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Schweizer in Libyen als Geiseln: Was erlaubt sich Gaddafi!

Glaubt dieser Wüsten-Diktator, er könne mit der Schweiz machen, was er will? Provoziert eine Krise, weil die Genfer Polizei seinen Prügel-Sohn verhaften liess!

Von Simon Spengler und Beat Michel | Aktualisiert um 00:21 | 24.07.2008
Diplomatie: Task-Force-Chef Börlin und Pressesprecher Jeannerat (v.l.n.r). (Keystone)
Diplomatie: Task-Force-Chef Börlin und Pressesprecher Jeannerat (v.l.n.r). (Keystone)
Gaddafis Schergen schlagen gleich in mehreren Schweizer Firmen in Libyen zu. Bei der ABB in Tripolis verhaften sie den Direktor, einen Schweizer Bürger.

Einen weiteren Schweizer nehmen sie bei einer kleinen Firma fest. Beim Nahrungsmittelmulti Nestlé verhaften sie den Generalmanager. Dann stellt sich heraus: ein Ägypter – er kommt wieder frei.

Das ist nicht alles: Die Schweizer Firmen wurden von der Polizei versiegelt. Und zwei der drei wöchentlichen Swiss-Flüge liess Gaddafi kurzerhand streichen. Zudem zog er seine Diplomaten aus Bern ab.

Das nur, weil sein missratener Sohn Hannibal (32) in Genf eine Klage am Hals hat. Das Herrensöhnchen hat seine Bediensteten brutal misshandelt und wurde in seiner Luxussuite verhaftet.

Bern ist im höchsten Masse alarmiert. Immerhin ist Libyen ein wichtiger Erdöllieferant. «Wir haben eine sehr ernst zu nehmende, ausserordentliche Lage», sagt EDA-Sprecher Jean-Philippe Jeannerat. Für diplomatische Begriffe eine äusserst drastische Beschreibung. Schärfer wäre nur noch das Wort «Krise». Aber das verwendet Jeannerat bewusst nicht: «Wir wollen eine Krise vermeiden.»

Deshalb zahlt die Schweiz bisher Libyen auch nicht mit gleicher Münze heim. «Wir setzen auf das Gespräch», sagt Jeannerat. Er schliesst aber nicht aus, dass es im schlimmsten Fall zu Retorsionsmassnahmen kommt: «Das müsste dann der Bundesrat entscheiden.»

Das EDA nimmt die Lage also sehr ernst. Aussenministerin Micheline Calmy-Rey brach ihre Ferien ab und machte sich auf den Weg zum Krisenstab. Schon am Dienstag hatte sie per Telefon beim libyschen Aussenminister Abderraham Shalgan protestiert.

Die Task-Force in Bern arbeitet fast rund um die Uhr. Versucht, diplomatische Kanäle in Tripolis zu öffnen. «Oberstes Ziel ist die sofortige Freilassung der beiden Schweizer», sagt Task-Force-Chef Markus Börlin. Der Botschafter leitet die politische Abteilung VI des EDA, zuständig für Schweizer im Ausland.

Alles hängt davon ab, was die hochrangige Diplomatendelega­tion unter Botschafter Pierre Helg erreichen kann. Um 16.50 Uhr landeten sie gestern in Tripolis.

Ob die Schweiz Hilfe bei Frankreichs Präsident Sarkozy erbeten hat, will Jeannerat nicht sagen. Sarkozy erreichte bei Gaddafi die Freilassung der bulgarischen Krankenschwestern aus libyscher Haft.

Einen Evakuierungsplan für die anderen rund 40 Schweizer in Libyen – meist Doppelbürger – gibts laut Jeannerat nicht. Die meisten wollten «zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht ausreisen», sagt Börlin.

Jede Eskalation soll vermieden werden. Gut so, findet Geri Müller (Grüne), Präsident der Aussenpolitischen Kommission des Nationalrats APK. Für den Nahost- und Nordafrika-Kenner hilft nur: «Klug verhandeln und versuchen, ins Gespräch zu kommen.»

Vielleicht brauchts auch eine Entschuldigung der Schweiz bei Gaddafi. Oder ein passendes Geschenk. Dazu will Müller nichts sagen. Nur so viel: «Ich bin sicher, dass die Schweizer Delegation die Situation entschärfen kann.»

Für APK-Vizepräsidentin Christa Markwalder (FDP) muss es aber auch Grenzen geben: «Unser Rechtsstaat gilt für alle gleich. Auch für Söhne von Öllieferanten.»

Mitarbeit: Georges Wüthrich
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Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi lässt sich gerne feiern wie hier in Togo. (Reuters)
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