Vor 25 Jahren tötete ihr Vater die Mutter Dieter (43) und Urs (31) müssen ums Überleben kämpfen

Vater tötete ihre Mutter: Brüder Dieter (43) & Urs (31) müssen kämpfen play
Die Brüder Urs (31, l.) und Dieter D. (43) haben sich nie vom Schicksalsschlag erholt. Joseph Khakshouri

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Nach der Ermordung ihrer Mutter begann für die vier Kinder ein langer Alptraum. Sie wurden nicht nur über Nacht zu Waisen. Die Behörden liessen sie mit ihrem Trauma allein. Jetzt sind sie wieder am Ende.
Die Brüder Dieter (43) und Urs D.* (31) wohnen in einem typischen Glarner Haus. Auf den ersten Blick ist es ein ansehnliches Chalet. Auf den zweiten aber eine unbewohnbare Hütte. Die Heizung funktioniert nicht, warmes Wasser gibt es nur im Bad, und überall schimmelt es.

«Wir klagen gegen die Vermieter, damit sie endlich die Mängel beheben. Wir können so nicht mehr weiterleben», sagt Dieter D. «Es geht uns schlechter als direkt nach der Zeit, als der Vater die Mutter getötet hat», so Urs D.

Das war nur der Beginn eines langen Leidenswegs. Am Freitagabend, dem 11. Januar 1991, dreht der Vater durch. Urs und seine Zwillingsschwester (damals sechs Jahre alt) liegen im Bett. Dieter und die ältere Schwester sind im Ausgang. Mit einem Bajonett sticht der Vater seiner Ehefrau mehrmals in den Hals. Dann verständigt er die Polizei. Die Kinder müssen im Haus bleiben. «Wir hatten keine psychologische Betreuung. Und der riesige Blutfleck war noch immer da», erinnern sich die Brüder.

Nach zwei Tagen teilt die Gemeinde den Kindern mit, dass sie keine Waisenrente erhalten. Nur Geld fürs Essen. Der Strom wird nach zwei Monaten abgestellt. «Wir mussten um jeden Rappen kämpfen», sagt Dieter D. Trotzdem schliesst er noch im Jahr des Mordes seine Maurerlehre ab. Sein Bruder macht eine KV-Lehre bei der Kantonalbank, wird zum stellvertretenden Teamleiter. Doch das Glück nimmt ein abruptes Ende. Eine Fräse zerfetzt den Daumen von Dieter D. Bei einem weiteren Arbeitsunfall fällt ein Stahlprofil auf seinen Rücken. Dieter D. wird operiert. Ohne Erfolg. Urs D. pflegt seinen Bruder – und verliert 2011 darum seinen Job.

Beide finden nicht mehr zurück in die Berufswelt und werden ausgesteuert. Von 2012 bis 2014 müssen sie in einem einsturzgefährdeten Haus leben, in dem gefährliche Schimmelpilze gedeihen. Urs D. erkrankt an Asthma. Beide Brüder sind in ärztlicher Behandlung.

«Wir wurden damals von den Behörden im Stich gelassen. Und heute müssen wir wieder ums Überleben kämpfen», sagt Dieter D.

* Name der Redaktion bekannt

Wenn Menschen in unserem Land abstürzen

Am Rande der Schweiz

Der Schweiz gehts richtig gut. Wir werden regelmässig zu den reichsten Ländern weltweit gezählt. Die Finanzkrise haben wir prima weggesteckt, auch den Frankenschock besser verkraftet als erwartet. Und für 2017 rechnet der Bundesrat mit einem weiterem Wirtschaftswachstum und noch weniger Arbeitslosen.

Und doch fallen immer mehr Menschen aus der Gesellschaft der Erfolgreichen. Die Städteinitiative Sozialpolitik stellte fest, dass 14 untersuchte kleinere und grosse Städte 2015 insgesamt 2,2 Prozent mehr Sozialhilfefälle verzeichneten. Längst müssen nicht nur in Zürich, Genf oder Basel Menschen aufs Sozialamt. Im Gegenteil drängen die hohen Lebenskosten die Armen in mittelgrosse und kleinere Städte wie Schlieren ZH, Biel BE oder Chur ab. Dort leiden sie einerseits unter der Isolation durch die Armut – und andererseits unter dem Stigma, die kleinstädtische Nähe mit sich bringt.

Die Fachhochschule Bern schätzt, dass jeder vierte Bezugsberechtigte es nicht wagt, aufs Sozialamt zu gehen. Armut und Abhängigkeit sind in der reichen Schweiz eine Schande – was es erschwert, ihr zu entkommen. Die durchschnittliche Bezugsdauer von Sozialhilfe steigt seit Jahren.

BLICK kennt viele Betroffene.

Publiziert am 18.10.2016 | Aktualisiert am 21.10.2016
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36 Kommentare
  • anneliese  hofer 19.10.2016
    leider ist dieser mord passiert, sber das ist zig jahre her. als erwachsene hatten sie zeit sich etwas aufzubauen. den bruder versorgen können profis. der gesunde bruder kann beruflich wieder einsteigen und für sichsorgen
  • Hans-Peter  Brechbühl 18.10.2016
    Zu allem Unheil der beiden, haben sie noch die falsche
    Hautfarbe. Habe ich nicht recht wenn ich behaupte dass
    Fremde das bessere Leben geniessen als mancher Ein-
    heimische. Warme saubere Unterkunft immer die neuste
    Mode etc.
  • Willy  Gfeller 18.10.2016
    Statt einfach sich nur zu bedauern und Forderungen zu stellen, könnten die Beiden versuchen, sich mit Arbeit aus dem Dreck zu ziehen. Wieso soll der KV-ler seinen Beruf nicht mehr ausüben können, nur weil er eine Stelle verloren hat. Die Zwillingsschwester von Urs scheint die Situation besser gemeistert zu haben. Auch wenn ich der Ansicht bin, Verweigerung des Militätdienstes rechtfertige auch kein vorübergehendes Bleibercht, sollte man Aepfel nicht mit Birnen verwechseln.
  • Peter  Stierli aus Geroldswil
    18.10.2016
    Dieter (43) und Urs (31) müssen ums Überleben kämpfen, weil sie einfache Schweizer sind!
  • Leni  Zorn aus ZH
    18.10.2016
    Die Verantwortlichen in der Kantonalbank, die dem Urs, dem letzten gut Verdienenden, gekündigt haben, sollte man zur Rechenschaft ziehen können. Das kommt einer eventualvorsätzlichen Tötung gleich. Ein Kündigungsschutz für schwierige Lebensumstände muss her, auch in der vielgerühmten Schweiz!