«Bankdirektor»-Betrug Vom Millionen-Deal blieb nur der Koffer

  • Publiziert: 21.11.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Myrte Müller

Ein braver Geschäftsmann will sich mit Investoren treffen und bringt 2,2 Millionen Franken mit. Das Geld übergibt er einem netten Bankdirektor – und sieht es nie wieder.

Manu B.* (39) kann es noch immer nicht glauben: «Es war alles so sicher. So professionell.» Und doch ist es passiert: In einer richtigen Bank ging ein falscher Direktor mit einem Koffer voller Geld stiften. Dem Geld von Manu B.

Ein abgekartetes Spiel, lange vorbereitet. Davon ist Manu B. heute überzeugt. Seit 30 Jahren macht der Unternehmer Geschäfte in der Schweiz. Er fühlte sich hier immer sicher.

«Ich suchte Investoren für ein Energie-Projekt in Spanien». Mindestens 15 Millionen Euro muss er dafür auftreiben. Er findet die Investoren in London: Angehörige einer angesehenen französischen Familie. Glaubt Manu B.

Zehn Millionen Euro versprechen sie. Auch er treibt einen Anteil auf: 2,2 Millionen Franken. Ein «Vertrauter» der Familie stellt sich als Herr Di Benedetti vor. Er lädt zum Treffen in Bellinzona. Dort habe er Kontakte.

In der Tat darf der Italiener einen Raum der Privatbank Società Bancaria Ticinese benutzen. Manu B. hat sein Geld dabei. Di Benedetti nicht.

Es klopft an der Tür. Ein Herr in Anzug tritt ein. «Der Bankdirektor», sagt Di Benedetti. Dieser macht Manu B. ein Angebot: «Es ist gleich zwölf Uhr. Wir machen Mittag. Sie können später weiterverhandeln. Geben Sie mir Ihren Koffer. Ich schliesse ihn im Safe ein», sagt der Direktor.

Manu B. ahnt nichts Böses, lässt seine Millionen in der Bank und geht essen. Als er wiederkommt sind alle weg: der Partner aus London, der falsche Bankdirektor – und das Geld. Manu B.: «Ich rief sofort die Polizei».

Zu spät. Denn jetzt kommt ans Licht, dass der angebliche Investor aus London ein Betrüger ist. Er ködert seine Opfer mit dem guten Namen der Familie. Diese kennt Di Benedetti gar nicht und hat nun auch Anzeige erstattet. Und natürlich ist auch der Bankdirektor ein Fake.

Manu B. wendet sich an den «Corriere del Ticino» und BLICK. «Ich muss doch vor diesen Verbrechern warnen!»

*Name bekannt

play In diesem Koffer hatte Manu B. 2,2 Millionen Franken. Der Koffer ist noch da – das Geld weg.

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