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Nicolas G. Hayek ist abgetreten. Auch in mir wird er weiterleben, denn zu viele eindrückliche Begegnungen, Überzeugungen und Handlungen haben uns über die Jahre verbunden. Wer das Privileg hatte, an seiner Seite aktiv sein zu dürfen, ist mit dem plötzlichen Tod eines wachen Geistes, eines Visionärs, eines unverbesserlichen Optimisten, eines grossen und selbstlosen Vorbildes beraubt.
Ich glaube zu wissen, dass er den Wunsch hatte, nicht ihm nachzutrauern, sondern mutig, mit Tatendrang, umsichtig und nachhaltig sein Erbe weiterzuführen. Vorwärts war und ist seine Devise immer gewesen. Nicht der Versuch einer Kopie ist gefragt, gefragt sind die solide Übernahme des Stabes und die Bereitschaft, diesen weiterzutragen. Die Werthaltungen und die Courage dürfen nicht verloren gehen. Dies sind wir ihm schuldig.
Es war Mitte der 80er-Jahre, als er in einem Kreis von Privatinvestoren, die alle beseelt waren, die schweizerische Uhrenindustrie nicht verlieren zu wollen, seine Ideen zur Rettung vortrug. Im Unterschied zu anderen, die vor allem von Kosten senken, schneiden hier und dort, Teilverlagerungen etc. sprachen, trat er mit einem Pyramiden-Modell auf, das besagte, dass die Uhr nicht nur ein Zeitnehmer, sondern auch ein Lebensbegleiter, ein Schmuckstück, «Fashion» auf Berndeutsch, ein Prestigeobjekt, kurz, ein Juwel darstellen würde. Für jedes Alter und jedes Portemonnaie ein ganz spezifisches.
Wir hingen an seinen Lippen. Alle hat er nicht überzeugt. Zu vage und zu futuristisch waren die Geistesblitze vor allem für Leute, die sich nur mit Rentabilitätszahlen und Bilanzpositionen beschäftigten und dabei zu wenig beachteten, dass der Mensch mit seinen Wünschen, seinen Sehnsüchten, seinen Fähigkeiten und seiner Leistungsbereitschaft zentral ist und sich alles andere dann ergeben wird.
Nun, Hayek wurde mandatiert. Er ging ans Werk. Die Geldgeber äugten mit grossem Interesse und Akribie auf die ersten Entwicklungsschritte. Niemand glaubte so richtig, dass er das Blatt wenden könnte. Er war ja nur der Berater.
Wie er sich dann selbst mit Geld beteiligte und schlagartig zum Miteigentümer wurde, nahm der Zug «Schweizer Uhrenindustrie» Fahrt auf. Die Menschen begannen, daran zu glauben, die kollektive Motivation stieg, und plötzlich wurden die Erfolge sichtbar – auch in den Erfolgsrechnungen. Faszinierend, wie ein Einzelner mit einer einfachen und deshalb genialen Idee den «Schneeballeffekt» auslösen konnte.
Jahre später, ich verliess gerade den Verwaltungsrat der renommiertesten Schweizer Grossbank, hat er mich zu Tisch eingeladen und um die Mitarbeit im Swatch-Verwaltungsrat gebeten. Geehrt und erfreut, zuerst allerdings auch ungläubig, nahm ich dieses Angebot nur zu gerne an.
Seit vielen Jahren hatte ich nun die Gelegenheit, regelmäs-sig in seinen Sitzungen mitzugestalten und vor allem zu lernen. Er schätzte es ausserordentlich, wenn er von uns Unabhängigen ein offenes, ehrliches, auch kritisches und immer konstruktives Wort zu hören bekam. Denn auch er lebte je länger je mehr in einer Aura, die es vielen Leuten verunmöglichte, ihm die Einsamkeit zu ersparen.
Seine Erfolge und die höchsten Anerkennungen rund um die Welt brachten Ehre und Ruhm. Die Kehrseite der Medaille hiess «ehrliche, offene, der Sache verpflichtete Freunde». Vielleicht durfte ich so einer sein. Nicht immer war er von den Fragen und Bemerkungen begeistert, dankbar war er aber alleweil. Und es kam vor, dass er ein paar Tage später, auch am Sonntagvormittag, auf einzelne Aspekte zurückkam, seine Dankbarkeit spüren liess und in mir damit enorm viel Motivation initiierte.
Als 2007 Geld für die Sicherheitskosten bei der Nationalfeier auf dem Rütli fehlte, wollte NGH die «Rettung» des Rütli: Es ging ihm um die Freiheit dieses Landes, um Meinungsfreiheit, die Versammlungsfreiheit, um all die Errungenschaften und Werte dieses wunderbaren Landes. Für ihn als liberalen Geist war es unerträglich mit anzusehen, wie man sich von einer Randgruppe in die Enge treiben liess. «Ich bezahle, und Sie sorgen dafür», hiess das Kommando. Die Befehlsausgabe war kurz, der Spiessrutenlauf etwas länger und das Resultat erfreulich – für das Land, für die Freiheitswerte, für den Unternehmer und unsere Gemeinschaft. Hayek, der Schweizer durch und durch. Mit grösstem Respekt und herzlichstem Dank gehe ich meinen und damit seinen Weg weiter.