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Selten sieht meinen einen Politiker die Fassung verlieren, selten wird in der hohen Politik so undiplomatisch gezofft: Der türkische Ministerpräsident Recep Erdogan wurde gestern Abend am WEF in Davos bei seiner Antwort auf die Rede des israelischen Präsidenten vom Moderator resolut unterbrochen. «Die Leute müssen nun unbedingt zum Dinner gehen», sagte dieser. Dem Ministerpräsidenten reichte es, er reist wutentbrannt ab.
In der Zwischenzeit haben sich die Wogen zwar geglättet: WEF-Gründer Klaus Schwab hat sich bei Erdogan für den hungrigen Moderator entschuldigt, Erdogan hat sich dem israelischen Präsidenten Shimon Peres erklärt, dass sein Wutanfall nicht gegen Israel gerichtet gewesen sei und Peres hat seine Wortwahl in seiner Rede über den Gaza-Konflikt bedauert.
Dennoch: Die Türken lieben ihren Ministerpräsidenten für seinen Ausraster in Davos: Tausende Demonstranten empfingen den Regierungschef heute Morgen auf dem Flughafen von Istanbul wie einen Vokshelden. Dabei schwenkten sie türkische und palästinensische Flaggen sowie Spruchbänder mit Texten wie «Willkommen zurück, Eroberer von Davos» oder «Welt, schau auf unseren Ministerpräsidenten». Auch anti-israelische Slogans wurden gerufen. (SDA/bih)