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Der Pessimismus überwiegt am Jahrestreffen der Wirtschaftselite der Welt. «Wir können die Herausfordungen nicht unterschätzen, denen wir 2009 gegenüberstehen», sagte Morgan-Stanley-Banker Stephen Roach: Dieses Jahr sei das erste Jahr seit dem Zweiten Weltkrieg, in dem die Weltkonjunktur schrumpfe. Die Industriestaaten erlebten einen Abschwung, den man noch nie gesehen habe.
Und in den aufstrebenden Märkten seien die Träume von der Entkoppelung ihrer Volkswirtschaften von den USA und den Industriestaaten geplatzt, sagte Roach, der bei seiner Vorstellung auf dem Podium als Kassandra des WEF betitelt wurde.
Die trojanische Königstochter Kassandra besass in der griechischen Mythologie die Gabe, die Zukunft vorhersehen zu können. Allerdings glaubte niemand ihren Voraussagen. Im Vorjahr hatte Roach angesichts des Einbruchs des US-Konsums die «Mutter aller Rezessionen» vorhergesagt.
Exporteinbruch
Auch in den hochgejubelten Schwellenländern China, Indien, Brasilien und Russland gehe das Wirtschaftswachstum zurück, sagte Roach. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) von China sei zwar immer noch stark, aber nicht mehr ganz so stark wie in den Vormonaten.
Die Welt und insbesondere Asien seien China-zentriert geworden. Dies habe grosse Auswirkungen. So seien die Exporte von Taiwan um 42 Prozent geschrumpft, von Japan um 35 Prozent und von Südkorea um 17 Prozent, sagte Roach.
«Deshalb werden wir für viele Jahre das durchschnittliche Wachstum der Weltwirtschaft von rund 5 Prozent nicht mehr erleben.» Dieses dürfte es sich auf 2,5 Prozent halbieren: «Wir werden es schwer haben in nächsten Zeit», sagte Roach.
«Wir müssen mit einer Rezession rechnen und wir sind noch nicht an der Talsohle angelangt», sagte Weltbank-Chefökonom Justin Yufu Lin. Die Entkoppelung sei nicht möglich. Vor einem Jahr waren zahlreiche Ökonomen am WEF noch zuversichtlich gewesen, dass die aufstrebenden Länder eine wirtschaftliche Verlangsamung der USA wettmachen könnten.
Gemeinsames Vorgehen nötig
Um gegen die Krise vorzugehen, brauche es multilaterales Handeln. Kapitaleinschüsse genügten nicht im Finanzsektor, sagte der Weltbank- Chefökonom: Die Staaten müssten auch mit steuerlichen Massnahmen reagieren.
Kapitaleinschüsse seien nur Regierungsaktivismus, sagte der japanische Universitätsdozent Heizo Takenaka: Kapital sei zwar wichtig, genüge aber nicht.
Diese Erfahrung habe Japan bereits gemacht. 1990 habe die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt Unsummen an Geld in die Geschäftsbanken eingeschossen. Vier Jahre später steckten die aber immer noch in der Krise. Jetzt seien auch makroökonomische Stimuli nötig.
Gefahr des Protektionismus
Gleichzeitig warnten die Ökonomen vor Protektionismus: Einige Regierungen hielten ihre Banken dazu an, im Inland zu investieren, sagte der Chef der türkischen Dogus Group, Ferit Sahenk: «Das ist eine neue Welle von Protektionismus.»
Der Internationale Währungsfonds (IWF) sollte die Rolle der Polizei zur Überwachung der Finanzmärkte übernehmen. Denn es gebe nur wenige Institionen, die dazu die Ressourcen hätten wie der IWF. (SDA/gux)
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Stephen Roach warnte schon im vorigen Jahr vor der «Mutter aller Rezessionen». (AP)