Wenn der Blackout echt ist Tote Leitung bei den Rettern

Im Katastrophenfall brauchen die Retter ein sicheres Datennetz. Doch das ist dem Bund zu teuer.

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Das Fernsehjahr startet düster: Am zweiten Neujahrstag zeigt SRF den fiktionalen Dokumentarfilm «Blackout» und thematisiert per Livesendung einen grossen Stromausfall in der Schweiz.

In Wirklichkeit hätte die Schweiz bei einem Blackout riesige Probleme. Unter anderem würde die zivile Kommunikation zusammenbrechen, wie ein Bericht des Bundesamts für Bevölkerungsschutz (Babs) zur Zukunft der Alarmierungs- und Telekommunikationssysteme deutlich macht. Auch die Alarmierungssysteme der Retter würden nicht mehr funktionieren.

Zwar legt das Babs in seinem Bericht dar, wie es ein sicheres Datenverbundnetz (SDVN) zwischen Bund, Kantonen und den Betreibern sicherheitsrelevanter Infrastrukturen aufbauen will. «Wir müssen im Katastrophenfall ein verlässliches System zur Kommunikation wichtiger Stellen haben», erklärt Babs-Sprecher Kurt Münger das Zukunftsprojekt.

Läuft alles nach Plan, soll der Bundesrat noch vor Juli entscheiden und die Botschaft für einen Finanzierungsbeschluss ans Parlament überweisen. Der Bericht, der SonntagsBlick vorliegt, zeigt aber auch: Zwar will das Babs die rund 120 wichtigen Stellen wie Polizeikommandos, wichtige Bundesämter oder etwa Atomkraftwerke für 100 Millionen Franken miteinander verknüpfen.

Nicht finanzierbar

Ein krisensicheres drahtloses Breitbandnetz zur Datenübertragung zwischen der Führung und Einsatzkräften wie Polizei oder Sanität aber will der Bund offenbar nicht realisieren. Diese Technik könne «derzeit nicht finanziert werden», so das Urteil im Bericht. Ein solches System würde Bern nochmals rund 55 Mil­lionen Franken kosten. Hinzu kommen 20 bis 25 Millionen pro Jahr für den Betrieb.

Dabei hat ein Ausfall des öffentlichen Kommunikationsnetzes im Katastrophenfall, wie der Bericht betont, für Polizei, Sanität und Feuerwehr gravierende Konsequenzen: «Ohne drahtlose Breitbandkommunikation fehlen den Einsatzkräften insbesondere in Ballungszentren und auf den Hauptverkehrsachsen sichere Kommunikationsmöglichkeiten bei Überlastung des Funknetzes oder bei der Übermittlung von grossen Datenmengen.»

Tatsächlich stossen Blaulichtorganisationen wie Schutz & Rettung Zürich beim Ausfall des zivilen Mobilnetzes schon heute schnell an ihre Grenzen, wie Theo Flacher (49), Bereichsleiter Einsatz & Prävention bei Schutz & Rettung Zürich, erklärt.

Bei einem Grossereignis breche die Kommunikation mit den Einsatzkräften an der Front zusammen. «Unsere Einsatzleitsysteme und damit die Alarmierung funktioniert heute ausschliesslich über das zivile Breitbandnetz», so Flacher. «Ist dieses überlastet, müssen wir zu Festnetztelefon und Funk greifen.»

Das Problem: Hat man gleichzeitig sehr viele Einsätze – wie im Katastrophenfall – sind diese mit Funk und Festnetztelefon nicht mehr zu bewältigen.

«Offenbar setzt der Bund seine Prioritäten anders»

Schutz & Rettung Zürich und die meisten Blaulichtorganisationen würden deshalb prioritär einen Ausbau des drahtlosen Breitbandnetzes befürworten. «Im Krisenfall müssen wir funktionieren, deshalb braucht es sichere Kommunikationsmittel», sagt Flacher. Und dazu gehöre das drahtlose Breitbandnetz. «Doch offenbar setzt der Bund seine Prioritäten anders», so Flacher.

Andere Länder sind beim Aufbau der drahtlosen Breitbandkommunikation viel weiter, allen voran die USA.

