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Das Auto berührt bei einem Überholmanöver vor einem Tunnel die Mittelleitplanke, gerät ins Schleudern und kracht mit voller Wucht in die Felswand auf der rechten Strassenseite. Es spickt zurück auf die Autobahn und kommt auf der Überholspur zum Stehen.
Die Kantonspolizei Neuenburg zeigt diese Bilder auf ihrer Facebook-Seite. Sie setzt in Sachen Raser-Prävention auf neue Technologien. Auf ihrem seit März aufgeschalteten Account werden Bilder, Videos und Berichte zu Unfällen veröffentlicht. In der Hoffnung, so die Jugendlichen für die schlimmen Folgen des Rasens zu sensibilisieren.
Die Kommentare auf Facebook sind grösstenteils positiv: «Exzellente Idee, dass man auf diese Kommunikations-Strategie setzt», schreibt eine junge Frau. Aber auch kritische Beiträge sind zu lesen: «Das ist doch nichts als Sensations-Geilheit. Wie kann man sich nur so etwas anschauen?»
Gefahr der Übersättigung
Bei Roadcross, der Stiftung für Strassenopfer, hält man die Methode der Neuenburger grundsätzlich für gut. «Es stellt sich allerdings die Frage, wie viele Menschen man damit erreicht», sagt Sprecherin Sabine Jurisch.
Bei Unfall-Videos bestehe zudem schnell das Risiko der Übersättigung, was der Prävention nicht diene. «Man muss irgendwo eine Grenze ziehen. Tödliche Unfälle so öffentlich zu zeigen wäre sehr heikel. Vor allem für die Angehörigen ist das schlimm», so Jurisch.
«Lebensnahe Bilder machen nachdenklich»
Daniel Menna, Sprecher der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu), hält das Vorgehen der Neuenburger Polizei für einen interessanten Ansatz. «Da es sich bei den Bildern nicht um inszenierte Schocker, sondern um lebensnahe Bilder aus der Region handelt, macht es die Leute nachdenklich.»
Weil Raser-Prävention vor allem bei Jugendlichen wichtig sei, habe die Polizei mit Facebook genau das richtige Mittel, um möglichst viele junge Leute zu erreichen, findet Menna.
Keine Tipps für richtiges Verhalten
«Ich bin gespannt, welche Erfahrungen die Polizei mit dem Projekt sammeln wird und ob es der Weisheit letzter Schluss ist», sagt Menna weiter. Er ist sich aber sicher, dass Polizeicorps aus anderen Kantonen die Sache beobachten und vielleicht sogar nachziehen werden.
Für das bfu hat die Facebook-Seite aber ein grosses Manko: «Leider fehlen bei den Videos Hinweise, wie man sich bei Unfällen richtig verhält und wie man solche verhindern kann», sagt Daniel Menna.