Fehlgriff «Weiberlästerer» gibt keine Ruhe

ZÜRICH – SVP-Macho René Kuhn sorgte mit unbedachten Äusserungen gegenüber Frauen für Aufruhr. Und behauptet jetzt, Schweizer Männer würden sich um Osteuropäerinnen reissen. Das ist aber falsch.

  • Publiziert: 01.09.2009, Aktualisiert: 14.01.2012
  • Von Roman Neumann
play René Kuhn: Begeisterung fürs Osteuropäische. (Keystone)
Für die einen war er der Buhmann der Nation. Für die anderen einer, der ausspricht, was viele nicht zu sagen wagen. René Kuhn, Ex-Präsident der SVP Stadt Luzern, schaffte es jedenfalls, mit seinen ungeschminkten Ansichten über die – ebenfalls ungeschminkten – Damen mit linker Gesinnung zu polarisieren.Müssig, seine Äusserungen in voller Länge zu wiederholen. Kleiner Auszug als Gedankenstütze: Der SVP-Macho – mit blonder Russin am Herd, pardon, im Haus – betitelte die linken Frauen als «Vogelscheuchen», schimpfte über «ungepflegte, verfilzte Weiber», die er auf der Strasse ansehen müsse. Diese Aussagen beendeten seine politische Karriere vorzeitig. Binationale Ehen: Nicht ganz so viele...Doch René Kuhn fühlt sich immer noch im Recht. Auf seiner Homepage schreibt er: «Ich bitte die Medienleute bei der Wahrheit zu bleiben.» Und liefert gleich nach, was für ihn die Wahrheit ist: Dass die Migrationsämter aller Kantone einen eklatanten Anstieg osteuropäischer Frauen verzeichnen.Dass ähnlich viele binationale Ehen geschlossen werden wie unter Inländern. Doch Kuhn setzt sich mit diesen Behauptungen wieder in die Nesseln. Die «eklatante» Einwanderung osteuropäischer Frauen findet nicht statt. Gemäss Zahlen des Bundesamts für Migration, nimmt die Zuwanderung zwar zu – aber seit Jahren ziemlich konstant auf tiefem Niveau. Auch Kuhns Aussage zu den binationalen Ehen stimmt nicht. Das Bundesamt für Statistik liefert nackte Zahlen. Von 41534 in der Schweiz geschlossenen Ehen letztes Jahr waren nur 36,1 Prozent binational. Und nicht «ähnlich viele» wie unter Inländern, wie Kuhn schreibt. Und: Geheiratet wird nicht im Fliessbandverfahren. Entgegen Kuhns Behauptung, heiraten die Schweizer Männer immer weniger Osteuropäerinnen. Hochzeiten zwischen Schweizer Männern und Russinnen gabs 2008 noch 243, 13 weniger als 2007 und 23 weniger als 2006. Bei den restlichen Osteuropäerinnen siehts ähnlich aus. Ukraine, Polen, Rumänien, Slowakei, Tschechien – alle Frauen aus diesen Ländern haben rückläufige Zahlen bei den Ehen mit Schweizer Männern. Nur die Ehen mit Ungarinnen nehmen leicht zu. Sie tanzen auf anderen Hochzeiten Wo allerdings die Zahlen seit Jahren konstant hoch sind, ist bei den sogenannten «Tänzerinnen» mit einer Aufenhaltsbewilligung von maximal acht Monaten: Ukrainerinnen, Rumäninnen und Russinnen belegen bei dieser Zuwanderungs-Klasse die ersten drei Plätze. «Könnte es nicht sein, dass osteuropäische Frauen ein anderes Selbstverständnis von Familie und Partnerschaft mitbringen?» fragt Kuhn auf seiner Homepage. In diesen Fällen wohl nicht ganz.
play Nicht, dass Russinnen nicht attraktiv wären, aber... (Foto: Keystone)

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