Vom Balkan droht keine Büezer-Invasion

  • Publiziert: 14.10.2008, Aktualisiert: 02.01.2012

NEUENBURG – Aus Rumänien und Bulgarien droht bei einem Ja zu den bilateralen Verträgen keine Arbeiterschwemme – denn in den beiden Balkanländern gibt es genug Arbeit.

Die jungen Rechten der SVP haben das Referendum zustande gekriegt: Am 8. Februar nächsten Jahres werden wir darüber abstimmen dürfen, ob die Schweiz die bilateralen Verträge auf Rumänien und Bulgarien ausdehnen soll.

Es ist vorauszusehen: Bald werden uns Plakate vor einer Roma-Invasion vom Balkan warnen – selbst dann, wenn die «grosse» SVP Christoph Blocher folgen und sich im Kampf gegen die Freizügigkeit zurückhalten sollte.

Neue Studie vom BFS

Angesichts des baldigen Abstimmungskampfes lohnt es sich, einen Blick auf die Wirtschaft in Rumänien und Bulgarien zu werfen. Heute hat das Bundesamt für Statistik (BFS) eine entsprechende Studie zum Arbeitsmarkt der beiden Balkanländer veröffentlicht.

Wichtigstes Ergebnis: Das Risiko einer Arbeiterschwemme aus Bulgarien oder Rumänien bei einem Ja am 8. Februar scheint gering. Denn es warten nicht Heerscharen von Arbeitslosen auf die Möglichkeit, endlich ins gelobte Land Schweiz reisen zu dürfen.

Tiefe Arbeitslosigkeit, tiefer Lohn

Mit einer Arbeitslosenquote von 6,8 und 6,5 Prozent liegen die beiden Länder deutlich unter der Quote von Polen, wo 9 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung arbeitslos sind. Und ein Exodus polnischer Gastarbeiter in die Schweiz ist seit der Ausdehnung der bilateralen Verträge auf die zehn neuen EU-Staaten am 1. April 2006 nicht zu beobachten.

Diejenigen Rumänen und Bulgaren, die Arbeit haben, kriegen im Schnitt aber wenig Geld in die Lohntüte: In Rumänien sind es pro Jahr 3713 Euro (5700 Franken), in Bulgarien gar nur 2195 Euro (3380 Franken).

Die BFS-Studie gibt keinen Kommentar darüber ab, wie attraktiv da der Schweizer Durchschnittslohn von 70100 Franken auf Büezer aus den beiden Balkanländern wirken dürfte. (SDA/hhs)

play Autofahren auf rumänisch: Die Wirtschaft im Balkanland ist zwar sehr agrarisch geprägt – dafür ist die Arbeitslosigkeit relativ tief. (Reuters)

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