Nach Aufruf zum «Heiligen Krieg» Wer nimmt Gaddafi noch ernst?

  • Publiziert: 27.02.2010, Aktualisiert: 03.01.2012

Am Donnerstag rief Muammar al-Gaddafi zum «Heiligen Krieg» gegen die Schweiz auf. Gestern reagierte die Welt.

Man weiss nie, was Gaddafi umtreibt: Ist es innenpolitisches Kalkül, gewöhnlicher Grössenwahn oder temporärer Irrsinn?

Tatsache ist, dass sich der Wüstendiktator mit seiner Hetzrede vom Donnerstag nicht bloss Ärger mit der westlichen Welt eingehandelt, sondern sich auch bei den eigentlichen Adressaten seiner Tirade lächerlich gemacht hat.

Denn Gaddafi hat gar nicht die Autorität, zum «Heiligen Krieg» aufzurufen. Dazu kommt, dass man insbesondere in der arabischen Welt sehr genau weiss, dass die radikalen Islamisten mit Gaddafi nichts am Hut haben.

Im Gegenteil: Die einzige wirkliche Opposition in Libyen sind die Islamisten. Und die landen bei Gaddafi in Folterknästen oder werden ermordet. Es ist also nicht zu erwarten, dass ausgerechnet deren Gesinnungsgenossen für den Irren von Tripolis in den «Heiligen Krieg» gegen die Schweiz ziehen.

Unabhängig von der relativen Folgenlosigkeit ist Gaddafis Tirade in der internationalen Diplomatie scharf kritisiert worden. Uno-Generaldirektor Sergei Ordzhonikidze bezeichnete die Rede als «inakzeptabel». Und erteilte gleichzeitig dem Gerücht eine Absage, die Uno wolle ihren europäischen Hauptsitz aus der Schweiz abziehen.

Eine Sprecherin der EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton bezeichnete Gaddafis Tirade als «im diplomatischen Zusammenhang eher ungewöhnlich».

Sogar der italienische Aussenminister Franco Frattini, grundsätzlich ein Kumpel von Gaddafi, rief den Wüstendiktator «zur Ruhe» auf.

Und das Schweizer EDA? Die Diplomaten von Micheline Calmy-Rey machen, was man mit geiferenden Wüterichen tun sollte: Sie strafen ihn mit öffentlicher Nichtbeachtung.

play Wüstendiktator Gaddafi in einer seiner selbstentworfenen Uniformen. (Keystone)

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