Für den Bruchteil einer Sekunde kommt ein Walliser Kantonspolizist ins Bild. Die Italiener blenden auf dem Video frech das Logo der italienischen Staatspolizei ein.

Jetzt wurde bekannt: Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) hat nie die Erlaubnis dafür gegeben!

Fedpol will nur ein Foto für die Akten autorisiert haben

«Wir haben die Italiener autorisiert, ein Polizeifoto für die Akten zu erstellen. Aber nicht, um ein Video zu drehen. Und schon gar nicht, um dieses auch noch zu publizieren», sagt Fedpol-Sprecherin Cathy Maret heute in «Le Nouvelliste».

Das Fedpol verteidigt sich: Bei den Aufnahmen handle es sich um eine Inszenierung. Die Italiener hätten den Mafioso nur aus dem Haus geführt. «Solche Bilder würden wir hier nie zeigen», sagt Maret. Das Video soll nur den Anschein vermitteln, dass die Italiener nicht nur Zuschauer waren. Die Kantonspolizei Wallis betont, dass sie Antonio N. in Handschellen gelegt hätten.

Wieso hat kein Schweizer Beamter etwas bemerkt?

Dass die Italiener filmten, davon bemerkten die Schweizer offenbar nichts. Erst «SonntagsBlick» hatte das Fedpol auf das Video aufmerksam gemacht. Peinlich!

Die italienischen Gesetzeshüter haben womöglich sogar gegen Schweizer Gesetze verstossen. «Die Polizisten aus Italien haben sich möglicherweise strafbar gemacht», sagte Strafrechtsexpertin Nadine Zurkinden von der Uni Basel zu «SonntagsBlick». Es handle sich hier um eine Amtshandlung der italienischen Polizei auf fremdem Territorium.

Nur mit einer Bewilligung des Justiz- und Polizeidepartements (EJPD) sei das Abführen von Verdächtigen allenfalls erlaubt. Tatsächlich lag aber keine solche für Saas-Grund vor.

Italienische Polizei: «Das Video ist echt!»

Giovanni Pappalardo (32), Sprecher der Polizia di Stato, sagt heute zu BLICK: «Das Video ist echt. Und keine Inszenierung.» Es sei nicht das erste Mal, dass italienische Beamte im Ausland Verhaftungen vornehmen.

«In Italien veröffentlicht die Polizei Fotos und Videos bestimmter Festnahmen. Das machen wir hier so», sagt Pappalardo. «Wir achten meist darauf, dass die Verhafteten dabei möglichst nicht in Handschellen abgeführt werden. Ansonsten sind solche Bilder für uns vollkommen normal.»

* Name der Redaktion bekannt

Publiziert am 15.03.2016 | Aktualisiert am 15.03.2016
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11 Kommentare
  • Stefan  Müller 16.03.2016
    Das Elend ist ja, dass unsere Polizei bei allem was sie tut mit einer Untersuchung rechnen muss. Wenn jetzt also dieser Mafiosi bei der Verhaftung durch die Schweizer Polizei eine Blaumose davongetragen hätte, müsste betreffender Polizist um seinen Job bangen. Vielleicht ist es daher besser, die Italiener haben den Kerl verhaftet.
    Und wie schon erwähnt, solange die Pianistin und Konsorten in Bern
    rumlamentieren wird sich das nicht ändern.
  • Benno  Schoenholzer aus Yang Talad
    16.03.2016
    .. hat nie dazu die Erlaubnis gegeben .. einfach nur Lachhaft!!!
  • seb  cicero 15.03.2016
    die faulen walliser Polizisten waren doch dabei - alle nötigen stellen informiert- und hätten den Job im Beisein der Italiener machen sollen. die walliser hatten wohl die hosen voll wegen Gegenwehr o,ä, und waren superfroh dass die Italiener den Job für sie machten und durchgriffen mit der Verhaftung.
  • Rolf  Gruber 15.03.2016
    Solange wir 28 Jedergegenjeder Kontonale Polizeikorps, 28 Staatsanwaltschaften der Horizont an der Bürotischkante endet, 28 kleine Polizeikommandantenkönige und Justitzdirektorenkönige haben und ein Parlament das selber offensichtlich soviel Dreck am Stecken hat dass es keine griffigen Gesetze erlässt, solange werden uns ausländische Staaten sagen wo in der Schweiz der Dreck zu finden ist.
  • peter  fischer 15.03.2016
    absolut normal in Italien. Habe lange in Italien gelebt. Selbst Kleinkriminelle kommen mit vollem Namen und oHne Balken über dem Gesicht in jeder Provinzzeitung. Täterschutz hat in Italien noch nicht Fuss gefasst. Gott sei Dank.