
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Der heutige internationale Tag des alkoholgeschädigten Kindes will auf die Konsequenzen bei Alkohol in der Schwangerschaft aufmerksam machen. 1000 Kinder in der Schweiz sind jährlich davon betroffen. 100 von ihnen leiden an Verhaltensstörungen, verminderter Intelligenz, Wachstumsstörungen und Missbildungen.
«Oft bin ich betrunken eingeschlafen»
Aber auch Mütter, die erst nach der Schwangerschaft zur Flasche greifen, belasten ihre Kinder. Meist hat der Alkoholkonsum psychische Folgen beim Kind. M.G. erzählt:
«Ich brauche den Alkohol um meinen Alltag zu überstehen. Ich bin keine gewalttätige Alkoholikerin», sagt M.G. (44). Seit fünf Jahren trinkt die zweifache Mutter. «Am Anfang habe ich eine Literflasche mit Schnaps in drei Abenden getrunken. Heute ist es noch eine Flasche Rosé pro Abend.» Durch ihre Sucht hat M.G. ihre heute 12- und 16-jährigen Söhne abends vernachlässigt. «Oft bin ich betrunken eingeschlafen und hatte sie nicht mehr unter Kontrolle», erzählt die Mutter.
Kinder verhalten sich als wären sie die Eltern ihrer Eltern
In der Schweiz konsumieren 140‘000 Frauen Alkohol in einem gesundheits-gefährdenden Ausmass. 7,4 Prozent davon sind Mütter. «In Familien mit Alkoholproblematik gibt es für die Kinder kaum positive Aufmerksamkeit», sagt Barbara Willimann von der Zürcher Fachstelle für Alkoholprobleme (ZFA). Das Kind fühle sich schuldig für das Trinkproblem der Mutter oder des Vaters. «Die Kinder übernehmen Verantwortung und verhalten sich dann, als wären sie die Eltern ihrer Eltern.»
So war es auch bei M.Gs älterem Sohn. Weil er seine Mutter nicht noch mehr belasten wollte, hat der ältere Sohn seine schulischen Probleme einfach verschwiegen. «Wegen meiner Sucht habe ich ihn aber überlastet, ich habe ihm sein Leben zu früh selbst auferlegt.» Dabei hätte der Heranwachsende seine vom Vater getrennt lebende Mutter gebraucht.
M.G. trinkt stets heimlich
Während zweier Jahre versuchte M.G. ihre Sucht vor ihren Kindern zu verbergen. Die 44-Jährige hatte ihren Söhnen gekocht und den Haushalt in Ordnung gehalten. «Stets habe ich heimlich getrunken und Kaugummis gekaut, trotzdem haben es meine Kinder gemerkt.» Mit den Kindern darüber gesprochen hat M.G. aber erst, als sie ihren ersten Entzug machte.
Hilfe hat M.G. vor drei Jahren bei der Suchthilfe Winterthur gefunden. «Es ist mir auch heute noch peinlich, über mein Alkoholproblem zu sprechen. Als Mutter hat man immer das Gefühl funktionieren zu müssen», sagt die 44-Jährige.
Um sie etwas zu entlasten, ist der ältere Sohn zum Vater gezogen. Er hat den schulischen Schrank gekriegt und absolviert derzeit eine Lehre.
*Name der Redaktion bekannt
play
M.G.: «Ich brauche den Alkohol, um den Alltag zu überstehen.» (ZVG)