Organhandel-Skandal in Deutschland Werden auch bei uns Krankenakten frisiert?

Ein Organhandel-Skandal wühlt Deutschland auf. Ärzte fälschten Patientenakten, damit diese ein Organ erhielten. Wäre das in der Schweiz auch möglich?

  • Publiziert: 06.08.2012
  • Von Karin Müller
play In der Schweiz warten rund 1100 Menschen auf ein Spenderorgan. Viele sterben vorher. (sda)
play Dr. med. Franz Immer, CEO Swisstransplant. (swiss transplant)

Er gilt als der grösste Transplantationsskandal Deutschlands: In Göttingen soll der ehemalige Leiter der Transplantations-Chirurgie Krankenakten manipuliert haben, um Patienten auf der Warteliste nach oben zu befördern und so bevorzugt mit einer Leberspende zu versorgen.

Gegen zwei leitende Ärzte der Uniklinik ermittelt nun die Göttinger Staatsanwaltschaft wegen möglicher Bestechung und fahrlässiger Tötung in 25 Fällen. Aufgedeckt wurde der Fall durch die «Süddeutsche Zeitung».

Auch am Uniklinikum Regensburg soll es in der Vergangenheit zu ähnlichen Manipulationen gekommen sein. Der im Fall Göttingen verdächtigte Arzt war dort damals als Oberarzt tätig. Ein weiterer Mediziner, der verantwortliche Leiter der Transplantationsmedizin Regensburg, wurde inzwischen freigestellt.

Mehrere Kontrollsysteme in der Schweiz

In der Schweiz warten laut Auskunft von Swisstransplant rund 1100 Menschen auf ein Spenderorgan. Wäre eine Manipulation der Patientendaten in der Schweiz auch möglich?

Franz Immer, CEO von Swisstransplant: «Es ist sicherlich so, dass man auf der Leberwarteliste versuchen kann, Patienten kränker zu schreiben, als sie sind.»

Die mehrstufigen Kontrollen durch Fachleute und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) würden eine Verfälschung aber fast ausschliessen, erklärt Franz Immer heute Blick am Abend.

Der Chef von Swisstransplant weist jedoch auf die Tragik der einzelnen Schicksale hin und scheint gewisses Verständnis für das Handeln der deutschen Ärzte aufzubringen.

Grosse Belastung für Ärzte und Pflegefachkräfte

«Menschlich gesehen ist es für ein involviertes Team von Pflegefachkräften und Ärzten sehr schwierig, mit anzusehen, wie Kinder und Erwachsene aufgrund eines Organmangels buchstäblich unter den Händen versterben.»

Für Betroffene, die auf eine Leber, ein Herz oder eine Lunge hoffen, bedeutet dies lange Wartezeiten. Und für rund 100 Patienten den Tod.

Beliebteste Kommentare

  • Toni  Ott , via Facebook
    Schade, dass man selbst den Aerzten nicht mehr trauen kann. Schlicht und einfach ein Skandal der viel zu denken gibt !
  • Robert  Battler , Buenos Aires , via Facebook
    Warum sollte das in der Schweiz nicht möglich sein?
    • 06.08.2012
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Alle Kommentare (11)

  • Rees  Keller , Basel
    Wo viel Geld zu verdienen ist, lebt der Schwarzmarkt - egal um welche Branche es sich dabei handelt. Von dem her kann man solche Tatbestände in keinem Land ausschliessen - auch in der Schweiz nicht. Wobei ich der Überzeugung bin, dass es hierzulande wesentlich schwerer ist als z.B. in den Ostblockstaaten...
    • 07.08.2012
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  • Peter  Nüesch , Balgach
    Meine Organe können sie von mir aus haben und mich ausweiden, aber selber würde ich mir niemals was transplantieren lassen. Ich bin kein Anhänger dieser schon fast abartigen Hightech-Medizin, die ausser viel Geld für die "Gesundheits"industrie eh nichts bringt. Ein fremdes Organ wird vom Körper nun mal nicht akzeptiert ansonsten würde er ja auch Krankheitserreger wie Bakterien, Pilze, eigene Krebszellen etc. akzeptieren, ergo heisst es massive Immunsuppressoren einnehmen etc. Zudem ist es mir diese Ersatzteilmedizin in diverser Hinsicht einfach nicht sympathisch.
    • 07.08.2012
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  • Gregor  Meier
    Genau darum habe ich KEINEN Organspenderausweis! Im Zweifelsfalle ist man tot eben mehr wert als lebend und Ärzte sind auch nur Menschen mit Bankkonto. Das ändert sich erst, wenn die Organe von Toten ungefragt entnommen werden dürfen und wer das nicht will eine Spendenverweigerungsausweis haben muss. Das würde die Preise in den Keller fallen lassen. Es gibt Länder, da werden Leute gekidnappt und Organe entnommen oder die armen Schweine verkaufen sogar ihre Organe um finanziell überleben zu können, der Wahnsinn. Und wer entnimmt diese Organe? Ärzte ohne Skrupel.. ja die mit dem Hippokrates-Schwur notabene...
    • 06.08.2012
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  • Felicitas  Hitz , Chur
    Hier geht es um viel Geld!!!!Natürlich werden nur gesunde einwandfreie organe entnomen,und es ist nicht immer sicher ob der Patient der die gesunde Leber bekommt auch verträgt.
    • 06.08.2012
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  • Meier  Thomas , Rheinfelden
    Für genug Geld ist sicher alles und überall möglich. Hier wird es nur wie üblich teurer sein.
    • 06.08.2012
    • 34
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