Gerichts-Psychiater über den Adeline-Killer Anthamatten träumte von einem Amoklauf

GENF - Seit gestern steht Fabrice Anthamatten (42), der Mörder der Sozialtherapeutin Adeline Morel (†34) in Genf vor Gericht. Heute sprechen zwei Psychiater über den Geisteszustand des Angeklagten.

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Der Fall erschütterte die Schweiz. Vor drei Jahren, am 12. September 2013, starb Adeline Morel († 34), Sozialtherapeutin und Mutter eines damals acht Monate alten Mädchens. Sie wurde brutal ermordet vom verurteilten Vergewaltiger Fabrice Anthamatten (32). Der Häftling hatte seine Betreuerin an einen Baum gefesselt und ihr langsam die Kehle durchgeschnitten. So wie in einer Szene des Hollywood-Films «Braveheart», die er sich immer wieder angesehen hatte (BLICK berichtete).

Edelweisshemd und Glatze

Gestern begann der Prozess im Genfer Palais de Justice. In einem grauen Edelweisshemd und olivgrünen Hosen betritt Anthamatten am Morgen den voll besetzten Saal. Die Dächlikappe nimmt er ab, sein Schädel ist kahlrasiert.

Die Befragung zieht sich über Stunden hin. Über sein Motiv sagt er zur Richterin: «Als die Klinge ihre Kehle berührte, fühlte ich mich allmächtig. Es war nicht das Töten, das ich genoss. Es war die Möglichkeit, es zu tun.

Das Recht über Tod und Leben zu haben.» Er muss während der gesamten Befragung stehen, stützt sich auf eine hölzerne Abschrankung, gestikuliert immer wieder mit seinen grossen Händen. Er geniesst es sichtlich, im Mittelpunkt zu stehen. Reue zeigt er keine: «Mir fehlt die Empathie.»

Er tötete sie auf einem begleiteten Freigang

Trotz einer Verurteilung zu 20 Jahren sass er nicht im Knast, sondern wurde im Genfer Resozialisierungszentrum La Pâquerette auf die Freilassung vorbereitet. Er tötete Adeline auf einem begleiteten Freigang zu einer Reittherapie.

Auf dem Weg konnte er das Tatmesser kaufen. «Ich habe Adeline manipuliert», sagt Anthamatten. «Sie weigerte sich zuerst, das Messer zu holen. Da fing ich an zu täubelen, wie ein Kind, das sein Spielzeug nicht bekommt. Sie hat dann nachgegeben.» Er habe es aber nicht gekauft, um Adeline zu töten. «Ich habe eine Leidenschaft für Messer. Ich sammle sie, aber nur zum Anschauen. Ich habe eine Leidenschaft für Victorinox.»

Anthamatten plante seine Tat laut Anklage bis ins kleinste Detail. Das bestreitet er: «Ich hatte keinen Plan. Ich dachte nur an meine Flucht.» Als die Richterin ihn fragt, wieso er sich im Internet für Halsschlagadern interessierte, schweigt er zunächst. Dann: «Um zu wissen, wie man sterben kann, wenn man die durchschneidet.»

Sein nächstes Ziel war seine Ex-Freundin

Nach seiner Tat flüchtete er über einen unbewachten Grenzübergang bei Weil am Rhein (D). Sein Ziel: Polen. Dort wollte er seine Ex-Freundin auf grausamste Art und Weise umbringen: ihr zuerst die Augen ausstechen und sie dann lebendig begraben. Die Frau ist nach seiner Festnahme untergetaucht und nicht auffindbar.

Neben der Tat spricht Anthamatten gestern auch über die Schweizer Justiz – und macht sich über sie lustig. Der schweizerisch-französische Doppelbürger bekam 2001 für eine Vergewaltigung fünf Jahre bedingt. «In Frankreich ist Vergewaltigung ein Verbrechen. Meine Strafe erschien mir sehr mild. Das war fast ein Freipass zum Weitermachen.»

Ausserdem jammert er über seine Kindheit: «Meine Mutter ist grössenwahnsinnig. Mein Vater war Alkoholiker.»

