Rentner Hansjörg schwer verletzt auf der Intensivstation Von 15 Kühen angegriffen

  • Publiziert: 20.07.2010, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Antonia Sell

Er wollte nur zum Rechten sehen nach dem Gewitter. Dabei hats Hansjörg Jenny bös erwischt.

Neun Rippen sind gebrochen, die Lunge gequetscht und das Brustbein angebrochen. Seit einer Woche liegt Hansjörg Jenny (68) aus Leuggelbach GL nun schon auf der Intensivstation des Universitätsspitals Zürich. Das Sprechen fällt ihm schwer. Doch trotz seiner ernsten Verletzungen spielt ein Lächeln um die Mundwinkel des Rentners. «Meine Hündin Leika hat mich gerettet. Wäre sie nicht gewesen, ich weiss nicht, was dann mit mir passiert wäre», sagt Hansjörg Jenny stolz zu BLICK.

In der Nacht des 11. Juli fegt ein schlimmes Gewitter durch das Glarner Klöntal. Jenny hat dort mit seiner Frau Erika (67) ein kleines Ferienhaus. An diesem Wochenende ist der ehemalige Sanitärtechniker allein mit seiner fast achtjährigen Labrador-Hündin Leika oben. Das Unwetter lässt Bäume brechen, viele der kleinen Bergstrassen und wege sind nicht mehr passierbar.

«Am Montagmorgen hat mich ein befreundeter Bauer angerufen, ob ich nicht kurz bei seinen Kühen nach dem Rechten sehen könnte», so Jenny. «Von seinem Hof konnte er die Koppel nicht mehr erreichen.»

Jenny lädt Leika in den Kofferraum seines Autos und fährt zur Alp hoch. «Ohne Leika gehe ich nirgends hin», sagt Jenny. Angekommen steigt er aus und geht auf die Weide. «Ich wollte schauen, ob auch keines der Tiere verletzt wurde. Dort sind viele Mutterkühe mit ihren kleinen Kälbern.» Doch kaum hat der hilfsbereite Mann die Wiese betreten, wird er von einem Schlag in den Rücken zu Boden gerissen. «Über mir habe ich den Kopf einer Kuh gesehen, dann hat es nur noch gräblet», erzählt Jenny und hält sich mit der Hand die schmerzenden Rippen.

Mindestens 15 Kühe überrennen den am Boden liegenden Rentner. «Ich dachte nur noch, du musst aufstehen, sonst trampeln sie dich tot.»

Mit letzter Kraft rettet sich Jenny hinter den Zaun. Dort bleibt er blutüberströmt liegen.

Hündin Leika erkennt sofort, dass es ihrem Herrchen schlecht geht. Sie rennt zum Nachbarhof – «dort war sie schon ein paar Mal mit mir», sagt der 68-Jährige. «Sie ist in die Küche gelaufen, hat den Bauern angestupst, gebellt und nicht locker gelassen, bis er ihr zur Unfallstelle gefolgt ist.»

Als der Bauer den Rentner auf der Wiese findet, alarmiert er sofort die Rega. Mit einem Helikopter wird Jenny nach Zürich geflogen. Die ganze Familie Jenny ist ihrer Leika von Herzen dankbar. «Wenn sie nicht gewesen wäre, dann wäre mein Mann jetzt wahrscheinlich tot», sagt Ehefrau Erika und streichelt die Labradorhündin.

Wehe, wenn sie wild werden

Lebensgefährliche Kuh-Attacken: Anfang Mai wurde eine 68-jährige Frau in Uznach SG von einer Mutterkuh zu Tode getrampelt. Die Bäuerin wollte mit ihrem Mann die Kuh und ihr neugeborenes Kalb von der Herde trennen. Da griff das Muttertier die Frau an und tötete sie durch Huftritte.

Nur knapp zwei Wochen später auf einem offiziellen Wanderweg in Uznach griff ein Muni einen Rentner an. Der 80-Jährige starb im Spital an seinen schweren Verletzungen. Und auch im grenznahen französischen Jura ist man vor wild gewordenen Kühen nicht sicher. Hier wurde Anfang Juni ein Ehepaar von einer Herde eingekesselt und schwer verletzt.

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