Wenn der Billag-Detektiv am Sonntagmorgen klingelt

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Lukas Rüttimann und Gabriel Brönnimann

Teuer. Unnötig. Unverschämt. Die Billag strapaziert die Nerven der Gebührenzahler. Etwa wenn sie den Sonntagsfrieden stört. Oder Tote behelligt.

Sensibilisieren» wollte die Billag die TV-Zuschauer mit der massierten Ausstrahlung ihrer teuren, langen und fragwürdigen Terror-Spots (im BLICK). Doch das mit der Sensibilisierung hatten sich die Beamten wohl anders vorgestellt. Denn vor allem ein Gefühl herrscht unter den Gebührenzahlern: die Wut!

Hunderte Mails, Online-Einträge und Telefone gehen gestern auf der BLICK-Redaktion ein. Tenor: die Billag – ein einziges Ärgernis!

Der Zorn richtet sich vor allem gegen die Art und Weise, wie die 80 Billag-Detektive in ihren jährlich 200 000 Einsätzen vorgehen:

Marylou Hättenschwyler, St. Gallen: «Die haben geläutet. Dann zeigten sie mir eine Liste: ‹Sie sind da nicht aufgeführt, Sie bezahlen Ihre Rechnungen nicht!› Die machten ein Riesentheater! Erst, als ich ihnen eine Quittung von der letzten Einzahlung gezeigt habe, liessen sie locker. Absolut unfreundlich!»

Blick-Online-User aus Liestal: «Am Sonntagmorgen hats bei mir an der Tür geklingelt. Es war ca. 10.30 Uhr. Als ich verschlafen zur Tür ging, stand jemand von der Billag da und fragte mich unfreundlich, ob ich die Gebühr bezahlt habe. Ich musste es ihm beweisen, erst dann ist er wieder gegangen. Eine Frechheit!»

Martin aus Zürich: «Ich rief die Billag an, die mich zu Unrecht betrieben hatte, und darf den Mitarbeiter zitieren: ‹Werter Herr, ich kann Ihnen leider nicht weiterhelfen. Erstens ist heute mein letzter Arbeitstag, und zweitens herrscht hier ein Bordell.› Auf Korrespondenz reagiert die Billag übrigens nie, auch nicht, wenn man Briefe eingeschrieben schickt.»

Petra aus Bern: «Ich wurde von einem Billag-Mitarbeiter regelrecht genötigt, damit er Zutritt zu unserer Wohnung haben konnte. Zum Glück war mein Mann da. Der hat ihn am Jäcklein gepackt und von unserem Privatweg auf die Strasse gezerrt. Ich habe jetzt einen Taser und werde mich das nächste Mal zur Wehr setzen!»

U. Gerber aus Costa Rica: «Als unsere Mutter verstarb, haben wir korrekt mit einem Totenschein den Vertrag gekündigt. Trotzdem kamen noch weitere Rechnungen, Mahnungen, ja sogar noch Betreibungs-Androhungen.»

Klar ist: Niemand zahlt gerne Rechnungen. Doch die auf Provision arbeitenden Billag-Detektive schüren mit ihrem Auftreten den Unmut der Bevölkerung. Was den Billag-Gegnern der «Bye bye Billag»-Initiative in die Hand spielt.

Da helfen auch keine Sensibilisierungskampagnen.

Was darf der Gebührenschnüffler?

Die Billag hat rund 80 Schnüffler im Einsatz, um Gebührenbetrüger zu ertappen. Nur: Was dürfen die überhaupt gegen Schwarzseher tun?

Ganz klar: Die Billag darf keine TV-Geräte entführen oder gar foltern, wie das ihr neuster TV-Spot suggeriert. Die Detektive dürfen nicht einmal die Wohnung betreten, wenn ihnen der Zutritt nicht ausdrücklich erlaubt wird. Es gibt auch kein Gesetz, das Hausbesitzern verbietet, den Schnüfflern die Türe vor der Nase zuzuschlagen.

Die Detektive müssen sich jedoch mit Ausweis vorstellen. Sie haben die Befugnis, «Fragen zu stellen und Empfehlungen auszusprechen» (s. Interview).

Dazu gehören auch mahnende Worte – sie sind erlaubt. Aber nur, solange sie der Rechtsbelehrung dienen. So dürfen etwa Fakten wie die drohende Busse von bis zu 5000 Franken, die bei Nichtbeachtung der Meldepflicht zu bezahlen ist, angesprochen werden. Zumal die
Detektive im Verdachtsfall (etwa wenn sie sicher sind, dass man sie belügt) verpflichtet sind, Anzeige beim Bundesamt für Kommunikation zu erstatten.

Das Bakom entscheidet, obs zur Hausdurchsuchung kommt. Dafür kassiert das Bakom notabene jährlich zwischen 8 und 11 Millionen Franken. Gelder, die nicht in den 55 Millionen für die Billag enthalten sind.

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