BERN – Katastrophe für unsere Armee: Beim Rottal-Gletscher in der Jungfrauregion sind heute Morgen sechs Soldaten in den Tod gerissen worden. Acht Kollegen hatten riesiges Glück und überlebten. Jetzt stellt sich die Frage: War es richtig, dass die Soldaten nach den starken Schneefällen aufstiegen?So spielte sich das Drama ab: 5 Uhr heute morgen in der Früh: Insgesamt 14 Armeeangehörige starten in mehreren Seilschaften von der Mönchsjochhütte aus. Ziel ist die 4158 Meter hohe Jungfrau. Die Männer nehmen die Normalroute. Doch niemand erreicht den Gipfel. Kurz nach 10 Uhr, ungefähr auf einer Höhe von 3800 m.ü.M, schlägt das Schicksal zu: Von einer Schneeverwehung löst sich eine Lawine, sie erfasst zwei 3er-Seilschaften und reisst sie rund eintausend Meter in die Tiefe.Das erklärten Vertreter des
VBS (des eidgenössischen Militärdepartements) heute Nachmittag an einer Medienkonferenz.Auf unserem Exklusiv-Foto ist klar zu erkennen: So steil und felsig, wie das Gelände der Unglücksstelle ist, so wenig hatten die jungen Rekruten (siehe Box rechts) eine Chance zum Überleben.Acht weitere Armee-Angehörige haben das Unglück als Augenzeugen miterlebt. Sie wurden von Rega-Helis mit der Seilwinde gerettet und aus dem Gebiet ausgeflogen. Sie werden zur Zeit psychologisch betreut. Warum mussten die Rekruten aufsteigen?Im Jungfraugebiet herrschte am Sonntag erhöhte Lawinengefahr, wie ein Sprecher Eidgenössischen Institut für Schnee- und Lawinenforschung in
Davos (SLF) auf Anfrage sagte. Allein seit Montag habe es am westlichen Alpennordhang auf Höhen um 3800 Meter rund 50 Zentimeter Neuschnee gegeben. Er könne den Aufstieg unter diesen schwierigen Bedingungen «nicht nachvollziehen», sagte auf Anfrage Hans Möhl, der Chef der Rottalhütte, die nicht weit vom Unglücksort entfernt ist. Er befinde sich zur Zeit allerdings im Tal und könne die konkrete Gefahrenlage vor Ort nicht beurteilen. Die Lage war heikel und bedurfte einer genauen Abklärung, weil in den vergangenen Tagen viel Schnee bei starken Winden gefallen war, wie Rettungsarzt Bruno Durrer sagte. Nach seinen Erkenntnissen hatte sich das Schneebrett auf dem Gipfelfeld der Jungfrau gelöst. Zuvor hatten andere Rettungsleute erklärt, es sei nicht klar, ob die Alpinisten das Schneebrett ausgelöst hätten. Auch Toni von Allmen äusserte sich kritisch. In «10vor10» sagte der Stellvertretende SAC-Rettungschef Lauterbrunnen über den Unfallort: «Diese Route ist relativ heikel.» Denn: Hier gebe es häufig Stein- und Eisschlag und Lawinen. Bergsteiger, die in der Mönchsjochhütte, von wo die Soldaten aufgebrochen waren, von «10vor10» interviewt wurden, waren sich einig: Nach solch massiven Schneefällen ist der erste Sonnentag am gefährlichsten – Lawinengefahr!Die direkte Verantwortung für die Tour habe nach bisherigen Erkenntnissen bei den zwei Bergführern gelegen, sagte Christoph Huber, der zuständige Untersuchungsrichter des Militärgerichts 6Erschreckend: Kurz nach der Bergung der Opfer sei der Unfallplatz von einer weiteren Lawine überdeckt worden, berichtete Durrer!
Bundesrat «bestürzt»Verteidigungsminister Samuel Schmid gab in
Bern im Namen des Bundesrats seiner grossen Bestürzung Ausdruck. «Sechs Angehörige der Armee haben ihr Leben im Dienste unseres Landes verloren», sagte er und drückte den Angehörigen das tief empfundene Beileid aus. Die Untersuchung werde zeigen, ob allein die
Natur oder allenfalls menschliche Unzulänglichkeit Ursache des Todes dieser erfahrenen Alpinisten sei. (AP/SDA/snx)
Exklusiv-Bild
BLICK fotografierte die Stelle zwischen Jungfrau und Rottalhorn, wo die Lawine losriss:
Hier passierte das Unglück
Alle Opfer sind Armeeangehörige
Bei allen sechs Opfern des Unglücks an der Jungfrau handelt es sich um Angehörige der Armee, vier stammen aus dem Kanton Wallis, je einer aus den Kantonen Waadt und Freiburg. Bei den Getöteten handelt es sich um fünf Rekruten und einen Wachtmeister im Alter zwischen 20 und 23 Jahren. Dies gab Divisionär Fred Heer, stellvertretender Kommandant des Heers, heute Nachmittag vor den Medien in Lauterbrunnen bekannt. Die Opfer waren in der Gebirgsspezialisten-Rekrutenschule (RS) in Andermatt stationiert. Sie befanden sich am Ende der militärischen Grundausbildung am Ende der 17. RS-Woche, wie Heer weiter sagte. Für die Verbandsausbildung und Übungen im schwierigen Gelände wurden sie ins Berner Oberland verlegt. Die Männer wurden für eine derartige Übung im Hochgebirge ausgebildet und ausgerüstet. Insgesamt waren am Donnerstag 14 Armeeangehörige unterwegs gewesen. Acht von ihnen wurden unverletzt geborgen. Die Identifikation der Opfer ist noch nicht abgeschlossen, die Eltern und Angehörigen werden ansschliessend persönlich informiert.
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