Was führt Blocher im Schild?

  • Publiziert: 20.11.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Simon Spengler (Text), Igor Kravarik (Illustration)

Christoph Blocher (68) provoziert mit seiner Bundesratskandidatur Spott - und Stirnrunzeln. Warum tritt er an, obwohl er keine Chance hat?

Die Winkelried-Variante

Es geht Blocher gar nicht um sich selbst. Er will nur sicherstellen, dass ein Mann seiner Gefolgschaft gewählt wird. Bringt nämlich die SVP ein Zweierticket « Blocher plus X», wäre der Mister X so gut wie gewählt. Auch wenn er Maurer, Baader oder Amstutz heisst. Alle drei gehören zu den SVP-Hardlinern und würden unter anderen Umständen bei grossen Teilen des Parlaments auf Widerstand stossen.
Das spricht dagegen: Das Parlament will – ausser im Fall Blocher – eh nicht nochmals einen SVP-Kandidaten übergehen. Das Blocher -Theater wäre gar nicht nötig.

Die Oppositions-Variante

Blocher will mit seiner SVP gar nicht in den Bundesrat zurück, sondern vorläufig in der Opposition bleiben. So hat er nämlich mehr Einfluss auf die Partei. Ausserdem müsste die SVP nicht selbst die Verantwortung für die Armee übernehmen. Solange kein SVP-Vertreter in der Regierung ist, lässt sich auch die Personenfreizügigkeit viel besser bekämpfen.
Das spricht dagegen: Die Bilanz der bisherigen SVP-Opposition ist mager. Die Mehrheit der Fraktion will in die Regierung zurück.

Die Ego-Variante

Vielleicht kann Blocher tatsächlich nicht loslassen, die Schmach seiner Abwahl nicht überwinden. Und schon gar nicht dulden, dass ein anderer «seinen» Sitz erbt. Wie etwa Ueli Maurer, den er zwar als Einpeitscher und Organisator brauchte, aber nie als ebenbürtig anerkannte.
Das spricht dagegen: Man mag kaum glauben, dass ein Mann mit so sicherem Machtinstinkt sich so verrennen kann.

Die Schachspieler-Variante

Blocher denkt weiter, als wir glauben. Die FDP muss wahrscheinlich bald den Couchepin-Sitz verteidigen. Sie braucht dafür die Hilfe der SVP. Damit könnte Blocher den Freisinn erpressen. Oder er spekuliert nicht aufs VBS, sondern auf das wichtige Innendepartement von Couchepin. Tritt der 2009 zurück, könnte die SVP den FDP-Sitz erben.
Das spricht dagegen: Selbst mit der FDP reicht es Blocher nicht. Und der CVP-Schachzug wäre mit etwas gar vielen Unwägbarkeiten verbunden.

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