Villiger: Erfahrung oder Filz?

  • Publiziert: 04.03.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
play Soll neuer UBS-Präsident werden: alt Bundesrat Kaspar Villiger! (Keystone)

ZÜRICH – Peter Kurer raus – Kaspar Villiger rein als UBS-VR-Präsident: Für diesen Umsturz gibts von den Parteipräsidenten überwiegend Lob. Aber auch Kritik.

Das war seit Längerem klar: Der abtretende UBS-Präsident Peter Kurer würde sich nicht mehr lange an der Spitze der Grossbank halten können. Wegen dem Steuerstreit mit den USA ist er zu stark belastet.

Daher war der Ruf nach seinem Rücktritt immer lauter geworden. Unternehmer Nicolas Hayek hatte den Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, als Kurer-Nachfolger gefordert. Doch der hatte abgewinkt.

Jetzt solls also alt Bundesrat Kaspar Villiger richten. Was für ihn spricht: Er ist intimer Kenner des Bankgeheimnisses, hat ausgiebig mit der EU verhandelt. Villiger fürs Politische, der neue CEO Oswald Grübel für tägliche Bankengeschäft: Das könnte ein starkes Gespann geben. Aber es gibt auch Vorbehalte ihm gegenüber.

Das sagen die Parteien

Villiger sei nicht der geforderte Vertreter des Bundes im UBS-Verwaltungsrat, sagte SP-Präsident Christian Levrat. Vielmehr bestehe seine Aufgabe darin, die Bank zu vertreten und nicht den Staat.

Auch die SVP hatte einen Vertreter des Staates im Verwaltungsrat der Grossbank gefordert. Und auch sie sieht ihre Forderung nicht erfüllt, sagte SVP-Präsident Toni Brunner in einem Interview mit Radio DRS4.

Ein solcher Vertreter müsse nicht unbedingt ein Bundesrat sein, sagte er weiter. Vielmehr wünsche sich die SVP jemanden mit vertiefter Bankenkenntnis wie beispielsweise den abtretenden Nationalbank-Präsidenten Jean-Pierre Roth.

FDP-Präsident Fulvio Pelli hingegen sieht hinter dem Vorschlag, Villiger zum neuen UBS-Verwaltungsratspräsidenten zu wählen, einen klugen Schritt der UBS. Die UBS habe mehr Nähe zur Politik und der Bevölkerung, ja zu den alten Tugenden der Schweiz gesucht. Und diese vertrete Villiger.

Skepsis gegenüber neuem Steuermann

SP und SVP zeigen sich gegenüber der Nomination von alt Bundesrat Villiger (FDP) für den UBS-Verwaltungsrat kritisch. Brunner zweifelt an Villigers Bankenkenntnissen. Und er stelle sich die Frage, ob Villiger «krisentauglich» sei. Beim Swissair-Grounding habe er ja eine eher weiche Linie vertreten.

Für SP-Parteipräsident Christian Levrat hat Kaspar Villiger zwei Gesichter, wie er in einer Medienmitteilung schreibt: «Einerseits ist Villiger Teil des alten FDP-Filzes», und sei mit seinen 68 Jahren auch kein Mann der Erneuerung. Andererseits sei Villiger ein Mann mit Verständnis für den Werkplatz Schweiz.

CVP stellt Villiger gutes Zeugnis aus

Wie die anderen Parteien ist auch die CVP nicht überrascht über den Abgang von UBS-Verwaltungsratspräsident Peter Kurer. Im Gegensatz zu SP und SVP bezeichnete CVP-Präsident Christophe Darbellay Villiger als «gute Lösung».

Auf die Frage nach der Staatsvertretung im UBS-Verwaltungsrat antwortete Darbellay auf Anfrage, dass man nichts vermischen sollte: «Gesucht wurde nicht ein neuer Finanzminister, sondern ein neuer Verwaltungsratspräsident.» (SDA)

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