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Privatreise: Was machten Blochers in Nordkorea?

PJÖNGJANG - Christoph Blocher in Nordkorea: Er fand Armut und zeigt etwas Verständnis.

Von Peter Röthlisberger | Aktualisiert um 16:11 | 27.10.2009
Christoph Blocher mit Offizier und Übersetzer am Tisch, wo 1953 der Korea-Krieg beendet wurde. (ZVG)
Wollten sich selbst ein Bild von Nordkorea machen: Christoph Blocher mit Frau Silvia. (ZVG)
Die Stimme aus Herrliberg war zwei Wochen lang verstummt. Nichts zu Kampfflugzeugen, nichts zu Gaddafi. Nun wissen wir, warum: Christoph Blocher wanderte mit Frau Silvia und Tochter Rahel die vergangenen beiden Wochen in Nordkorea, wie er heute in der aktuellen Ausgabe von «TeleBlocher» ausführt.

Wandern in der Diktatur? In einem der ärmsten Länder der Welt? «Einmal sehen ist besser als hundertmal hören», zitiert Blocher ein nordkoreanisches Sprichwort. Er habe sich selbst ein Bild machen wollen. Was er sah: grosse Armut, Mütter mit Kindern, die nach der Ernte die letzten Reiskörner aus den Furchen klauben. Menschen, die alle zu Fuss unterwegs waren, «im Gegensatz zu China nach der Kulturrevolution, wo es wenigstens Velos gab.»

Auf der Autobahn habe er in sieben Minuten fünf Autos gezählt, davon waren drei Militär-Fahrzeuge. Ihre zehnköpfige Wandergruppe sei von elf Geheimdienstlern begleitet worden. Der Kontakt zur Bevölkerung war dabei unmöglich. Die Hotels hätten einen tieferen Standard als unsere SAC-Hütten, der Strom fiel ständig aus. «Wir hatten Taschenlampen mit vielen Ersatzbatterien dabei», erzählt Blocher.

Sie hätten auch die entmilitarisierte Zone zwischen Nord- und Südkorea besucht, dort, wo die Schweiz seit den 50er-Jahren den Waffenstillstand überwacht und Bundesrätin Micheline Calmy-Rey ihren berühmten ersten Auftritt auf der Weltbühne gehabt hatte. Christoph Blocher: «Ein eindrücklicher Moment; auf beiden Seiten sind Truppen aufmarschiert, als wir dort waren.»

Blochers wollten anonym reisen und wandern. Der Botschafter in Bern kontaktierte den alt Bundesrat aber noch vor der Abreise. In Nordkorea luden ihn der Aussen- und der Handelsminister zu informellen Gesprächen ein.

Will Blocher in die Diktatur investieren? «In dieser Gesellschaftsordnung geht das nicht. Der Handels­minister wollte ein Joint Venture vereinbaren. Was hiesse, dass ich das Geld bringe und sie es ausgeben. Ich sagte dem Minister, dass ich für ihr Wirtschaftsmodell und diese Armut kein Verständnis habe. Er hörte zu, akzeptierte es aber nicht.»

Und die Atombombe? «Sie haben nicht ganz unrecht, wenn sie sie besitzen wollen. China, Russland, die USA haben sie. Als Atommacht wird Nordkorea nicht angegriffen.»

Artikel aus «Blick am Abend»

«Geschickter Schachzug»

Albert A. Stahel (66), Professor für Strategie- und Konfliktlösung (ZVG)
Albert A. Stahel (66), Professor für Strategie- und Konfliktlösung (ZVG)

Alt Bundesrat Christoph Blocher reist nach Nordkorea. Wie bewerten Sie die Aktion?
Blochers Privatreise ist durchwegs positiv anzusehen. Die Schweiz ist eines jener Länder, das Beziehungen zu beiden Koreas pflegt, da finden hin und wieder auch Besuche in den Norden statt. Zudem war es ein geschickter politischer Schachzug.

Weshalb?
Blocher ist kein aktiver Bundesrat. Das gibt ihm als Gast Gewicht, bringt aber Aussenministerin Miche­line Calmy-Rey nicht in die Bredouille. Calmy-Rey nimmt ja oft stark Rücksicht auf die USA.

Was hat die Schweiz wirtschaftlich von guten Beziehungen zu Nord­korea?
Nordkorea könnte ein interessanter Markt für die Schweiz werden. Die Menschen dort sind sehr fleis­sig. Wie ihre Nachbarn im Süden.

Neben wirtschaftlichen Interessen geht es auch um politische...
Mit seinem Besuch hat Blocher tatsächlich einen hervorragenden Beitrag zur Entspannung der Lage geleistet. An einem Zusammenbruch von Nordkorea ist die Welt nicht interessiert. Dann gäbe es zwei Gefahren: einerseits Unruhen und Flüchtlinge und andererseits die nordkoreanischen Atomwaffen.

Das sagen Blick.ch-Leser
marius weber, Bern - 22:34 | 27.10.2009
» Finde es toll dass die Blochers so eine Reise unternehmen. ich glaube solche Erfahrungen bewirken eine gewisse tolleranz und wie er selber sagt, verständnis. wo man da eine verschwörungstheorie erkennt weiss ich auch nicht.
Bünzli Hugo, Aarau - 21:48 | 27.10.2009
» Ja klar, Herr Blocher bittet zuerst den BLICK um Erlaubnis, wohin er in die Ferien mit seiner Familie darf. Solange sie nicht nach Libyen reisen, würde ich mir allerdings keine Sorgen machen.
Rolf Schumacher, Thierachern - 18:13 | 27.10.2009
» Chapeau Hr. Blocher. Sie erstaunen mich fast täglich, im positiven Sinn. Es ist halt doch nicht alles Schwarz, was Schwarz scheint. Danke. Meine schönsten Reisen waren jene kurz nach dem Mauerfall nach Polen, Ungarn, Rumänien, Slowakei, Teschechei. Auschwitz-Birkenau im November als praktisch einziger Besucher war sehr, sehr beeindruckend. Reisen bringt Verständnis für andere Kulturen und nimmt unbegründete Aengste (Minarette!)
Hans Waldmeier, 9300 Wittenbach - 17:16 | 27.10.2009
» Herr Blocher soll in der Schweiz Wanderferien machen und nicht in Nordkorea Politik machen.
Meier Paul, Kölliken - 16:31 | 27.10.2009
» Lieber Blick, vielleicht wollten Blochers nur mal schöne Ferien machen in Nordkorea? Warum gleich so eine Verschwörungstheorie daraus stricken??
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