Es geht nur mit Zwang Kein Gemeindepräsident für Simplon Dorf VS

Die Oberwalliser Gemeinde Simplon Dorf findet keine Kandidaten für das wichtigste Amt im Dorf. Der bisherige Gemeindepräsident spricht über die Gründe.

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In Simplon Dorf VS finden sich keine Kandidaten für den Gemeinderat.  simplon.ch

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Simplon Dorf VS braucht einen komplett neuen Gemeinderat, denn die fünf aktuellen Amtsträger treten geschlossen zurück. Nachfolger sind im Oberwalliser 320-Seelen-Dorf keine in Sicht. Dank dem kantonalen Gesetz können Stimmbürger aber dazu gezwungen werden.

Davor fürchten sich nun alle Dorfbewohner. Der bisherige Gemeindepräsident Martin Rittiner hat mit SRF Regionaljournal über die Gründe gesprochen.

Rittiner erzählt, dass er das Amt auch selbst nie wollte: «Vor acht Jahren hatten wir das gleiche Thema wie jetzt. Vier Gemeinderäte verliessen das Gremium gleichzeitig. Wegen des Majorz-Systems waren bald ein paar Namen im Spiel – so auch meiner. Und weil ich zuvor Ok-Präsident eines Dorffests war, haben die Leute mich gewählt.» 

«Gemeindepräsident muss den Kopf hinhalten»

Es sei nicht einfach, in einem Dorf Gemeindepräsident zu sein, wo sich alle kennen: «Ich bin der Sohn eines Gemeindepräsidenten. So bekam ich schon als Kind mit, dass ein Gemeindepräsident oft den Kopf für Probleme hinhalten muss. Und ich bin nicht der Typ, der unbedingt streiten will. Eigentlich hatte ich keine Lust, mich damit auseinanderzusetzen.»

Die schlimmste Erfahrung machte Rittiner, als der Kanton Wallis in einem leerstehenden Hotel auf dem nahen Simplon-Pass eine Asylunterkunft einrichten wollte. Damals entstand das falsche Gerücht, dass er dies dem Kanton vorgeschlagen hätte. In der Folge wurde Rittiner persönlich angegriffen: «Einmal ging ich in eine Bäckerei. Dort stand eine grosse Traube Leute. Als ich kam, war es mucksmäuschenstill. Ich nehme an, die haben nicht einfach über das Wetter gesprochen.» 

Fusionen wären sinnvoll

Josef Escher, der auch schon Gemeindepräsident in Simplon Dorf war, sieht noch weitere Gründe, weshalb die Dorfämter unbeliebt sind: «Die ganzen Verfahren sind kompliziert geworden. Heute braucht es bald überall professionelle Leute. Man denke nur an das Bauwesen. Gerade bei unserem grossen Gemeindegebiet. Die Leute wollen das nicht mehr ohne Weiteres auf sich nehmen.»

Deshalb meint Escher: «Ideal wäre ein professionelle Verwaltung. Das ist aber für eine kleine Gemeinde aus finanziellen und personellen Gründen kaum möglich. Es geht höchstens im Verbund mit anderen Gemeinden der Region.» Doch die Nachbargemeinde Gondo hat eine Fusion vor erst acht Jahren abgelehnt. 

Die Dorfbewohner bedauern die aktuelle Situation. Einer sagt zum Regionaljournal: «Es ist schade, dass man jemanden reinzwingen muss.» Aber Nein sagen darf keiner, höchstens mit medizinischer Begründung. Wer der neue Gemeindepräsident von Simplon Dorf wird, ist deshalb völlig offen. (pfc)

Publiziert am 01.10.2016 | Aktualisiert am 01.10.2016
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