DAVOS – Sie regeln den Verkehr, kontrollieren die Zugänge, chauffieren Promis oder verkaufen Damenunterwäsche: Blick.ch hat mit vier Menschen gesprochen, die nicht zu den Mächtigen und Reichen gehören.
Die Polizistin: Bereits zum fünften Mal ist Nina Rusch (30) am WEF in
Davos. Die Polizistin aus
Luzern kontrolliert Zugänge, bewacht Räume – ein harter und zugleich langweiliger Job. Die Polizisten arbeiten rund um die Uhr in zwei Schichten à 12 Stunden. Die meiste Zeit stehen sie rum, beantworten Fragen oder schicken Leute weg. Immerhin: Nach einer Schicht draussen in der kalten Davoser Luft haben sie den nächsten Auftrag drinnen an der Wärme. Das ist garantiert. «Es gibt abwechslungsreichere Einsätze als das WEF», sagt Rusch.Die Verkehrs-Securitas: Noch weniger Action hat Securitas-Mitarbeiterin D.L. (23) aus Zürich. Sie steht auf der Kreuzung vor dem Kongresszentrum und regelt den Verkehr. Neun Stunden pro Tag. Hat sie Spätschicht muss sie bis 21 Uhr ausharren. Vom WEF hält sie nicht viel: «Mich nervt der Aufruhr, wenn irgendein Promi vorfährt.» Sie ist zum ersten Mal in Davos und – so tönt es zumindest – zum letzten Mal.Die Unterwäsche-Verkäuferin: Diese Frage stellt sich für Susi Equilino (60) nicht. Sie lebt in Davos und arbeitet im Lingerie-Laden Fink. Im Angebot feine Damenunterwäsche. Heute kam ein indischer Minister vorbei. Bevor er eintrat, postierten sich zwei grimmige Bodyguards vor der Türe. Sie sagt: «Viele Männer, die am Forum teilnehmen, lassen ihre Ehefrauen zu Hause. Sie haben Angst vor den Demos.» Einige kaufen aber der daheimgebliebenen Gemahlin ein Mitbringsel im Laden wie der indische Minister. «Das Geschäft des Jahres machen wir aber nicht am WEF», sagt Equilino. Den Laden gibt es seit fünf Jahren. Vorher bot dort der Sexshop Beate Uhse seine Toys an. Dieses Geschäft kam offenbar gar nicht auf Touren.Der Taxi-Fahrer: Microsoft-Gründer Bill Gates sass in seinem Taxi und einer der Klitschko-Brüder. Doch Slobodan Jovanovic (55) hat schon bessere WEF-Zeiten erlebt. Schon 22 Jahre hat er sein Taxiunternehmen in Davos. Doch seit Shuttle-Busse und Limousinen die Promis rumkarren, ist bei ihm die Nachfrage zurückgegangen. Ebenfalls nicht mehr stark gefragt: Shopping-Touren per Taxi nach St. Moritz oder Zürich. «Ich finde das WEF eine gute Sache für Davos», sagt Jovanovic trotzdem. Denn ohne Forum hätte er noch weniger zu tun. (pft)