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Alles schien normal, als Matthias Schepp (43) am Freitag vor einer Woche seine kleinen Kinder für das Wochenende abholte. Er lud Alessia und Livia in seinen schwarzen Audi A6, fuhr weg.
Noch ahnt die Mutter nicht, dass der Vater die 6-jährigen Zwillinge entführt.
Der Ingenieur und seine Frau Irina (44) leben seit September getrennt, die Scheidung läuft. Alessia und Livia wohnen bei der Mutter in einer grossen Wohnung in St-Sulpice VD. Nachmittags betreut ein Kindermädchen die Zwillinge.
Traurig wegen der Scheidung
«Alles war geregelt, es gab keinen Streit», sagt Irina Schepps Bruder Valerio Ludici. «Sie hatten sich darauf geeinigt, dass die Zwillinge bei meiner Schwester bleiben. Matthias hatte sie am Wochenende.» Sicher sei sein Schwager traurig wegen der bevorstehenden Scheidung. «Aber er hat meine Schwester nie bedroht. Er liebte die Kinder.»
Eine letze SMS
Am Sonntag werden Alessia und Livia noch mit ihrem Vater in St-Sulpice gesehen. Um 17.30 Uhr sollte er die Kinder zurückbringen. Stattdessen schickt Matthias Schepp bloss ein SMS. «Er schrieb, er werde die Zwillinge nicht mehr am Abend absetzen, sondern sie am Montag direkt in die Schule fahren», erzählt Valerio Lucidi. «Wir waren gleich äusserst alarmiert und haben versucht, ihn zu erreichen.»
Aber Matthias Schepp geht nicht mehr ans Telefon.
Am nächsten Morgen, als der Vater die Kinder nicht wie angekündigt zur Schule bringt, alarmiert Irina Schepp die Polizei.
Die verzichtet auf eine öffentliche Fahndung nach dem Entführer. Jean-Christophe Sauterel, Sprecher der Kantonspolizei Waadt: «Wir dachten nicht, dass die Mädchen in Gefahr seien.» Ein schrecklicher Irrtum.
Spur in Südfrankreich
Am Montag kann die Polizei zwar noch einmal eine Spur aufnehmen. Matthias Schepp zahlt mit seiner Kreditkarte an einer Tankstelle in der französischen Hafenstadt Marseille.
Auch schreibt er seiner Frau eine Postkarte. Erklärt, er sei verzweifelt und fühle sich ohne Irina verloren.
Nur Matthias Schepp unterschreibt. Die zwei Töchterchen nicht. Dann verliert sich seine Spur.
Bis in der Nacht auf gestern. In Süditalien wirft sich ein Mann kurz nach Mitternacht nahe der Stadt Bari vor den Zug, wird überrollt und getötet.
Die Zwillinge bleiben verschollen
Der Tote ist Matthias Schepp. In der Nähe des Bahnhofs findet die italienische Polizei seinen Audi. Das Auto ist leer. Keine Spur von Alessia und Livia.
Polizeikommandant Alfredo Frabbrocini: «Seit dem Morgengrauen durchkämmen wir das Gelände. Leider ergebnislos. Auch im Auto haben wir nichts gefunden, das irgendwie weiterhelfen und uns auf die Spur der Kinder bringen könnte. Es gab dort keine Kleidung, kein Spielzeug, keine Spur von Gewalt.»
Was hat Mattias Schepp mit Alessia und Livia gemacht? Hat der Vater die Zwillinge getötet?
Der Onkel der beiden Mädchen hofft, dass Matthias Schepp die Kinder irgendwo in der Schweiz versteckt hat. «Wer irgendetwas gesehen hat, soll sich bitte, bitte melden», fleht Valerio Lucidi.