Wef 2009: Ist das alles?

  • Publiziert: 31.01.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Matthias Pfander und Daniel Meier
play Waren die Erwartungen zu hoch? Wef-Gründer Klaus Schwab. (AP)

Bescheidener feiern, besonders gut arbeiten: So definierte Klaus Schwab das Ziel des WEF 2009 im Zeichen der Krise. Nur das mit dem Feiern klappte halbwegs.

Die Menschen rund um die Welt wollen weise Worte aus Davos hören, die ihnen in der Krise Kraft geben.» Das sagte Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao am Eröffnungstag.

Schön wärs gewesen. Morgen geht das WEF zu Ende. Ohne grosse Idee oder neue Erkenntnis, ohne Durchbruch. Und ohne die hohen Erwartungen zu erfüllen.

Immerhin: Angela Merkel gibt am Freitagnachmittag doch noch einen konkreten Anstoss. Die deutsche Kanzlerin fordert eine «Charta für gemeinsames Wirtschaften». Also ein Papier mit grundsätzlichen Regeln für die Wirtschaft, damit sich eine solche Katastrophe nicht wiederholt. Alle Länder, die unterschreiben, müssen sich daran halten – ähnlich wie bei der Uno-Charta.

Nur leider hat Merkel die Liste mit den Geboten für die Zukunft nicht gleich mitgebracht. Es ist nur mal ein Vorschlag. Konkreter wird die Politikerin erst im März, wenn sich die G-20-Staaten in London treffen. Dort will man Nägel mit Köpfen machen, wie auch der britische Premier Gordon Brown am WEF verspricht.

In Davos bleibt es bei den schönen Worten. «Vertrauen» ist das Lieblingswort am WEF . Und der Lieblingssatz: «Wir können diese Krise nur gemeinsam lösen.» Fast wörtlich gehört bei Merkel, Brown, Jiabao und auch bei Wladimir Putin.
Die Krise gemeinsam lösen. Wer könnte dem widersprechen. Aber wie? Darauf hat niemand eine Antwort.

Klar, die Staaten haben wieder mehr zu sagen. Schliesslich gehören ihnen inzwischen ein paar Banken. Kein Wunder, stehen am WEF diesmal die Politiker im Rampenlicht, und die Manager bleiben kleinlaut im Hintergrund. Aber welche Rolle soll der Staat spielen?
Darüber sind sich die 40 Staats- und Regierungschefs überhaupt nicht einig. Man will ja nicht gleich den Kommunismus zurück. Oder wie der britische ExPremier Tony Blair sagt: «Wir brauchen einen Kapitalismus mit menschlichem Antlitz.» Und Merkel will etwas dazwischen, «den dritten Weg», wie man es in Deutschland nennt.

Schwierig. Da hört das WEF -Publikum lieber noch ein bisschen seinem Lieblingspropheten zu: Nouriel Roubini aus den USA. Letztes Jahr am WEF noch verlacht wegen seiner Untergangsszenarien, ist er jetzt ein kleiner Popstar. Taucht hier und dort auf, spricht immer vor vollen Rängen.

Wenn Schwarzmaler Roubini wieder ins Schwarze trifft, wird das nächste WEF noch düsterer: «Es geht frühestens 2011 wieder aufwärts.»

Und was wurde aus der Werte-Diskussion, die Bundespräsident Hans-Rudolf Merz in seiner Eröffnungsrede gefordert hatte? Die findet praktisch nicht statt. Und wenn, dann ganz anders als gedacht. Nationalbankpräsident Jean-Pierre Roth bringt es auf den Punkt: Sich einfach auf die alten Tugenden besinnen. Also zum Beispiel Nachhaltigkeit statt kurzfristiges Denken. Roth trocken: «Wir brauchen keine neuen Werte. Schluss.»

Mehr als 2500 wichtige Politiker und Manager hat WEF -Gründer Klaus Schwab diesmal nach Davos gebracht. Wie immer mit dem Anspruch, die Welt zu verbessern. Es hat wieder nicht geklappt. Dabei hätte es die Welt nötiger denn je.

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