Putin, Jiabao und Merz am WEF Wie viel Obama steckt in ihnen?

  • Publiziert: 29.01.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Daniel Meier
play Im gleichen Boot. Wladimir Putin, Wen Jiabao und Hans-Rudolf Merz (v.l.) plädieren am WEF für globale Solidarität und neue Werte. (Keystone/AP, Fotomontage BLICK)

Ehrliche Arbeit, saubere Regeln – ob Merz, Putin oder Jiabao: In Davos tönen alle ein bisschen Obama.

Was für ein Auftritt! Gut vier Monate nach seinem Herz-Kreislauf-Stillstand hält Hans-Rudolf Merz (66) am WEF die Eröffnungsrede. Er plädiert für eine «neue Wertediskussion» und «globalisierte Regeln in einer globalisierten Welt».

Danach sitzt er auf der Bühne neben Wladimir Putin (56). Als der russische Premier für seine Rede aufsteht, setzen alle im Saal Kopfhörer auf. Für die Übersetzung. Nur Merz nicht. Unser Bundespräsident versteht Russisch!

Putin beschreibt die Krise und die dramatischen Auswirkungen auf die ganze Welt. Und, sagt Putin: «Wegen der Globalisierung sitzen wir alle im selben Boot.» Darum brauche es eine «Wirtschaft der reellen Werte». Auch Putin fordert ein globales Regulierungssystem.

Das ist die Botschaft, die am ersten WEF-Tag immer wieder zu hören ist. Die Welt kann die aktuellen Probleme nur lösen, wenn alle zusammenarbeiten. Auch Putin, der im Gasstreit mit der Ukraine gerade seine Macht demonstriert hat, macht auf friedlich: «Es geht nicht nur darum, dass sich die Banken vertrauen. Die Regierungen müssen sich vertrauen. Wir brauchen jetzt Solidarität.» Am Morgen hatte Putin verkünden lassen, dass Russland die geplante Aufstellung von Iskander-Kurzstreckenraketen im Raum Kaliningrad aussetzt. Ein klares Signal an Obama.

Solidarität. Und ob wir die brauchen! Die Pessimisten haben am WEF eindeutig die Oberhand. Düstere Prognosen, bedrohliche Szenarien sind an den Präsentationen zu hören.

WEF-Gründer Klaus Schwab (70) redet seiner Gemeinde sogar ein bisschen ins Gewissen: «Wir sind alle in gewisser Weise dafür verantwortlich, dass wir die Risiken nicht erkannt haben.» Er spricht von Gier und Inkompetenz. Und von den schlimmen Konsequenzen: «Nicht nur für die Weltwirtschaft, sondern für echte Menschen, die ihren Job, ihr Haus und ihre Rente verloren haben.»

Aber Schwab versucht auch dagegenzuhalten – und die Skeptiker zum Schweigen zu bringen. «Viele sprechen von der schlimmsten Krise aller Zeiten – wir wollen das hier nicht mehr hören, auch wenn es noch so wahr ist.»

Ein bisschen Optimismus verbreitet wenigstens Chinas Premier Wen Jiabao (66), neben Putin der zweite grosse Polit-Promi gestern. Er verkündet: Chinas Wirtschaft wächst dieses Jahr um 8 Prozent – trotz Krise! Das wäre nur gerade 1 Prozent weniger als 2008. «Ehrlich gesagt, das wird schwierig. Aber ich bin zuversichtlich.»

Die 2500 WEF-Gästen sollen es ihm nachmachen: «Wir müssen eine Botschaft von Vertrauen, Mut und Hoffnung in die Welt senden», ruft Jiabao. Und er sagt auch weshalb: «Rund um die Welt blicken die Menschen gespannt nach Davos. Sie wollen weise Worte hören, die ihnen Kraft geben.»

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