Die Vereinigten Staaten haben nach dem 11. September 2001 mit FirstNet eine unabhängige mobile Datenkommunikation bei Rettungs- und Sicherheitsorganisationen aufgebaut.

Vergleichbare Systeme wie in den USA werden derzeit gerade in Finnland und Belgien in Betrieb genommen.

Publiziert am 01.01.2017 | Aktualisiert am 03.01.2017
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7 Kommentare
  • Rolf  Gerber aus Zürich
    01.01.2017
    Verstehe ich das also richtig? Man hilft auf der ganzen Welt, was ja gut ist, aber kann der eigenen Bevölkerung im Notfall nicht helfen? Und das wegen gut 50 Mio? Echt? Wusste gar nicht in was für einem armen Staat ich lebe. Wird doch immer von "der reichen Schweiz" geredet. Das können also nur Fake News sein, denn wenn unsere Politiker so verantwortungslos wären, müssten sie ja zurücktreten. So von wegen - zum Wohle des Volkes. Ä guets Neus no allnä.
    • Rolf  Gerber aus Zürich
      01.01.2017
      Es lässt mir keine Ruhe. Fassungslos. Ich möchte unsere Regierung dazu aufrufen, innerhalb kürzester Zeit eine Versorgung mindestens der Notdienste, auch wenn diese massiv durch ausfallende Hysterie in der Bevölkerung bei Kommunikationsausfall entlastet werden könnten, sicherzustellen. Gerne berate ich sie bei einem allfällig notwendigem Crowdfunding. Gleichzeitig bitte ich jedoch, auf die Annahme des Betrages aus einer Quelle, die solche normalerweise als Trinkgeld hergeben. anzunehmen.
  • Peter  Leo 01.01.2017
    Da scheinen einige noch nie etwas gehört zu haben von Notstromaggregaten, Umschaltung von Hochspannungsleitungen, schalten von Uebertragungsleitungen aus dem Ausland etc. Wenn der Strom vollflächig ausfallen sollte, ist nicht nur das kleine Schweizlein gefragt. In den Umgebungsländern dürfte die Infrastuktur weit lückenhafter sein. Wir sind keine Insel, begreift das endlich. Ausserdem dürften unsere Fachleute nicht daumendrehend in ihrer Ecke bleiben in so einem Fall. Billige Angstmache.
    • Meinrad  Schmid aus Kaiseraugst
      01.01.2017
      @Peter Leo - ja, das ganze Theater mit dem Blackout ist billige Angstmacherei und das Schweizer Fernsehen lässt sich dafür noch einspannen.
  • Jürg  Brechbühl aus Eggiwil
    01.01.2017
    Ich bin etwas unsicher: Ist ein drahtloses Breitbannetz wirklich krisensicher? Der Funk kann auch auf einem separaten Netz gestört werden, von Terroristen und von fremden Armeen. Zudem geht es im Artikel ja um "blackout". Wie soll die Stromversorgung sichergestellt werden für ein separates Netz?
    Von der anderen Seite her: Im Krisenfall gehen dann die Gaffer los und überlasten das Netz mit Handy-Fotos, die Exhibitionisten mit Fratzenbuch-Messitsches und die Muttis mit überbesorgten SMS.
    • Petero  Koerber aus Fare / Huahine
      01.01.2017
      Es gibt nichts was hundertprozentig sicher ist. Digitale Breitbandnetze sind nur sehr schwer zu stören oder es braucht dazu immense Sender, welche viel Strom brauchen. Aber Strom hat es ja keinen mehr. Terroristen arbeiten mit Natels, nicht mit Störsendern. Die Blaulichtorganisationen haben ihre grossen Notstromdiesel im Keller der Kommandoanlagen, also funktionieren sie. Und die Gaffer und Otto Normalbürger können ihre Natels einmotten: Kein Strom=Kein Handynetz. Nix mit Facebook oder Twitter.
  • Werner  Rutishauser aus St.Gallen
    01.01.2017
    DieDie Milliardengeschenke an die Konzerne durch die Unternehmenssteuerreform sind den Lobbys in Bern und dem Bundesrat wichtiger als der Schutz der Bevölkerung!
    Das sagt doch alles aus über unsere Regierung, sie liebt Geld nicht die Schweizer!