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Der Untersuchungsbericht zum Glacier-Express-Unglück ist beinahe fertig. Experten des Bundes absolvierten im Oktober die letzten Testfahrten. Walter Kobelt, Leiter der Unfalluntersuchungsstelle (UUS), will den vollständigen Bericht noch Ende Jahr publizieren.
SonntagsBlick liegen exklusiv die wichtigsten Ergebnisse vor. Schuld am Unglück ist einzig und allein der Lokführer, der 34-jährige Walliser Stefan R.* Sämtliche Spekulationen über angebliche Gleisverformungen, zu dichte Fahrpläne und den enormen Zeitdruck, dem die Lokführer ausgesetzt gewesen sein sollen, sind falsch. Diese «Punkte haben den Unfall nicht beeinflusst», sagt Kobelt. Keinen Einfluss hat die Fahrplandichte. Eine Testfahrt zwischen Zermatt und Disentis zeigt: «Fährt der Lokführer in normalem Tempo, bleiben ihm nach der kurvigen Alpenstrecke in Disentis mehrere Minuten übrig», so Kobelt.
Die Verspätung spielte auch keine Rolle. In Brig fuhr Lokführer Stefan R.* zwar acht Minuten zu spät los, das Verladen der Catering-Produkte hatte länger gedauert als erwartet. In Zeitnot war er deswegen nicht: In Disentis hätte er 30 Minuten auf den nachfolgenden Zug warten müssen.
Und keinen Einfluss hatte eine Aufforderung der Chefs, schneller zu fahren. Peter Moor, Sprecher des Schweizerischen Eisenbahnerverbandes, hatte nach dem Unglück gegenüber der «Tagesschau» gesagt, die Matterhorn-Gotthard-Bahnen würden ihre Mitarbeiter schriftlich auffordern, vermehrt aufs Gaspedal zu drücken. Dies, um Zeitpläne einzuhalten. «Das Infoblatt gab es tatsächlich, doch die Aufforderung ist völlig ungefährlich», sagt Kobelt.
Fakt ist aber: Bis zur Unfallstelle hielt sich Stefan R. auf dem gesamten Streckenabschnitt an die Tempovorschriften. Der Lokführer beschleunigte erst 200 Meter vor der Unglücksstelle von 35 auf 56 Stundenkilometer – völlig gegen die Vorschriften. Nur dank Fahrmast 46 stürzte der Speisewagen nicht von der Brücke. Ein Wunder, dass beim Unglück nur eine japanische Touristin (64) ihr Leben lassen musste.
Hans-Rudolf Mooser, Direktor der Matterhorn-Gotthard-Bahnen, wollte den Bericht Kobelts nicht kommentieren. Das Unternehmen werde Stefan R. sicher weiter beschäftigen, auch wenn der Richter ihn schuldig sprechen sollte. Klar ist, dass er nie wieder als Lokführer arbeiten wird. Stefan R. sagte gegenüber seinen Chefs, er habe ein Blackout gehabt und sei nicht aus Zeitnot zu schnell gefahren.
Untersuchungsrichter Marcel Ritz hat ein Verfahren gegen ihn eröffnet wegen fahrlässiger Tötung, schwerer Körperverletzung und fahrlässiger Störung des Eisenbahnverkehrs.
* Name geändert