Chaos-Baustelle Autobahn A9 Note «mangelhaft» für Walliser Beamte

Im Mai machte der «SonntagsBlick» die Verschleuderung von Steuergeldern in Millionenhöhe beim Bau der A9 im Oberwallis publik. Der jetzt veröffentlichte Bericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle bestätigt nun grobe Mängel beim Management der Baustelle.

Walliser Beamte in Kritik: Steuergeldverschwendugn bei Autobahnbau A9 play
Der Tunnel Eyholz: Er bildet das Herzstück der Umfahrung Visp auf der A9.  KEYSTONE/Olivier Maire

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Rund 4 Milliarden Franken wird die Fertigstellung der A9 im Oberwallis voraussichtlich kosten. Fast doppelt so viel wie ursprünglich veranschlagt. Bezahlt wird das Bauwerk zu 96 Prozent vom Bund. Die Bauleitung liegt aber beim Kanton Wallis. Zuletzt wurde Ende November ein Teilstück eröffnet, fertig wird das ganze Bauwerk wohl erst 2024.

Seit Jahren verzögert sich die Vollendung der Autobahn im Oberwallis – wegen Pannen, Fehlplanungen und Missmanagement. Zuletzt deckte der «SonntagsBlick» unter dem Titel «Hier verlochen Walliser Beamte unsere Steuergelder» auf, was schief gelaufen ist: Firmen verbauten im Eyholz-Tunnel auf rund 600 Metern mangelhaften Beton. Sie mussten diesen herausbrechen und neu betonieren.

Dafür schickte die Arbeitsgemeinschaft unter der Führung der Frutiger AG dem Kanton Wallis als Bauherrn eine Rechnung von rund 20 Millionen Franken. Ausserdem machten die Baufirmen beim Bau des Autobahntunnels Eyholz geologische Probleme geltend. Auch hier schickten sie eine Rechnung über 20 Millionen Franken an den Kanton Wallis.

Der führte anschliessend eine Mediation durch, reduzierte die Nachforderungen auf insgesamt rund 12 Millionen Franken und überwies den Betrag.

EFK-Bericht deckt erhebliche Mängel auf

Zu Unrecht, wie ein nun veröffentlichter Kontrollbericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK) bestätigt. Die EFK durchleuchtete die Baustelle im April, prüfte Bücher und befragte Bauführer sowie Ingenieure. Ihr Bericht deckt beim Management der Grossbaustelle erhebliche Mängel auf.

Auch den Grossteil der geltend gemachten Nachforderungen weist die EFK in ihrem Bericht zurück. Aufgrund der vorgelegten Unterlagen könnten laut EFK bloss 2 Millionen Franken an Nachforderungen geltend gemacht werden.

«Die übrigen Nachforderungen scheinen nicht vertragskonform zu sein», so das klare Urteil der Finanzprüfer beim Bund. Die vom kantonalen Amt für Nationalstrassenbau durchgeführte Mediation zum Ermitteln des Anspruchs der Baufirmen, sei «mangelhaft» gewesen, so die EFK: «Es darf nicht sein, dass die Bauleitung vor Ort vom Bauherrn in einer solchen Situation übergangen wird.»

Kanton ist zu wenig gut dokumentiert

Aus dem Bericht geht auch hervor: Im Hintergrund findet nach wie vor ein Tauziehen um die bereits ungerechtfertigt ausbezahlten Millionen statt. Die Bauleitung will die Beträge mit anderen, noch offenen Rechnungen ausgleichen.

Laut EFK ist die Situation zum heutigen Zeitpunkt noch nicht abschliessend bereinigt: «Der Kanton führt diesbezüglich mit dem Astra und dem Unternehmen die nötige Diskussion.» Robert Scheidegger von der EFK: «Die schlechte Ausschreibung und die ungenügende Dokumentation der Bauablaufsstörungen durch den Bauherrn führt dazu, dass er in einer schwachen Verhandlungsposition ist.»

Die EFK attestiert den Wallisern zumindest einen Willen zu Verbesserungen: Zwar habe die Bauleitung im Vergleich zu den Vorjahren Fortschritte beim Management der Grossbaustelle gemacht.

Trotzdem gebe es nach wie vor grosse Probleme. Den Hauptgrund dafür sieht die EFK bei der unklaren Rollenverteilung und in den mangelhaften Ausschreibungsdossiers.

Dass es zum Teil jahrelanges Tauziehen um Nachforderungen gebe, habe auch damit zu tun, dass die Bearbeitung von Nachforderungen bis heute unvollständig geregelt sei.

Ein Coach unterstützt nun die Walliser 

Die EFK empfiehlt deshalb dem für die Oberaufsicht betrauten Bundesamt für Strassen (Astra), dass es den Walliser Beamten eine externe Führungsunterstützung bereitstellt. So könne die Führungsqualität des Bauherrn «auf das erforderliche Niveau gebracht werden».

Laut Scheidegger vom EFK unterstützt die Person die Bauleitung des Kantons als Coach. Verbessert die Bauleitung die Qualität ihrer Arbeit nicht, muss das Astra weitere Massnahmen ergreifen. So denkt man auch darüber nach, die Bauleitung ganz dem Astra zu übertragen.

Doch dafür bräuchte es einen Entscheid des Bundesrats und gilt als Ultima Ratio: «Die Walliser haben nun mit dem Coach 12 bis 18 Monate lang Zeit ihre Arbeit zu verbessern. Wir glauben, dass sie das schaffen», so Robert Scheidegger.

Im Bericht nimmt auch das in der Kritik stehende Walliser Amt für Nationalstrassenbau ausführlich Stellung. Man habe bereits Massnahmen umgesetzt, um die Organisation und Verwaltung des Amtes positiv zu entwickeln. «Sämtliche Schritte sind noch nicht abgeschlossen und werden ihre Wirkungen auf den neueren Baustellen entfalten.»

Publiziert am 06.12.2016 | Aktualisiert am 06.12.2016
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2 Kommentare
  • Rolf  Merz 06.12.2016
    Ist auch in unserer Gemeinde (Wittenbach-SG) so. Volks - Geld wird verschleudert. Alles kostet bis 3 mal mehr als in der Privatwirtschaft. Und was machen die Parteien? Garnieren die auch?
  • Roman  Bachmair aus Naters
    06.12.2016
    Das Ganze dem Astra übertragen? Ausgerechnet jenem Amt, aus welchem sie hier in Visp kürzlich einige Verhaftungen vorgenommen haben?

    Ist ja interessant. Aus meiner Sicht sollte da einmal eine private, jedenfalls total staatsunabhängige Institution nach dem Rechten sehen.

    Das Potenzial, dass hier nach Strich und Faden masslos beschissen wurde, ist so hoch, dass es in den Weltraum reicht. Dass da in Bern die Alarmglocken nicht im höchsten Dezibel-Bereich läuten, ist zudem nicht verwunderlich.