Waffenhandel, Geldwäsche, ein Dutzend 'Ndrangheta-Ableger So tief steckt die Schweiz im Mafia-Sumpf

Gestern stürmten Polizisten die Wohnungen von mehreren Mafiosi in Italien, 18 Männer wurden festgenommen. Heute steht fest: es handelt es sich um Mitglieder eines ‘Ndrangheta-Clans.

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 «Das isch doch es A****loch» Tram-Chauffeur ärgert sich über Mörgeli
2 Weil ihn deswegen sogar Barack Obama erkannt hat Schneider-Ammann ist...
3 SVP verhindert im Entlebuch mit Flugblatt Einbürgerung Keinen...

Schweiz

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
15 shares
19 Kommentare
Fehler
Melden

Mitten in der Nacht schlugen die Ermittler zu: Gestern um drei Uhr stürmten Polizisten in Italien die Wohnungen von mehreren Mafiosi. Im Rahmen der Aktion «Hybris» nahmen sie in sechs verschiedenen Provinzen 18 Männer fest. Heute Morgen informierten die Ermittler über die Aktion: Bei den Mafiosi handelt es sich um Mitglieder eines ’Ndrangheta-Clans.

Die Behörden werfen ihnen Erpressungen und Angriffe auf Unternehmer vor. Und die Mafiosi wollten offenbar Kommunalwahlen beeinflussen und bedrohten einen Journalisten, der über den ’Ndrangheta-Clan berichtete. Die italienischen Behörden deckten auch einen blühenden Waffenhandel zwischen der Schweiz und Italien auf. «Wir konnten die Bewaffnung rekonstruieren. Die Organisation wurde regelmässig mit Waffen aus der Schweiz beliefert, mit denen sie dann auf den Strassen rumballerten», sagte der leitende Staatsanwalt. So hätten sie die Kontrolle und die Vorherrschaft über ihr Gebiet demonstrieren wollen.

Die Ermittler sind sicher: Ein ’Ndrangheta-Mitglied, das in Schaffhausen wohnt, hat die Waffen besorgt. Der Mann ist zur Verhaftung ausgeschrieben. Ein Rechtshilfegesuch soll demnächst in Bern eingereicht werden. Die Bundesanwaltschaft hält dazu fest: «Dieser Fall steht nicht im Zusammenhang mit dem gestern kommunizierten ’Ndrangheta-Fall.»

Denn gerade erst ist bekannt geworden, dass eine Mafia-Zelle in Frauenfeld aktiv ist. Am Freitag wurden zwei Thurgauer Mitglieder verhaftet. Auf einem Video waren ein Dutzend Mafiosi bei einem Treffen in Wängi TG zu sehen. Damit führt nicht einmal zehn Stunden nach der Pressekonferenz der Bundesanwaltschaft zur Thurgauer Mafia-Zelle eine zweite Mafia-Spur in die Schweiz. Wie aktiv ist die Organisation bei uns?

«Die italienischen Ermittler gehen davon aus, dass es mehrere Ableger in der Schweiz gibt», sagt die deutsche Autorin und Mafia-Expertin Petra Reski (56). «Anti-Mafia-Staatsanwalt Nicola Gratteri sprach 2011 von 11 bis 13 ’Ndrangheta-Lokalen in der Schweiz, unter anderem in Zürich.» Für sie ist klar: «Die Verhaftungen der letzten Tage waren nur eine kleine Störung.» Die ’Ndrangheta ist in der Schweiz seit 40 Jahren präsent. Warum also spricht niemand darüber?

Reski: «Das Thema wird von den Behörden klein gehalten.»

Dabei sei die organisierte Kriminalität bei uns stark vertreten, sagt die Schweizer Mafia-Expertin Stephanie Oesch (33). «Die ’Ndrangheta wäscht hier zwischen 20 und 30 Milliarden Franken pro Jahr.»

Publiziert am 27.08.2014 | Aktualisiert am 27.08.2014
teilen
teilen
15 shares
19 Kommentare
Fehler
Melden
Boccia-Club in Wängi: Hier hielten die Mafiosi ihre Treffen ab

TOP-VIDEOS

19 Kommentare
  • André  Nadig 27.08.2014
    Es benötigt schon lange Handlungsbedarf im Bereich der Kriminalität! Solange wir solche fragwürdigen Zustände im Bereich Justiz und Polizei haben, solange wird sich auf Dauer nichts ändern. Aberden meisten geschätzten Politikern ist das gleich, solange der Zahltag stimmt! Am besten den Damen und Herren in Bern den Lohn mal kürzen und das ersparte im Bereich Justiz einsetzen, mal sehen ob das nicht Wirkung zeigen würde!
  • Roland  Schnyder 27.08.2014
    Ich weiss nicht was ihr für ein Problem habt, mir ist die Italienische Mafia immer noch lieber als alle anderen kriminellen Organisationen Terroristen und hohen Tiere in der Politik! Bei Filmen wie der Pate oder ähnlichen bin ich immer auf der Seite der Familie!
  • Herbert  Müller aus Bern
    27.08.2014
    Kein Wunder, die Polizei ist ja so beschäftigt, da müssen Radarkästen aufgestellt werden, Kiffer kontrolliert werden, evtl. hat noch ein Autolenker ein Wimpel am Rückspiegel hängen etc., alles wichtige Sachen!!
    Da bleibt halt keine Zeit. sich um die richtigen Verbrechen zu kümmern!!
  • süleyman  kovanci 27.08.2014
    Bis 1997 verkehrte ich in dem benannten Bocciaclub,die herren sind mir nie aufgefallen,die haben wahrscheinlich im nebenzimmer bzw. zur spaeten stunde getagt.
    • daniel  reneau aus montreux
      27.08.2014
      Da sieht man wie Professionell die Ganoven aggieren, dem Stammgast fällt nicht auf,dass Mafiosis im Bocciaklub ihre Sitzungen abhalten.
  • Peter  Weber aus Zürich
    27.08.2014
    Die Schweiz ist bisher ein weltoffenes, relativ freies Einwandererparadies. Nur logisch das auch Gangster kommen.
    Gegen das internationale Verbrechen muss international vorgegangen werden. Wer keine Verbrecherkultur will, muss alle Verbrecher ausschaffen und auch Verdächtige ausweisen.
    Entweder oder, das ist doch wohl klar.
    • Daniel  Leuenberger aus Chisinau
      27.08.2014
      "Verdächtige ausweisen" ist das Ihr neuer Sinn für Justiz und Gerechtigkeit ? Immer noch gilt "Unschuldig bis zur Verurteilung". Sonst kann jeder über jeden Gerüchte in die Welt setzen und jeder wird ein Verdächtiger.