Was ist uns schweiz.ch wert?

  • Aktualisiert am 14.01.2012
  • Von Katrin Stäheli

BERN – Seit sechs Jahren bemüht sich die Eidgenossenschaft um die Internetadresse schweiz.ch. Was sie dem Besitzer dafür bot? Nicht gerade viel.

Ein Blick auf Switch verrät: Heute gehört schweiz.ch einem Stefan C. Frei. Das will der Bund ändern. Doch aus «unerfindlichen Gründen» will der Informatikingenieur aus Zürich die Adresse nicht freiwillig der Eidgenossenschaft übertragen. Obwohl man ihm, wie Thomas Sägesser vom Rechtsdienst der Bundeskanzlei gegenüber Blick Online bestätigt, «die Kosten erstatten würde, die ihm dadurch entstehen.»

Doch was bedeutet das im Klartext? Das kann Sägesser nicht sagen. Er könne die Umtriebe nur schwer beziffern. Frei habe nie eine konkrete Forderung gestellt, der Bund aber auch nie ein Angebot gemacht.

Wir rechnen deshalb nach: Laut Switch fallen beim Übertragen einer Domain beim alten Halter höchstens 35 Franken an. Herr Frei besitzt neben schweiz.ch auch noch svizzera.ch und suisse.ch. (Diese verlinken einfach auf die deutsche Website). Das macht 3 x 35 Franken.

Darüber hinaus würde der Bund Frei drei neue URLs bezahlen, was maximal 3 x 75 Franken kostet. Frei könnte also mindestens mit 330 Franken rechnen. Alles weitere müsste der jetzige «schweiz.ch»-Besitzer beziffern.

Laut Sägesser sah Frei einfach nicht ein, weshalb er die Adresse abtreten solle – und davon liess er sich bis zuletzt nicht abbringen. Deshalb reichte der Bund gestern bei der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) ein Gesuch ein. Sein Inhalt: Die Internetdomain schweiz.ch soll vom jetzigen Besitzer auf die Eidgenossenschaft übertragen werden.

Ob schweiz.ch bald offiziell wird? Ein WIPO-Sprecher räumt der Klage immerhin Erfolgschancen ein.

Weshalb erst jetzt - und was dann?

Bevor der Bund tätig werden wollte, wollte er die Rechtsprechung genau verfolgen. Zwecks Risikominimierung. Das brauchte Zeit. Erst seit anfang 2005 beschäftigt man sich intensiv mit dem Thema.

Unter schweiz.ch soll laut Thomas Sägesser das nationale Einstiegsportal, sprich die offizielle Schweizer Website, entstehen. Weder private noch kommerzielle Einträge sind dann dort zu finden.
Für Schweiz.ch sollen gemäss Beitrag auf «Schweiz Aktuell» 100000 Franken geboten worden sein.

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