Gerichtspsychiater Josef Sachs analysiert Was wollte von Aesch wirklich von Ylenia?

  • Publiziert: 18.09.2007, Aktualisiert: 20.01.2012
  • von Lukas Füglister

BRUGG AG – Warum hat Urs Hans von Aesch Ylenia entführt und umgebracht? BLICK sprach mit Gerichtspsychiater Josef Sachs.

Das Institut für Rechtsmedizin St.Gallen stellte an der Leiche von Ylenia keine Spuren von sexuellem Missbrauch fest. Sicher ist aber: Von Aesch hat Ylenia nackt ausgezogen. Wie passt das zusammen? Was war von Aeschs Motiv?

«Dass Ylenia nicht sexuell missbraucht wurde, sagt noch nichts über von Aeschs Motiv aus», sagt der Aargauer Gerichtspsychiater Josef Sachs (57), Leiter der forensischen Abteilung an der Psychiatrischen Klinik Königsfelden. «Von Aeschs Motiv könnte trotzdem sexueller Art gewesen sein.»

Möglich sei zum Beispiel, dass von Aesch bei der sexuellen Handlung von Dritten gestört wurde. Oder dass ihn plötzlich Skrupel überkamen und er deshalb von dem Mädchen abliess.

Von Aesch wollte sich umbringen. Das schrieb er mehrmals in Briefen aus Spanien an Schweizer Freunde. Und er war überzeugt: Die Welt ist dem Untergang geweiht.

Warum aber entführt ein Mann, der sich selber töten will, ein fünfjähriges Kind und bringt es um?

«Wenn von Aesch tatsächlich glaubte, die Welt gehe unter, ist es möglich, dass er Ylenia vor all dem Elend retten wollte. Und sie deshalb mit in den Tod nahm», sagt Sachs.

Auch Wahnvorstellungen müssten als möglicher Antrieb für die Entführung und Ermordung von Ylenia in Betracht gezogen werden.

Der Gerichtspsychiater: «Von Aesch hatte sich in seine abgeschottete Welt nach Spanien zurückgezogen. Vielleicht fühlte er sich krankhaft bedroht.»

Was von Aesch in diesen Wahn getrieben hat, weiss man nicht. Sachs: «Kinder könnten in diesen Wahnvorstellungen eine wichtige Rolle gespielt haben.»

Ylenia: Erstickt oder vergiftet

Die fünfeinhalbjährige Ylenia ist von ihrem Entführer sehr wahrscheinlich erstickt oder vergiftet worden. «Diese beiden Todesursachen können wir noch nicht ausschliessen», bestätigte der Mediensprecher der St. Galler Kantonspolizei, Hans Peter Eugster.
Gestern hatte die St. Galler Kantonspolizei bekannt gegeben, dass Ylenia nicht durch massive Gewalt gestorben und auch nicht sexuell missbraucht worden sei. Die Todesursache des am vergangenen Samstag im Hartmannswald in Oberbüren (SG) aufgefundenen Mädchens sei noch unbekannt. Wie der Gerichtsmediziner Daniel Eisenhart nun in Interviews mit «Blick» bestätigte, wurde Ylenia auch nicht erwürgt, ertränkt oder lebendig begraben. Die beiden Todesarten Ersticken oder Vergiften könnten hingegen noch nicht abschliessend ausgeschlossen werden. (AP)

Trauerfeier am nächsten Mittwoch

«Da die Anteilnahme am Schicksal von Ylenia für die Angehörigen in den letzten Wochen eine grosse Stütze war», ist die Bevölkerung herzlich eingeladen, an der Abdankung teilzunehmen», teilte die Kantonspolizei Appenzell Innerrhoden heute im Namen der Angehörigen und der evangelischen Kirchgemeinde Appenzell mit. Der Trauergottesdienst für Ylenia findet am kommenden Mittwoch um 14 Uhr in der evangelischen Kirche Appenzell statt. Wegen der beschränkten Anzahl Plätze in dem Gotteshaus wird der Trauergottesdienst über Lautsprecher vor die Kirche übertragen. In der übrigen Zeit bestehe in der Kirche weiterhin die Möglichkeit zur persönlichen Einkehr und Stille und zur Beileidsbezeugung in einem Kondolenzbuch. (AP)
play Gerichtspsychiater Josef Sachs. (Toini Lindroos)

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