Jungfrau-Drama Was sollte diese Tour?!

  • Aktualisiert am 09.01.2012

BERN – Nach dem Armee-Drama an der Jungfrau stellt sich jetzt immer schärfer die Frage: War die Tour der Rekruten verantwortungsvoll und kompetent geplant?

Schon unmittelbar nach dem tödlichen Absturz der sechs Rekruten war Kritik lautgeworden: Hätte die Tour nach den massiven Schneefällen der letzten Tage überhaupt durchgeführt werden sollen? (Blick Online berichtete.)

Diese Stimmen werden immer zahlreicher. So macht auch der Vizepräsident des Schweizerischen Bergführerverbands, Urs Wellauer, ein Fragezeichen zur Durchführung der Tour: Er frage sich, warum sich die Gruppe – wenn sie bereist um 5 Uhr aufgebrochen sei – erst um 10 Uhr im Aufstieg zum Rottal-Sattel befunden habe, sagte Wellauer.

Zu reden geben dürfte auch der Umstand, dass die Verunfallten kein Lawinengesuchgerät auf sich trugen, wie auf Radio DRS bekannt wurde. Auch wenn es Standard ist, dass im Sommer diese Geräte nicht mitgeführt werden müssen: Deutet das darauf hin, dass die Männer leichtsinnig losgezogen waren und die besondere aktuelle Lawinengefahr sträflich vernachlässigt hatten?

Wie geht es weiter?

Jetzt ist eine militärgerichtliche Untersuchung angelaufen. Diese dürfte aber mehrere Monate dauern. Wie der Sprecher der Militärjustiz, Martin Immenhauser, weiter sagte, besteht im Moment noch kein Verdacht auf ein Fehlverhalten. In Frage komme je nach Verlauf der Beweisaufnahme aber auch der Straftatbestand der fahrlässigen Tötung.

In Auftrag gegeben hat der Untersuchungsrichter bereits ein Gutachten beim Eidgenössischen Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos. Der dortige Leiter des Lawinenwarndienstes, Thomas Stucki, sagte, es sei nach wie vor nicht klar, ob das Schneebrett von den Opfern ausgelöst worden sie oder ob die Schneemassen von selber losgebrochen seien. Der Lawinenexperte sprach von der Kombination einer Schneebrettlawine mit einem Absturz. Sicher habe zur Unglückszeit in der Region eine erhöhte Lawinengefahr geherrscht.

Der Sprecher der Militärjustiz präzisierte die bisherigen Informationen über die Mitglieder der 14-köpfigen Gruppe der Gebirgsspezialisten-RS zudem dahingehend, dass es sich bei zwei Personen um zivile Bergführer gehandelt habe. Diese seien von der Armee aber permanent angestellt und zusammen mit der Gebirgs-RS in Andermatt stationiert. Sie waren noch am Donnerstag vom militärischen Untersuchungsrichter einvernommen worden.

Die Leichen der sechs Soldaten werden zurzeit im Institut für Rechtsmedizin an der Universität Bern obduziert. (AP/snx)

«Armee muss überall zum Einsatz kommen»

BERN – Armeechef Christophe Keckeis hat nach dem Unglück an der Jungfrau den Familien sein tiefstes Beileid ausgesprochen. Sofortmassnahmen zieht er nach heutiger Analyse nicht in Betracht, wie er am Freitag in der «Tagesschau» vom Schweizer Fernsehen sagte. Dabei unterstrich er die Notwendigkeit solcher Übungen im Hochgebirge. Zwei Drittel der Schweiz sei Gebirge; die Armee müsse überall zum Einsatz kommen können. (AP)

Trauerfeier am Dienstag

Die Trauerfeier für die sechs an der Jungfrau verunglückten Soldaten findet am kommenden Dienstag in Andermatt statt, wo die Gebirgs-RS stationiert ist. Die Zeremonie beginnt um 14.00 Uhr. Neben den Angehörigen der Verstorbenen und den Gebirgsspezialisten der Rekrutenschule werden hohe Vertreter von Behörden und Armee erwartet. Die Walliser Regierung wird auf höchster Ebene vertreten sein. Bei vier der sechs Opfer des Lawinenunglücks an der Jungfrau handelt es sich um Walliser; die anderen beiden Soldaten stammten aus den Kantonen Freiburg und Waadt.

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