Sie ist wendig und viel günstiger Warum testet die Schweiz keine MiG?

  • Publiziert: 11.08.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Henry Habegger
play MiG-29: Der russische Kampfjet beim Besuch in der Schweiz 2002. (RDB)

BERN – Sie gilt als günstiger und in vielen Belangen besser als die westlichen Kampfjets: die russische MiG. Doch bei der Schweizer Armee ist sie kein Thema.

April 2002 über den Schweizer Alpen. Deutsche Piloten in russischen MiG-29-Kampfjets fliegen den Schweizer Kollegen in ihren amerikanischen F/A-18 um die Ohren. Bei dieser freundnachbarlichen Luftverteidigungsübung zeigt sich besonders die enorme Wendigkeit des Russen-Jets.

Überlegenheit hin oder her. Für die Schweizer Armee, die sich für 2,2 Milliarden Franken neue Kampfflugis zulegen will, ist die russische MiG-29 beziehungsweise ihre Weiterentwicklung MiG-35 kein Thema.

Im Rennen sind nur westeuropäische Hersteller: der Eurofighter von EADS, die Rafale von Dassault und der Gripen von Saab, die sich einen wenig durchsichtigen Fight um den Auftrag liefern (auf BLICK.ch).

Dabei: Die Russen-Jets gelten als vergleichweise günstig. Sie kosten rund einen Drittel weniger als ihre westlichen Konkurrenten. Warum ist dieMiG oder ein anderer russischer Jet wie die ebenfalls erprobte Suchoi SU-27 kein Thema? Warum werden, wenn schon, nicht auch Russen-Jets getestet?

Kaj-Gunner Sievert, Sprecher der Beschaffungsabteilung Armasuisse im Schweizer Verteidigungsdepartement: Erstens habe man mit westlichen Herstellern «gute Erfahrungen» gemacht. Russische Jets seien in westlichen Ländern «tendenziell wieder ausser Dienst gestellt worden». Kriterium für die Auswahl sei zudem, dass ein Jet bereits in einer westlichen Luftwaffe eingeführt sei. Das treffe beim MiG nicht zu. Und: Wenn man die gesamten «Lebenswegkosten» eines Jets rechne, könne ein bezüglich Kaufpreis günstiger Flieger schlussendlich teurer sein.

«Alles nur Ausreden», sagt ein Experte. «Die Realität ist viel einfacher: Die Schweizer Beschaffer wollen kein Kampfflugzeug aus Russland, aus der ehemaligen Sowjetunion. Das geht ganz einfach nicht in ihre USA-lastigen Köpfe.»

Politische Gründe, so hört man, sprechen gegen einen Kampfjet-Kauf in Russland. Doch politisch viel korrekter sind Kampfjets auch dann nicht, wenn sie aus Europa oder den (ebenfalls Krieg führenden) USA kommen, wie der F/A-18.

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