Kioskmann packt den Räuber an der Gurgel Dieser Überfall ging voll in die Hose

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Gabriela Battaglia

Moslem Ahmadi will nicht die Kiosk-Kasse retten, sondern sein Leben. Und bodigt den Räuber.

Genf, Quartier Les Acacias, Freitag, 21.17 Uhr: Der Alptraum jedes Kioskbesitzers – in diesem Moment wird er für Moslem Ahmadi (19) Wirklichkeit. Er steht an der Kasse, neben sich den Lotto-Computer, vor sich die Truhe mit dem Glacé, hinter sich das Zigaretten-Regal. Das füllt Ahmadi gerade auf, als ein Typ hereinkommt, dunkle Klamotten, Baseballkappe, Kapuze drüber.

«Ich bin sicher, Gott hat mir geholfen»

Der Fremde geht direkt auf ihn zu, quetscht sich mit ihm hinter die Kasse, greift mit dem rechten Arm umständlich hinter ihn. Ahmadi spürt etwas in seinem Rücken.
«Ich drehte mich um und sah die Klinge aufblitzen», erzählt der gebürtige Afghane: «Ich zögerte keine Sekunde. Ich dachte, dass ich es nicht verdient habe, an diesem Tag zu sterben, dass ich mich um jeden Preis verteidigen muss.»

Ahmadi packt den Räuber an der Gurgel. Wirft ihn um. Die Männer kämpfen zwischen Kaugummis, Gummibärchen, Pfefferminz, Schokolade, die aus Ständern und Regalen auf sie herabregnen. Die Überwachungskamera im Kiosk filmt alles. «Ich hatte nicht wirklich Angst», sagt Ahmadi der «Tribune de Genève». «Der Räuber hielt mir sein Messer dreimal an die Kehle. Dreimal schlug ich es ihm weg. Ich bin sicher, Gott hat mir geholfen.»

Beim Kampf schlittert die Waffe unter den Kühlschrank

Im Überwachungsvideo hört man Ahmadi: «Ruft die Polizei, ruft die Polizei.» Ein Passant hört die Hilfeschreie und alarmiert die Beamten. Im Kiosk geht der wilde Kampf am Boden weiter: «Ich habe ihm mehrmals auf die Hand geschlagen, damit er das Messer fallen lässt.»

Schliesslich schlittert die Waffe unter einen Kühlschrank. Moslem Ahmadi schafft es, den Räuber zehn Minuten festzuhalten. Die Zeit scheint ihm endlos, bis die Polizei kommt. Die Handschellen klicken. Der Kroate ist 39 Jahre alt, ohne festen Wohnsitz – und hat 1,92 Promille im Blut.

«Ich fragte ihn, warum er das gemacht hat», erzählt Moslem Ahmadi. «Er antwortete: ‹For money and fun› (für Geld und Spass). Das ist doch schrecklich.»

Moslem Ahmadi (19): «Ich dachte, dass ich es nicht verdient habe, an diesem Tag zu sterben.»- Tribune de Genève

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