Um 18.30 Uhr kommt es zum Eklat. Adelines Eltern protestieren, weil man weder die Richterin noch Anthamatten richtig versteht. Darauf werden Mikrofone installiert. Die erschreckenden Worte hallen nun in voller Lautstärke durch den Saal: «Ich habe noch immer Vergewaltigungsfantasien», gibt Anthamatten zu. Er sei nicht bereit zu einer chemische Kastration. «Ich würde aber sofort ein Dokument für eine physische Kastration unterschreiben.»

Nach rund elf Stunden beendet die Richterin den ersten Prozesstag. Heute geht es mit der Befragung von zwei Schweizer Gutachtern weiter.

Publiziert am 04.10.2016 | Aktualisiert am 07.10.2016
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15 Kommentare
  • Daniel  Kohler aus Wohlen
    04.10.2016
    Therapien heilen also die wirklich gefahrlichen Taeter gar nicht, sondern machen sie erst recht gefaehrlich? Noch entlarvender, dass Psychologen die wirklich Gefaehrlichen immer erst nach der Tat erkennen. Therapien ohne nutzen, Medikamente, die zu Sebstmorden und Amoklaeufen fuehren. Und fuer sowas zahlen die Buerger jedes Jahr Milliarden. Das ist doch keine Wissenschaft, sondern bloss in hochgestochene Phrasen verpackte Beutelschneiderei. Werft die Scharlatane endlich aus den Gerichtssaelen.
  • Tobias  Ragaz 04.10.2016
    man kann sich natürlich über das CH justizsystem beschweren, teilweis sind die verhältnisse echt fragwürdig (strassenverkehr z.b.). jedoch muss man auch die kriminalitätsraten anschauen und vergleichen und die sind in der CH MASSIV besser als in frankreich. solche zustände wie die haben, z.b. in den banlieues möchte ich hier definitiv nicht! das darf man nie ausser acht lassen, auch wenn ich die emotionalität nachvollziehen kann. offenbar ist das CH modell, abgesehen von einzelfällen erfolgreich
    • Marco  Kälin aus Dietikon
      04.10.2016
      Ginge es nach gewissen Politikern in unserem Land dann hätten wir genau die gleiche Kriminalität wie in Frankreich und nicht anders. Das hat mit der Justiz bei uns gar nichts zu tun. In diesem Fall hier hat aber nicht nur Justiz, nein auch Psychologen und Verantwortliche im Vollzugssystem vollkommen versagt. Das ein solcher Typ sich praktisch frei bewegen konnte ist eine absolute Katastrophe. Und nun winden sich die Psychologen und ringen um Erklärungen. Der darf nie mehr raus, nie mehr!
  • Güdemann  Rolf aus Reinach
    04.10.2016
    Verhöhnen? Vielleicht sollte man sich spätestens nach dieser Aussage hinterfragen, ob all die vermeintlichen Spezialisten und das ganze aufgeblähte und kostenreiche Getöns wirklich hilfreich ist. Manchmal ist gesunder Menschenverstand eben das probate Mittel. Und nein - nicht jeder hat automatisch ein Recht auf Existenz in einer Gesellschaft zu endlos ausufernden Bedingungen zu seinen Gunsten.
  • Susanne  Reich 04.10.2016
    Nur über sein eigenes Leben kann er nicht mehr frei verfügen... Wer auf diese Weise durch sein Leben geht - und anscheinend noch stolz darauf ist, keine Empathie zu haben - ist m.E. schwach. Andere Menschen hatten und haben es nicht leicht im Leben, trotzdem wurden sie nicht straffällig und schon gar nicht auf diese unbeschreiblich abscheuliche Weise. Diese Menschen arbeiten an sich und wachsen, währenddem dieser Täter immer weniger Menschliches in sich zu haben scheint.
  • Lionel Werren,  der Klartexter 04.10.2016
    Die Schweizer Strafen ist wirklich ein Witz, völlig veraltet und nicht mehr zeitgemäss. Eine bedingte Strafe für eine Vergewaltigung ist echt ein Hohn.