Nur die Hoteliers haben keinen Kater

  • Publiziert: 01.02.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Roman Seiler
play Party: Jimmy Dludlu brachte im Posthotel Manager in Wallung. (Karl-Heinz Hug)

Der Teilnehmerrekord am World Economic Forum (WEF) bescherte Davos einen Umsatz von mehr als 20 Millionen.

Freitagnacht am World Economic Forum: Google hat zur Party ins Steigenberger Belvédère eingeladen. Auf die Mächtigen warten farbenfrohe Drinks wie Caipirinha und Mojito. Kellner kredenzen Champagner und Gerstensüppchen. Ex-US-Vizepräsident Al Gore (60) hält Hof: Er umarmt David C. Drummond (44), den Chefjuristen des Internetkonzerns Google. Später unterhält er sich mit Nassim Nicholas Taleb (48), Autor von «Der schwarze Schwan», dem Bestseller zur Finanzkrise.

Nestlé-Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck (64) nimmt währenddessen einen Schlummerbecher auf Kosten des südafrikanischen Handels- und Industrieministers. Der sponsert während des WEF alle Drinks an der Belvédère-Bar, um für die Fussballweltmeisterschaft 2010 in seinem Land zu werben. Ein böses Gerücht macht die Runde: Schon am ersten Abend sollen die Gäste – unter ihnen auch Coca-Cola-Chef Muhtar A. Kent (57) – die Hälfte des Budgets vertrunken haben.

Auch mitten in der Krise füllt der Monsterkongress die Kassen der Hoteliers. Hans-Kaspar Schwarzenbach (42), Direktor von Davos Klosters Tourismus: «Eine Umfrage unter zehn 4- und 5-Sterne-Hotels ergab, dass wir den Umsatz am WEF halten konnten.»

Denn die Zahl der Anlässe in den Hotels nahm gegenüber dem Vorjahr ebenso zu wie jene der Teilnehmer. Der Wissensdurst der Besucher bescherte Davos erneut einen Umsatz von mehr als 20 Millionen Franken in fünf Tagen – wie eh und je. Das ist ein Drittel des Jahresumsatzes, der im Ort mit Kongressgästen erwirtschaftet wird.

Hotels mit Spitzengastronomie wie Flüela und Waldhotel (beide 15 «Gault Millau»-Punkte) konnten gar zulegen. Flüela-Besitzer Andreas Gredig (71): «Auch wenn das Essen einen geschäftlichen Hintergrund hat, gespart wird nicht.» Im Stübli verbuchte er eine Erhöhung des Durchschnittsumsatzes pro Gast auf 300 Franken. Im Restaurant steigerte er seine Erlöse um 25 Prozent. Insgesamt rechnet Gredig mit einer Umsatzsteigerung von zehn Prozent. Ähnlich wie Waldhotel-Gastgeber Michael Thomann (39). Er machte den von über 300 auf 250 Franken gesunkenen Umsatz pro Gast in seinem Restaurant Mann & Co. mit einer deutlich höheren Gästezahl wett. Auch Pius App (46) vom Hotel Schatzalp frohlockt hoch über Davos: «Wir haben unsere Einnahmen gesteigert. Die preisbewusster gewordenen Veranstalter buchten nicht mehr unbedingt eines der Luxushotels, sondern setzten für ihren Anlass auf unser spezielles Ambiente.»

Die Klage von WEF-Gründer Klaus Schwab (70) über exzessive Luxuspartys hat offenbar Wirkung gezeigt. Im Belvédère sank der Champagnerumsatz um die Hälfte. Dennoch sagt Direktor Ernst Wyrsch (47): «Ich bin zufrieden. Auch wenn wir unseren Umsatz erstmals nicht steigern konnten.» Die Weine, die Firmen bei Jean-Pierre Galey (53) orderten, dem Direktor des ArabellaSheraton-Hotels Seehof, kosteten im Schnitt noch 70 statt 120 Franken. Sein Umsatz sank um mehr als fünf Prozent: eine Folge des Ausfalls der kollabierten US-Investmentbank Lehman Brothers, die bei ihm ihre Veranstaltungen durchgeführt hatte.

Doch insgesamt fing Davos keinen Kater ein. Den hatten höchstens die Besucher der heissesten Party des WEF im Hotel Morosani Posthotel, ebenfalls organisiert von den Südafrikanern. Dutzende grauhaariger Manager tanzten zu den Klängen von Jimmy Dludlu.

Zudem offenbarte das WEF, dass Wirtschafts-Cracks immer noch gerne Zigarren paffen: Ein WEF-Teilnehmer gab dafür im örtlichen Davidoff-Geschäft mehr als 1000 Franken aus. Und Amerikaner erstehen hier ihre kubanischen Rauchwaren, deren Import in die USA verboten ist.

play Schlummerbecher. Nestlé-Präsident Peter Brabeck posiert an der Belvédère-Bar. (Karl-Heinz Hug)

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