WEF-Chef: Wir haben eine Systemkrise

  • Publiziert: 21.01.2009, Aktualisiert: 02.01.2012

COLOGNY GE – Die Finanzkrise ruft: In Davos wird sich eine Politikerelite in nie gekanntem Ausmass am WEF einfinden. Kommen sollen 43 Staats- und Regierungschefs sowie 2500 Führungspersonen!

Unter dem Motto «Die Welt nach der Krise gestalten» suchen sie Auswege aus der gegenwärtigen Misere. «Wir stecken immer noch mitten in der Krise», sagte WEF-Gründer Klaus Schwab heute vor den Medien in Cologny GE. Die Diskussionen würden sich darum drehen, «wie wir aus der Krise kommen».

Es sei schwierig, die Krise zu verstehen, sagte Schwab. Es gebe nicht nur die Subprime- und die Finanzkrise, sondern mehrere Krisen gleichzeitig. Man befinde sich auch in einer Systemkrise. Die Welt sei nicht mehr fähig, den Anforderungen zu entsprechen. «Wir haben auch eine zyklische Krise.» Auch ohne Immobilien- und Finanzkrise hätte es einen Abschwung der Weltwirtschaft gegeben.

Zudem gebe es eine Vertrauenskrise: Es seinen tausende von Milliarden Dollar zur Stützung von Wirtschaft und Finanzsystem verwendet worden. Der Verlust an den Börsen sei noch 30 Mal grösser.

Merkel, Putin, Clinton…

Das diesjährige WEF sei wahrscheinlich eines der bedeutendsten, das es je gegeben habe, hiess es weiter: «Wir haben eine Rekordbeteiligung.»

Neben den 43 Staats- und Regierungschefs würden 17 Finanzminister, 19 Zentralbanker und 20 Handelsminister kommen. So reist ein grosser Teil der britischen Regierung unter der Führung von Premierminister Gordon Brown in den Bündner Ferienort Davos.

Aushängeschilder sind auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, der russische Premierminister Wladimir Putin oder der chinesiche Ministerpräsident Wen Jiabao. Auch der japanische Premierminister Taro Aso wird an Veranstaltungen über die Wirtschaftskrise beiwohnen.

Von der neuen US-Regierung hat lediglich der einstige amerikanische Finanzminister Lawrence Summers sein Kommen angekündigt, der zum nationalen Wirtschaftsrat des neuen US- Präsidenten Barack Obama ernannt wurde.

Prominentester Vertreter aus den USA ist der ehemalige Präsident Bill Clinton, dessen Ehefrau Hillary, die neue US-Aussenministerin werden soll, und sein ehemaliger Vize Al Gore.

Von Schweizer Seite wird Schweizer Bundespräsident Hans-Rudolf Merz traditionellerweise eine Rede an der Eröffnungszeremonie am kommenden Mittwoch halten. Insgesamt reisen fünf der sieben Bundesräte nach Davos.

Keine Stars und Sternchen

Über die Hälfte der Teilnehmenden sind wie immer Wirtschaftskapitäne. Allerdings würden Spitzenbanker nicht mehr ganz so zahlreich nach Davos kommen wie im Vorjahr. Die hätten wahrscheinlich zu Hause einen Haufen Arbeit, hiess es. Die beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse sind mit ihren Verwaltungsratspräsidenten und Geschäftsführern vertreten.

Im Gegensatz zu anderen Jahren fehlen diesmal die Vertreter aus der Showbusiness gänzlich. Nicht einmal der notorische Weltverbesserungs-Wanderprediger Bono von der irischen Band U2 hat einen Auftritt. Er sei mit Plattenaufnahmen beschäftigt, hiess es. (SDA)

play WEF-Präsi Klaus Schwab: «Wir stecken immer noch mitten in der Krise». (Keystone)

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